12 September 2005 - 09:56 -- Helcaraxe

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Der Omega Mann

abgrundtief häßliches Coverbild!


Der Omega Mann - ein Familienfilm mit dem Meister

"Schade, dass die Welt es nicht geschafft hat."

Los Angeles im Jahr 1978: Ein Mann (Charlton Heston) fährt in einem todschicken roten Sportwagen mit offenem Verdeck durch die menschenleeren Straßen der Stadt. Es ist ein schöner, wolkenloser Sommertag, und doch lässt die Abwesenheit von Passanten oder Pkws den Zuschauer sehr bald erahnen, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Auch hält der Fahrer plötzlich - er hat eine vermummte Gestalt in einem Fenster gesehen -, greift nach dem Maschinengewehr auf dem Beifahrersitz und pumpt eine Ladung Blei in Richtung der Bewegung. Es bleibt unklar, ob der Schütze sein Ziel wirklich trifft, doch fährt er gleich darauf sichtlich befriedigt weiter.

Hinter einer Kurve erwartet ihn das nächste Problem: Eine Barriere aus querstehenden Fahrzeugen. Der Fahrer verhindert mit quietschenden Reifen den Totalschaden, so dass es bei einigen Schrammen und einem Platten bleibt. Wütend versetzt er der verbeulten Karosserie einen Tritt. "Nie ein Bulle da, wenn man mal einen braucht", bemerkt er trocken.
Einige Straßen weiter finden wir ihn in einem Autohaus wieder - auch dieses ist wie der Rest der Stadt offenbar verlassen. Es folgt ein äußerst merkwürdiges Verkaufgespräch, in dem der Mann die Rollen von Käufer und Verkäufer übernimmt. Er handelt den Preis herunter, fragt, ob sie seinen alten in Zahlung nehmen und weshalb der Lack nicht poliert wurde. Endlich fällt sein Blick auf einen Kalender an der Wand: März 1975

Etwas später sehen wir ihn im Vorführraum eines Kinos. Er schaltet gerade den Projektor ein, um sich einen Film über Woodstock anzusehen. Man hört die typische Musik der Zeit, sieht fröhliche, ausgelassen feiernde Menschenmassen, dazwischen Interviews mit bekannten Musikern, deren Texte er auswendig mitspricht. Selbstgespräche führend verlässt er das Kino: "Riesenerfolg, läuft ohne Unterbrechung schon im dritten Jahr. Solche Filme machen die heute bestimmt nicht mehr." Und: "Mein Gott, es ist beinahe dunkel!"

abgrundtief schlechte Maske



Wie ein Besessener rast er jetzt in seinem neuen Flitzer durch die Straßen der Stadt, nur nach Hause, in die relative Sicherheit der eigenen vier Wände. Fast beiläufig mäht er mit der typischen Heston-Coolness ein paar Figuren in dunklen Lumpen nieder, die bereits vor seinem Haus auf ihn warten und entfernt an Ringgeister erinnern. Unbewaffnet sind sie ein leichtes Ziel für seine Kugeln. Im Haus bricht er dennoch erschöpft fast zusammen, während vor seinem inneren Auge Bilder eines Krieges vorbeiziehen, der mit biologischen Waffen geführt wird. Nun endlich erfährt der Zuschauer in einer Rückblende die Hintergründe: Er, Dr. Neville, war an der viel zu späten Entwicklung eines Antiserums gegen die schrecklichen Auswirkungen der biologischen Waffen beteiligt.

Den Menschen, die entweder reihenweise starben oder sich in so etwas wie Vampire oder Zombies verwandelten, konnte er freilich nicht mehr helfen. Nur sich selbst hat er das ungetestete Serum verabreichen und daher mit knapper Not überleben können. Die anderen "Überlebenden" verdienen diesen Namen kaum noch; sie sind entstellt und können sich wegen ihrer Lichtempfindlichkeit nur nachts nach draußen wagen. Allerdings sind sie im Gegensatz zu herkömmlichen Zombies durchaus zu rationalem Denken fähig; es sind im Grunde immer noch Menschen, wenn sie auch freiwillig dem Gebrauch von Waffen, allem Technischem und Privatbesitz entsagt haben. Neville sehen sie als Überbleibsel aus vergangenen Zeiten an, als Freiwild, auf das man tunlichst Jagd machen muss. Sie selbst nennen sich: "Die Familie".



