24 Oktober 2005 - 21:47 -- Nichtraucher

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Meereswahnsinn reloaded

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"Und? Wie ist die Sonnenbrille?" Charlotte gab sich wirklich Mühe, das konnte ihr niemand absprechen. Verdammt aber auch. Die Sonne schien, der Atlantik rauschte, Möwen kreischten, alles könnte so schön sein, aber Yvan zog ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Nichtmal die original supernova-taugliche ultra-freshe Space-Sonnenbrille von Palpatine, die sie ihm aus Berlin hatte mitgehen lassen, konnte ihn aufheitern.

Missmutig brütend saß er nur so da, in seinem schwulen rosa Hemdchen, keine Ahnung, warum er das so liebte, manchmal machte sie sich wirklich ihre Gedanken, aber ehrlich, wir reden hier immer noch von einem Mann, oder nicht, und dann noch so ein mediterranes Hormonpaket wie Yvan, versteh' einer die Südländer und ihren Kleidergeschmack. Auf jeden Fall, er brütete. Schaute nicht nach rechts, wo Charlotte alles zeigte, was sie hatte, noch nach links, wo barbusige Amerikanerinnen die kurze Freiheit von ihrem bekackten Nazistaat genossen, statt dessen immer nur geradeaus, aufs Meer. Dorthin, wo gestern sein doofes Modell-U-Boot, die "Seegurke" abgesoffen war. Männer!

Charlotte ließ sich in den Sand gleiten und blinzelte in den knallblauen Himmel. Sie hatte gehofft, der Kurztrip an die See würde sie auf andere Gedanken bringen, ihr diese bescheuerte Elbengöre aus dem Kopf treiben, die und ihren prallen Bauch. Ließ sich da aufpumpen von irgendsoeiner hergelaufenen Schlampe, wer ist die überhaupt? Charlotte hatte keinen blassen Schimmer, aber sie konnte das selbstzufriedene Grinsen der blonden Schickse nicht aus ihren Gedanken vertreiben. Verärgert richtete sie sich auf. Yvan hatte sich keinen Milimeter gerührt. Die Amerikanerinnen rieben sich jetzt gegenseitig mit Sonnenöl ein. Das Nichtstun machte Charlotte rammdösig. Sie versuchte es noch einmal bei Yvan.

"Schatz, wie wär's, wir gehen in eine von den Strandhütten und vögeln ne Runde?" Doch er schaute sie nicht mal an, nur seine Lippen bewegten sich: "La Boum I". Er klang dabei unendlich gelangweilt. Charlotte drehte verärgert den Kopf weg. Sie hätte keinen bekackten Schauspieler heriaten sollen, der nichts als 30 000 bekackte französische Scheißfilme im Kopf hat, das und seine bekackten Modell-U-Boote! Warum hatte sie nicht einen vernünftigen Kerl genommen? So einen wir diesen pfeifenkrautler damals, der war doch okay. Oder eine Elbenprinzessin. Bekackt! Charlotte warf den Amerikanerinnen, die sich jetzt gegenseitig mit ihren Handys fotografierten, finstere Blicke zu. Noch ein Tag an diesem Strand und sie wäre ein Fall für den Meereswahnsinn, soviel war sicher.

Etwas muss passieren!

Was bisher geschah