30 Oktober 2005 - 12:44 -- Nichtraucher

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Meereswahnsinn Revolution

ekelhaft


Bastet blickte erwartungsvoll auf dem Tisch umher. Das feinste Silber des Imperators war gedeckt, auf einer Tischdecke aus schneeweißer arkturanischer Megaseide, das stimmungsvolle Licht der Ewokfettkerzen brach sich im funkelnden Kristallglas aus Esgaroth. Alles war perfekt.

"Er chrr wird nicht chrr kommen." Der junge Skywalker war schlecht zu verstehen, er trug die Maske seines Vaters, vorsichtshalber, wie es ihm Bastet geraten hatte.

"Er wird kommen." Bastet lehnte sich zurück und wies den goldglänzenden Service-Droiden an, den Fischgang zu servieren. Die Zeit war reif und der Fisch war es auch. Es gab Surströmming, eine altägptische Delikatesse aus vergorenem Raumfisch, der 14 000 Jahre in Nilschlamm eingegraben wurde und dann noch 7 Monate in goldgelbem Kamelurin reifte, bis er die unverwechselbare graugrüne Färbung angenommen hatte und den noch viel unverwechselbareren vollreifen Gestank. Surströmming gilt als die stinkendste Substanz im Universum und fällt in über 400 Sonnensystemen unter das Verbot biologischer Kriegsführung.

Die von den Fäulnisgasen verbeulte Dose Surströmming, die Bastet unter nicht unerheblichen Mühen und nur mit der Hilfe eines etwas zwielichtigen Hyperraum-Schmugglers und dessen zottigen Kompagnons aufgetrieben hatte, war auf dem Grunde eines Stickstoff-Brunnens 2000 Meter unter dem Eispanzer eines unbewohnten Mondes eines weit entfernten Planeten in einem völlig anderen Sonnensystem geöffnet worden. Der Mond wurde anschließend gesprengt, der Fisch aber in einem versiegelten Spezialtank an Bord eines Strafgefangenenkreuzers zum Todesstern geschafft. Und nun aufgedeckt.

"Ah, riecht diesen Duft, Meister Luke. Das ist die Unsterblichkeit!" Bastet zog genüsslich die schwefelgelbe Duftfahne ein, die von der Silberplatte ausging, der junge Skywalker krallte sich mit der einen Hand am Tisch fest und drehte mit der anderen hektisch an den Regulatoren seines Mundstücks. Sein Schnaufen klang gequält und metallisch: "Ein Fisch chrr der so chrr riecht, ist schon seit langem nicht mehr chrr unsterblich.." keuchte er unter seinem übergroßen Helm hervor. Bastet beachtete ihn nicht, sie zerlegte den Fisch geschickt in drei Teile und verteilte ihn auf die Teller. Der Jedi hielt sich nur noch mit Mühe aufrecht und murmelte immerzu irgendwas von der Macht, die ihm beistehen möge, aber nur ganz leise, er hatte gelernt, die Göttin nicht zu verärgern. In der Ecke verendete stumm der Servicebot. Bastet faltete ihre Serviette und beobachtete aus den Augenwinkeln den leeren Platz zu ihrer Rechten. Es konnte sich nur noch um Augenblicke handeln, der Duft würde ihn anlocken, kein Schakal kann Surströmming widerstehen!

"Es gibt Fisch, Schwester?" Anubis leckte sich nervös die Schnauze, seine kleinen, misstrauischen Augen flogen im Raum hin und her. Mit einer Handbewegung brachte er den quengelnden Schleusenalarm, den sein plötzliches Erscheinen ausgelöst hatte, zum Verstummen, dann rückte er sich den leeren Stuhl zurecht. "Aber warum denn, haben wir was zu Feiern?" Der schakalköpfige Gott der Unterwelt wandte keinen Blick von der Fischplatte, seine Finger zuckten in unverhohlener Gier. Ein Speichelfaden tropfte aus seinem Mundwinkel.

