09 Juni 2011 - 11:23 -- Nichtraucher

Frank Turners »Love, ire and song«

Bis ich mir Frank Turners neues Album schön gehört habe, verliere ich mal ein paar Worte über mein Frank Turner-Lieblingsalbum, Love, ire and song von 2008.

Frank Turner – »Love, ire and song«



Das ist wirklich eine Perle des modernen Songwritertums. Ich kann nicht mit allen seinen Alben so viel anfangen, aber das hier wird mich sicher noch lange begleiten. Es ist eines der Alben, die ich ohne einmal zu skippen durchhören kann und ich freu mich noch beim hundertsten Mal immer wieder auf jedes nächste Lied, so gut sind sie alle smilie

Er beginnt in the beginning, we're lovers and we're losers, we're heros and we're pioneers, we're beggars and we're choosers - er schaut sich einmal um in seinem Freundeskreis aus verhinderten Rockstars, Möchtegern-Szenefotografen und Independent-Filmemachern, ein spöttisch-liebevoller Rundumschlag, We're almost on the guest list, we're always stuck in traffic... we're the C team with the almost famous old friends of the stars. (weiterlesen)

24 September 2010 - 11:53 -- Craggan

Flatraten in Togo

Immer mehr endemische Tierarten in bis dato von der Natur fein abgegrenzten Biotopen sind ja durch sogenannte Bioinvasoren bedroht. Fremde Tierarten, die teils absichtlich eingeführt wurden (wie die Karnickel in Australien), oder die sich teils im Bilgewasser der großen Pötte eingeschlichen haben und dann die heimischen Krebse und Fischlein schlicht verdrängen.

Ähnliches passiert seit Jahren mit der deutschen Sprache. Wir bekommen morgens unseren Wake Up Call, futtern mittags fröhlich unseren Hämbörger, rechnen nachmittags Business Pläne und chillen abends in der Lounge. Wenn ich mal wieder drohe aus der Haut zu fahren, weil Junior wieder mal mit Strafarbeit und Verweis vor der Tür steht, kommt überigens auch regelmäßig ein gelangweiltes "chill mal!".

Schön und gut. Das ist aus meiner Sicht alles noch kein wirklicher Grund zur Beunruhigung. Sollte Herr Sarrazin Recht behalten, dann gibt es ja auf Sicht sowieso kaum noch Deutsche mit deutschem Hintergrund und wir reden irgendwann eine muntere Melange aus Türkisch, Arabisch und Englisch. Check? Check! (weiterlesen)

16 November 2009 - 14:36 -- Ramujan

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Skript-Idee für den nächsten Emmerich

Zeitpunkt: 2512

Die Menschen besiedeln inzwischen die gesamte Galaxis. Es gibt Außenstationen auf den unterschiedlichsten Exo-Planeten, wo man in friedlicher Koexistenz mit diversen dinosauriermorphen Alienrassen lebt. Ein Großteil der Zivilisation haust jedoch auf gigantischen Raumstationen: das sind eher Städte, ausufernde Schiff-Cluster, die über Rohre miteinander verbunden sind; das Szenario lässt sich auf der Kinoleinwand mit schön vielen Details umsetzen, inklusive gleichzeitigem Sonnenauf- und untergang im Hintergrund und kleinen Schiffen, die um das Netz herumwuseln.

Auf einer dieser Stationen lebt Familie Moon, der Vater ist Astrophysiker und gerade entlassen worden, weil niemand seiner Theorie über expandierende Schwarze Löcher, die die gesamte Galaxis auffressen, Glauben schenken will. Deswegen hat ihn auch seine bildhübsche Frau verlassen, die nun in den Armen eines korrupten Politikers ihr Glück neu definiert.

Unterdessen entdeckt ein heruntergekommenes Outlaw-Schiff, auf der Suche nach vermarktbaren Rohstoffen, gewisse Anomalien im Raumzeitgefüge, etwa dass die Antworten über Funk vor den gestellten Fragen aus den Bordlautsprechern knistern. Kurze Zeit später verschwindet das Schiff unter bunt wabernden Lichteffekten. Überall im Universum stoßen sich Wissenschaftler den Kopf, weil sie vor blinkenden Hologrammen aus dem Schlaf aufschrecken.



