21 April 2005 - 23:44 -- Thanil

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Queen in Frankfurt

Yeah, Paul Rogers + Lichtshow


Das Queen-Konzert war meiner Meinung nach ganz große Klasse. Ich war in meinem Leben ja schon auf einigen Konzerten und kann vielleicht einige Dinge mit anderen vergleichen. Beispielsweise der Sound war einfach dramatisch gut. Es gibt ja wenige Bands auf der Welt, die Live fast studioreif spielen. Queen scheinen dazu zu gehören.

Was mich besonders beeindruckt, das ist die individuelle Klasse der Künstler. Brian May und Roger Taylor hätten ja scheinbar irgendwie beide das Zeug zu hervorragenden Solokünstlern. Beide können singen, beide sind großartige Entertainer, und beide beherrschen ihr Instrument perfekt - auch nach 19 Jahren Pause, wie es scheint.

Leider kann ich ja nicht den Vergleich mit den alten Zeiten ziehen, denn als sie das letzte Mal auf Tournee waren, da kannte ich die Band noch gar nicht, war gerade mal zarte 10 Jahre alt. Aber ich denke mal, dass sie ihre Instrumente nie in die Ecke gestellt haben, sonst hätten sie doch irgendwie eingerostet klingen müssen. Aber vielleicht waren sie auch eingerostet, und in diesem Zustand immer noch besser als 99% aller Musiker? Das würde bedeuten, dass sie in den 80ern die absoluten Götter waren zwinkern

Was mir auch sehr gut gefallen hat im Nachhinein, das war die "Dramaturgie". Zunächst haben sie ganz übel mit unserer Erwartungshaltung gespielt. Irgendwie hatte ich nicht erwartet, dass es keine Vorband gibt. Aber krasser war, dass es irgendwann dunkel wurde und dann ein Techno-Remix von "It's A Beautiful Day" (Made in Heaven) erschallte. Das hätte ich nicht erwartet. Noch unerwarteter kam dann als nächstes nicht etwa der Auftritt der Jungs, sondern es erschallte als nächstes Eminem's "8 Mile"-Titellied. Rolling on the floor...

Doch dann ging's los: TIE YOUR MOTHER DOWN! Der Vorhang fiel, 1.000.000 Watt an Lichtkegeln erstrahlten und der wartende Mob ging ab wie ein Zäpfchen. Sie waren extrem laut (musste mir sofort zum Schutz meines Trommelfells was in die Ohren stopfen), der Bass ließ die Hosenbeine schlackern, und der Sound war so glasklar wie ein schimmernder Bergsee.

Danach ging es dann auf und ab. Es gab einige sehr ruhige Passagen bei der die Beleuchtung auf ein Minimum abgesenkt und die Disco-Kugel eingesetzt wurde, die einen Sternenhimmel an die Decke zauberte. Roger Taylor brachte dann in einem Akkustik-Part ein neues Lied zum Besten, das zugunsten der AIDS-Hilfe geschrieben wurde. Brian May hielt danach mit seiner Akkustik-Gitarre und "Love Of My Life" mit. Zum Heulen schön. "A song by Freddy, let's sing it for Freddy."

Dann etwas ganz unerwartetes: er tauschte die Akkustik-Gitarre durch eine E-Gitarre aus und fing an die ersten Strophen von "Hammer To Fall" zu spielen, und zwar ohne Begleitung und im Schmusetakt, ganz leise und beschaulich. Dabei ist der Song ja eigentlich schon mehr als ein halber Metal-Song. Ungefähr zur Hälfte jedoch schalteten sie die Beleuchtung wieder ein und sofort griff der Rest der Band ein, allen voran Roger Taylor, und das Lied steigerte sich in Nullkommanix zu dem Rock-Knaller, den wir alle kennen und lieben.

Dann kam auch Paul Rodgers wieder dazu, der ungefähr nur das halbe Konzert gesungen hat. Den Rest der Zeit haben Roger und Brian gesungen. Dann gab es noch ein Schlagzeug-Solo und ein Gitarren-Solo. Bei dem Gitarren-Solo wäre ich beinahe abgespacet und abgehoben, so bizarr und sphärisch war das teilweise. Vor allem im Zusammenspiel mit der esoterischen Beleuchtung. Brian stand schließlich auf einem Podest vor einer Leinwand, die vorher nicht so zu sehen war, auf der dann zuerst eine Art Verfolgungsjagd durch den Straßenverkehr von London zu sehen war, die dann zu den höchsten Gitarrentönen auf der Spitze von Buckingham Palace endete (wer dreht eigentlich sowas??), und dann flogen wir in den Himmel, durch die Sterne und die Galaxien, alles zu Brian Mays Gitarrensolo. Wie gesagt, ziemlich abgespacet. Dann zeigten sie ein paar Aufnahmen der Band aus den 70er Jahren, als alle vier noch ganz jung waren und scheinbar an einer japanischen Tee-Zeremonie teilnahmen.

Ein absoluter Höhepunkt des Konzerts war "Bohemian Rhapsody". Das Lied kann ja niemand außer Freddy. Unmöglich. Und daher haben Brian und Roger zu Konzertaufnahmen von Freddy gespielt. Man sah Freddy hinten auf der Leinwand, etwa in Höhe des Podestes. Es sah fast so aus, als sitze er dort wirklich am Klavier und spiele die Eröffnung des Liedes. Als dann die Up-Tempo-Passage kam (bestens bekannt aus der Auto-Sequenz von "Wayne's World" grins ), war der Saal nicht mehr zu halten. Wildes rocken und hüpfen und posen. Den Rest des Liedes sang dann Paul Rodgers.

Tja, und irgendwann war es dann zu Ende, doch das Publikum forderte erfolgreich eine Zugabe, und dann bekamen wir noch "The Show Must Go On", "We Will Rock You", "We Are The Champions" und "God Save The Queen" zu hören Spitze

Es wäre wohl auch kein Queen-Konzert ohne diesen klassischen Abschluß gewesen. Nur Freddy in Samt und mit Königskrone fehlten schmerzhaft. Aber er fehlte ja an diesem Abend entschuldigt... :(