Die vampirischen Kommunistenzombies versuchen in der Folge immer wieder, Nevilles Haus zu stürmen, äußerlich einer Festung gleichend. Das Innere offenbart es jedoch als Hort der Vernunft und des verfeinerten Geschmacks. Bildhauereien und Gemälde zieren die Wände. In der Mitte des zentralen Wohnraumes steht eine Büste Cäsars, die mal als Gegner beim Schachspiel, mal als Gesprächspartner herhalten muss. (Ungefähr so stelle ich mir Arbrandirs Wohnung vor -- doch das nur am Rande.) Natürlich macht Neville immer wieder Ausflüge in die nähere Umgebung, er will die Familie ein für alle mal ausräuchern. Dabei stellt er sich jedoch so ungeschickt an, dass er eines Tages von deren Schergen gefangen genommen und vor Matthias, den Anführer, gebracht wird. Jetzt muss er das "dämliche Geschwafel" des angeblich geläuterten Gutmenschen ertragen, was fast noch schlimmer als die ihm zugedachte Strafe ist: Reinigung durch Feuer, also Verlodern auf dem Scheiterhaufen, der in einem ehemaligen Stadion für ihn errichtet wurde. Neville soll brennen!

Wie man sich denken kann, folgt nun die Szene, in der der Held in letzter Sekunde aus einer schier ausweglosen Situation gerettet wird. In einer etwas lächerlichen Aktion gelingt es den linksradikalen Zombievampiren zunächst, den athletischen Heston auf dem Scheiterhaufen festzubinden und ihm eine Schandkappe aufzusetzen. Man sieht: Die historischen Bezüge sind auch in Hestons späteren Endzeitfilmen für den Wissenden erkennbar. Während die Flammen schon züngeln, geht mit einem Mal die Stadion-Beleuchtung an. Ein Typ in Fliegerkluft und eine Schwarze mit unglaublich hässlicher 70er-Jahre-Frisur verhindern im letzten Augenblick Nevilles qualvollen Exitus. Dem Trio gelingt die Flucht auf Motorrädern, unterlegt vom zünftigen Dröhnen des Maschinengewehrs und einem äußerst mitreißenden Soundtrack.

Lisa, so der Name der Schwarzen, und Dutch, der Typ in Fliegerkluft, bringen Neville in die Berge, wo sich ein kleines Häuflein Überlebender (alles jüngere Menschen mit größerer Widerstandkraft) verschanzt hat. Nur Lisas Bruder ist bereits im weit fortgeschrittenen Stadium -- er droht also ebenfalls ein linksradikaler Gutmenschenzombie zu werden, was Neville durch Verabreichen des Serums glücklich verhindern kann. Die daraus resultierende Verbundenheit in der Gruppe und die Dankbarkeit der Schwester nutzt Neville für wilden, hemmungslosen Geschlechtsverkehr mit "Black Power"-Lisa.
Richie hingegen, der aus irgendeinem Grund weiß, wo die Familie ihren Schlupfwinkel hat, wird unfreiwillig zum Verräter, davon überzeugt Matthias und seine Anhänger "heilen" zu können. Als Neville seinen Abschiedsbrief findet, weiß er, dass er den Jungen nicht mehr retten kann. Nun können sie nichts mehr ausrichten, er, ein einzelner bewaffneter Mann, und Lisa. Beim Betreten des Schlupfwinkels werden sie durch die Übermacht der fanatisierten Horden überwältigt und Lisa wird "bekehrt". Matthias selbst schleudert den tödlichen Speer gegen den Omega-Mann, der darauf sein Leben aushaucht. Dutch und den anderen gelingt zwar die Bergung des Serums, doch blicken sie einer ungewissen Zukunft entgegen...

Meine Kritik zum Film fällt etwas zwiespältig aus. Die erste Hälfte in der verlassenen Stadt erzeugt eine unglaublich dichte Stimmung, die durch Hestons exzellentes Schauspiel noch verstärkt wird. Den zynisch gewordenen, waffenstarrenden Einzelgänger nimmt man ihm natürlich ohne weiteres ab. Leider sind sämtliche Nebendarsteller bestenfalls auf B-Movie-Niveau, und die Masken der Zombievampire sind drei Jahre nach "Planet der Affen" nahezu eine Frechheit! Sie bestehen lediglich aus silbrig glänzender Schminke und einer grotesken Perücke, die sofort als solche erkennbar ist. Die Handlung ist spannend, weist aber Logiklücken auf. (Woher wusste Richie, dass sich die Familie im alten Gericht verschanzt hat?)
Trotzdem ist "Der Omega-Mann" filmhistorisch interessant. Die Romanvorlage "I am a legend", ein moderner Vampirroman, wurde kurioserweise zur Vorlage für Romeros Zombiefilme. Bösartige Zungen wenden gegen den Film ein, er sei als reaktionäre Parabel auf die Stadtflucht der weißen Bevölkerung in die Vororte zu verstehen, wobei außer acht gelassen wird, dass er, durchaus fortschrittlich, den einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau zumindest andeutet.

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Anmerkung Tyler: Immerhin kultige 6.5 Sterne bei imdb für diesen Trash.