28 Juli 2005 - 12:22 -- Nichtraucher

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Robin Hood

Ein Held in Technicolor


Heute habe ich mir den kompletten Audiokommentar von The adventures of Robin Hood angehört, man hat ja Urlaub. Der Filmhistoriker Rudy Behlmer erzählt uns mit einer beruhigenden Samtstimme und in lupenreinem Hochenglisch spannende, weniger spannende und vollkommen sinnlose Details rund um die Warner-Produktion von 1938. Herrlich, man kuschelt sich mit einem Tee aufs Sofa, draußen rauscht ein sanfter Sommerregen, die quietschbunten Technicolor-Bilder tanzen über die Mattscheibe und Onkel Rudy weiß alles!

Zum Beispiel dass Errol Flynn eigentlich nur zweite Wahl war, es war bereits James Cagney gecastet, sprang aber nach einem Streit mit Warner ab. Flynn war ein Newcomer und galt als Risiko, der Film wurde erstmal auf Eis gelegt, bis ein kluger und weitsichtiger Entscheidungsträger bei Warner doch noch grünes Licht gab. Wir alle stehen in seiner Schuld.

Mittendrin wurde dann der Regisseur gefeuert, er hinkte hinterm Zeitplan her. Tja, das waren raue Zeiten, das Studio war allmächtig, alle Kreativen waren nur Angestellte in 3-Jahres-Knebelverträgen und hatten nichts zu melden, Superstar hin oder her. Ersetzt wurde der Unglücksrabe durch einen berüchtigten Leuteschinder, Michael Curtiz, der dafür bekannt war, ebenso schnell wie gut zu arbeiten, ohne Rücksicht auf Verluste. Alle am Set haben ihn gehasst, was aber dem Film keinen Schaden zufügte und mal wieder zeigt, dass Filme drehen keinen Spaß machen muss. David Lean war ja auch ein harter Hund und Kubrick ein Sadist.

Historisch korrekt ist überhaupt nichts, aber das macht nichts. Die Robin-Hood-Sage ist so oft durch den Wolf gedreht worden, da kommt es nun auch nicht mehr drauf an, dass Sir John in Wirklichkeit gerade in Frankreich weilte, als Löwenherz nach England zurückkehrte und der Bischof das Phantasieornat einer Kirche trägt, die erst noch gegründet werden muss und so weiter und so weiter.. in den alten Balladen aus dem 13.-15. Jahrhundert gab es auch den Konflikt Sachsen-Normannen noch nicht, da ging es nur um Reich und Arm. Löwenherz, Marian, Bruder Tuck wurden erst im Lauf der Jahrhunderte hinzugefügt, Elemente einer französischen Legende flossen ein, ect. Die Herkunft der Sage verliert sich im Dunkel, in den ältesten Balladen ist Robin ein einfacher Mann, der mit seinen Burschen im Wald haust, ein Räuber eben. Onkel Rudy erwähnt auch den möglichen Bezug zu heidnischen Waldgeistern, Robin Goodfellow, dem Grünen Mann. Robin war Jahrhunderte eine feste Figur beim Maifest, später bei Weihnachtsspielen, und auch beim Erntedankfest und ist immer stark mit bäuerlichen Traditionen verbunden gewesen, ein echter Volksheld eben.

Dann erfahren wir noch so nützliche Details wie z.B. die damals bahnbrechenden Bogenschieß-Effekte gemacht wurden: Teilweise bekamen die Opfer einfach eine Polsterung unters Hemd geschoben und Howard Hill, ein legendärer Sportschütze und Bogenschieß-Oberexperte des Films, schoss den Armen dann einen Pfeil rein. "Robin Hood" ist der Film mit den meisten Stuntmännern in der Filmgeschichte, ich ahne, warum... In anderen Einstellungen wurde der Pfeil bereits reingesteckt, an einem Draht wieder rausgerissen und die Aufnahme rückwärts in den Film eingefügt. Das ist heute sicher Standard, aber das musste alles irgendwann mal ausgetüfftelt werden. Für die Bogengeräusche bastelte Howard Hill spezielle Pfeile, die besonders gut surrten, in tagelanger Arbeit wurden die Geräusche aufgenommen, wanderten dann in die Warner-Soundbibliothek und werden bis heute immer wieder verwendet. Legolas schießt vielleicht mit dem Howard Hill-Sound von 1938. Ach, ich liebe diesen ganzen unwichtigen Scheiß! Der Film war übrigens ein gigantischer kommerzieller Erfolg und belebte das damals totgeglaubte Genre des Kostümfilms neu. Sieh an, alle paar Jahrzehnte wird irgendwas totgeglaubt und wiederbelebt, das ist also nichts Neues.

So, jetzt warten noch Tonnen an Bonusmaterial auf mich. Es ist toll, man bekommt viel mehr als nur einen Film. Audiokommentare höre ich mir selten an, weil ich in der Regel den Film nicht gleich nochmal sehen will, aber im Prinzip ist das eine sehr gute Einrichtung. Ich werde meine ganze Sammlung nach und nach durchhören, nur den Audiokommentar von Richard Taylor nicht, der ist so anstrengend.

Und, was sind eure Lieblingsbonusgeschichten?