29 April 2005 - 10:07 -- Alex

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Die Filme von Alan Smithee

Vater und Sohn vereint


("Nut House" vom späteren Spiderman-Regisseur Sam Raimi)

Im Laufe seiner 36jährigen Karriere hat Alan bei 65 Filmen und TV-Produktionen Regie geführt, war zweimal Assistant Director, hat 9 Drehbücher geschrieben, in 6 Filmen als Schauspieler mitgewirkt, für 2 Filme die Filmmusik komponiert, war bei 2 Filmen der Kameramann, bei 2 weiteren der Editor und fungierte je einmal als Art Director, als Production Designer und als Produzent – eine sehr ertragreiche, aber wechselvolle Karriere mit Höhen und vor allem mit vielen Tiefen.

Alan Smithee wurde 1969 geboren und lieferte im selben Jahr seine erste Regiearbeit ab. Das kam so:
Bei den Dreharbeiten zu Death of a Gunfighter zerstritten sich Regisseur Robert Totten und Schauspieler Richard Widmark – man nannte das wie so oft "artistic differences". Don Siegel sprang für Totten ein und beendete den Film, lehnte es aber ab, in den Credits als Regisseur genannt zu werden. Widmark wiederum wollte Tottens Namen nicht über dem Film haben und Totten wollte nicht als Regisseur des gegen seinen Willen veränderten Films erscheinen. Mit Hilfe der DGA (Director's Guild Association) wurde ein Kompromiß ausgehandelt, der zum Vorbild für viele ähnlich gelagerte Fälle werden sollte. In den Credits wurde der fiktive Name Alan Smithee als Regisseur genannt. Zuerst hatte man an "Al Smith" gedacht, aber es gab schon einen Regisseur dieses Namens, dann erwog man "Smithe", entschloß sich aber schließlich, den Namen durch die Hinzufügung des Doppel-E unverwechselbar zu machen.

Death of a Gunfighter sollte Alan Smithees bester Film bleiben. Die New York Times – noch etwas unsicher in der Schreibweise seines Namens – bescheinigte dem Newcomer: "Sharply directed by Allen Smithee who has an adroit facility for scanning faces and extracting sharp background detail". Variety urteilte: "Smithee's direction keeps the action taut and he draws convincing portrayals from the supporting cast".

Es scheint, als ob Alan den frühen Ruhm nicht verkraftet hat, denn nach Death of a Gunfighter und 2 Fernsehproduktionen folgt erst einmal eine kreative Pause von 8 Jahren. Aber 1978 nahm er die Arbeit wieder auf und von da an verging fast kein Jahr ohne ein oder mehrere Werke aus seiner Hand. Die eindrucksvolle stilistische und inhaltliche Breite seines Werks dürfte von keinem anderen Hollywood-Regisseur erreicht werden. Fast unheimlich mutet es an, wie Smithee seine Aktivität auf immer mehr Bereiche des Filmhandwerks ausdehnen konnte; seit 1988 trat er als Drehbuchautor und seit 1989 auch als Schauspieler ins Rampenlicht. 1996 und 1997 versuchte er sich als Komponist und 2003 als Kameramann.

Ironie der Ironien: 1997 drehte Arthur Hiller einen Streifen, in dem sich ein Regisseur mit dem wirklichen Namen Alan Smithee von seinem Film distanzieren will, aber feststellen muß, daß nach den Regeln der Director's Guild Association nur das offizielle Pseudonym Alan Smithee erlaubt wird. Der Film scheint Arthur Hiller ein wenig aus den Händen geglitten zu sein, denn er ließ ihn nicht unter seinem eigenen Namen erscheinen, sondern unter ... Alan Smithee: An Alan Smithee Film: Burn Hollywood Burn.

Alan Smithee ist übrigens ein Anagramm von "The Alias Men", aber nur ganz zufälligerweise.