Das soll als Skizze der ersten zwanzig Minuten genügen. In den folgenden zwei Stunden verschluckt das Schwarze Loch alles, was sich ihm in den Weg stell. Ich stelle mir die Szenen, in denen Planeten gefressen werden, als Inversion von 2012 vor: Anstatt nach unten, fällt alles nach oben. Die Planeten werden Schicht für Schicht abgetragen, bis Henry (so nennen Wissenschaftler auf einer ersten Konferenz das Schwarze Loch; nach der Namensgebung sterben alle bis auf Held Moon, der ja von Anfang an alles besser wusste) schließlich den flüssigen Magma-Kern in sein Zentrum schlürft. Monde werden auf die Raumstationsnetze geworfen und reißen dort alles auseinander.

Retten kann sich natürlich nur der Physiker samt dessen Familie. Die letzte halbe Stunde besteht aus einer Verfolgungsjagd durch ein Wurmloch, dessen hinteres Ende Stück für Stück von Henry angenagt wird. Schließlich kann sich das Raumschiff der Familie in eine Parallelwelt flüchten, in der Milch und Honig fließen.

05 Oktober 2009 - 17:00 -- Oxford

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11 Freunde sollt ihr sein

Ich muss hier wirklich mal eine große Lanze für das Monatsmagazin "11 Freunde" brechen. Es ist die perfekte Lektüre für den etwas intellektuelleren Fan. Da gibt es keine Spielberichte oder Ergebnisse, sondern einfach nur gute, witzige und extrem unterhaltsame Geschichten rund um den Fußball. Es nennt sich ja auch selbst "Magazin für Fußballkultur".

Coverbild der



Ich kaufe mir die "11 Freunde" meist zu Beginn längerer Zugfahrten. Die Geschichten im Heft sind ja nicht tagesaktuell, daher hat man keine Eile beim Lesen. Trotzdem habe ich eine Ausgabe meist sehr schnell durchgelesen. Das Faszinierende daran ist, dass ich jeden Artikel lese. Egal wie dröge oder absurd das Thema auch zu sein scheint, die Artikel sind so humor- und liebevoll geschrieben, dass es immer Spaß macht. Noch dazu sind sie immer sensationell recherchiert und man erfährt Dinge, die man in der normalen Sportberichterstattung nie hören oder lesen würde. Das gilt auch für die Interviews. Gegenüber 11 Freunde wirken viele Fußballer deutlich offenherziger, als sie es in den Mainstream-Medien sind.

In den Geschichten der 11 Freunde wird Fußball wieder zum Spiel, also zum Fußballspiel. Medienmacht, Kohle und Kommerz rücken in den Hintergrund. Auch heute noch gibt es Geschichten, die man in unserer glattgebügelten Medienfussballwelt gar nicht mehr für möglich gehalten hätte. (weiterlesen)

03 Oktober 2009 - 15:34 -- Quar

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Wie sich 20 Jahre Einheit anfühlt

Am 3.Oktober und am 9. November werde ich irgendwie immer ziemlich rührselig. Dabei war ich noch nicht mal im Grundschulalter, als die Mauer fiel. Und doch: sobald sich die Menschen von 89 sich im Fernsehen in den Armen liegen, kullern bei mir die Tränchen.

Meine Eltern wurden beide in der DDR geboren, flüchten war für sie nie eine Option. Die gesamte Verwandtschaft wohnte in der DDR, in der BRD kannte man niemanden und auf Germanisten hatte man "drüben" gerade so gewartet. Das lag natürlich auch daran, dass unsere Familie ein relativ angepasstes Leben führte. Bis auf meinen Großvater, der regelmäßig erst fünf vor 18 Uhr im Wahllokal auftauchte, um die auf 100% Wahlbeteiligung getrimmten Wahlhelfer zum Wahnsinn zu treiben, gab es bei uns keine öffentliche Stellungnahme gegen diesen Staat.
Natürlich gab es genug Schikanen. Handwerker mit eigenem Haus und Laden gehörten ja quasi schon zu Bourgeoisie, da muss man schon dreimal überlegen, ob wirklich alle Kinder zum Studium zugelassen werden müssen. Bei meinem Onkel konnten die oberen Sesselfurzer noch überredet werden. Meine Tante ist heute sehr glücklich in ihrem Handwerksberuf, aber ich glaube, eigentlich, hätte sie schon sehr gerne studiert.
Woran sich meine Familie auch immer sehr ungern erinnert, ist die militaristische Ausrichtung dieses Staates. Meine Mutter musste ins paramilitärische Ausbildungslager. Sie erzählt ungefähr genau so viel davon wie mein Vater, der sich sein Studium durch drei Jahre NVA erkaufen musste.

In vielerlei Hinsicht geht es uns gold im Vergleich zu vor 20 Jahren. Natürlich gab es mehrere Enttäuschungen nach der Wiedervereinigung. Mein Großvater war (weiterlesen)

24 September 2009 - 19:00 -- Nichtraucher

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Immer da wo du bist bin ich nie

Die neue EOC-Scheibe ist rauer und ruppiger. Anders die "Mittelpunkt der Welt", die sich schon beim ersten Mal Durchhören buttrig-weich in die Gehörgänge schmeichelte und den Hörer sich wohlig schnurrend auf dem Sofa räkelnd zurückließ, verlangt die "Immer da" etwas mehr Entgegenkommen und Geduld und ich hab sie mir noch lange nicht "erhört", da brauch ich noch ein paar Durchgänge.

Coverbild

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22 September 2009 - 18:21 -- Ramujan

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Wickie und die starken Männer

Jetzt wischen wir mal diesen ganzen Quatsch wie Inglorious Basterds, District 9 und Michael Jackson beiseite und wenden uns echten Männerfilmen zu.

Hey, hey Wicki



Das Leben ist hart und rau zur Wikingerzeit, das Wetter der Vor-Klimawandelepoche, Entbehrung und das Diktat archaischer Sitten formen die Menschen. Die Frauen sind so unfruchtbar wie das karge Land, das sich jedem Versuch der landwirtschaftlichen Kultivierung entzieht. Der Überlebenswille zwingt die Männer zur Barbarei, in wackligen Booten rudern sie von Raubzug zu Raubzug; es gilt das Recht des Stärkeren, das Darwinsche Gesetz, auch wenn für das Wissen, wer Darwin war, der Bildungsstandard kaum ausreicht.

Am härtesten und am rausten ist das Leben -- natürlich! -- für die empfindsamsten und unschuldigsten der Wikingergeschöpfe: für die Kinder. Holt Wotan sie nicht während der ersten fünf Lebensjahre zu sich in die Krabbelstube von Walhalla, überlässt man sie den Gepflogenheiten der Natur, in der Hoffnung, das Spiel mit Wölfen und anderen Wikingerkindern möge ihnen Willen und Stärke eintreiben. Einer dieser Kinder ist Wickie (man beachte den mit Absicht allgemein gehaltenen Namen -- eine Allegorie auf das Wikingerkind an sich).

Und hier bezieht der Film Stellung, positioniert Intelligenz ganz klar über Kraft, die Wachheit des Geistes über den Kult des Körpers, Aufklärung über die Unvernunft des Kultischen. (weiterlesen)

11 September 2009 - 20:31 -- Morgi

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Budapest

Nach meiner Solidaritätsteilnahme an der Budapest Gay Pride Parade bin ich noch einige Tage in der Stadt geblieben, vor wenigen Stunden bin ich wieder in Wien angekommen, und hier gibt es gleich einige frische Eindrücke von Demo und Stadt:

Den Ablauf der Pride habe ich als fast uneingeschränkt positiv empfunden, von irgendwelchen Krawallen oder Gewalttätigkeiten am Rande habe ich nichts mitbekommen, und die Stimmung innerhalb der Parade war sowieso durchweg freundlich und gelöst. Auch die Teilnehmerzahl ist mir nicht so gering vorgekommen, wie es in manchen Berichten heißt - 500 Teilnehmer scheinen mir stark untertrieben, alleine die kleine Wiener Gruppe umfasste ja gut 100 Leute. 1000 dürften es mE insgesamt mindestens gewesen sein. Trotzdem muss ich eine kleine Einschränkung meines guten Eindrucks vornehmen, der allerdings nicht die Organisation der Pride insgesamt, aber der Wiener Delegation betrifft: Bei der Ankunft in Budapest mussten wir ein ganzes Stück vor dem eigentlichen Beginn der Demo aussteigen und waren dabei mit einer ziemlich gefährlich aussehenden Gruppe Nazis der Ungarischen Garde konfrontiert, ohne irgendwelchen nennenswerten Polizeischutz in der Nähe zu haben. Noch dazu sind wir erst einmal in die falsche Straße eingebogen und eine Weile ungeschützt unter den Blicken der Nazi-Aktivisten in die falsche Richtung gegangen - eine Situation, die übel hätten ausgehen können und in der ich mich sehr unwohl gefühlt habe. (weiterlesen)