"Darf ich meinem geliebten Bruder nicht ein Mahl bereiten?" fragte Bastet ohne jede Ironie, ihr starrer Katzenblick ließ den Totengott nicht aus den Augen. "Es ist lange her, dass wir zusammen speisten, und Ihr müsst hungrig sein. Greift zu!" Das ließ sich Anubis nicht zweimal sagen, gierig schob er sich die modrigen Fischstücke in den Rachen, leckte sich die Finger, schloss genießerisch die Augen, kaute selig, rülpste heftig, die Deckensprenkler gingen an, der Jedi hing über der Tischplatte und rang nach Atem, schließlich schleckte Anubis die Silberplatte sauber, bis sie glänzte. Bastet hatte sich nur ein kleines Stückchen der Delikatesse stiebitzt und genoss die orgiastischen Geschmacksexplosionen auf der Zunge, aber das musste reichen, sie hatte kühlen Kopf zu bewahren.


"Ahhhh..."

Anubis, der noch den Teller des Jedi geleert hatte, da dieser nur wie abwesend zu Boden starrte, schleckte sich die Finger, die Mundwinkel, die Barthaare und die Serviette ab und lehnte sich zufrieden zurück. "Das war gut.. aber jetzt raus mit der Sprache, was willst du von mir, Schwesterchen?" Bastet schaute ihn arglos und voll unschuldiger Überraschung an, ein Blick, den sie nach 3000 Jahren Üben ziemlich gut drauf hatte. "Aber, Bruder, wohin denkt Ihr? Was sollte ich von Euch verlangen wollen?" Anubis fiel nicht darauf herein. "Wer ist es diesmal?" knurrte er und eine Reihe schneeweißer Zähne blitzte gefährlich auf. Bastet, die wusste, wann ihre List am Ende war, gab unumwunden zu: "Ein Mensch. Eine Frau."

"Eine Sterbliche!" Anubis spuckte das Wort aus wie jeder, der kein ägyptischer Gott war, ein Stück Surströmming ausspucken würde, würde er es je essen, was allerdings schwer vorstellbar ist. Die wenigen unerschrockenen Gourmets, die diese Herausforderung bisher angenommen hatten, starben alle ohne Ausnahme, lange bevor sie die Delikatesse auch nur auf der Gabel hatten. Manche schon, bevor die Dose überhaupt geöffnet wurde. Bastet schnurrte nun wie ein gut geölter Ewokzerkleinerer: "Eine Sterbliche, aber keine gewöhnliche. Sie ist.. war...anders.. sie war meine... wie ich soll ich es sagen?" Zum ersten Mal seit 3000 Jahren sah Anubis seine geschmeidige Schwester nach Worten suchen, erstaunt blinzelte er sie an. Und stellte mal wieder fest, dass sie schon recht sexy war, mit ihren großen Ohren (Anubis stand einfach auf Ohren), ihren endlos langen Schnurrhaaren (Schnurrhare sind ziemlich attraktiv, wenn man ein Schakal ist) und diesem perfekten Körper... Bastet legte sich die Worte zurecht: "Sie war meine.. Herrin. In gewisser Weise."

"Deine Herrin? Was ist denn das wieder für ein Unsinn?" Anubis kratzte sich konzentriert zwischen den Zähnen, um auch noch das letzte Fitzelchen des köstlichen Raumfischs zu erwischen. "Sie ist eine Sterbliche, logisch, sonst würde sie kaum in meinen Zuständigkeitsbereich fallen, nicht? Wie also konnte sie deine Herrin sein? So was gibt es nicht. Das ist widernatürlich!"

"Nein." Bastet schaute ihm in die mitleidlosen, gelben Schakalsaugen. "Das ist Liebe."

Anubis schaute etwas glasig zurück, das Mahl zeitigte Wirkung, sein scharfer Verstand schwamm in Kamelurin-Sud, seine tief gehende Verachtung aller Sterblichen wurde vom salzig-herben Geschmack des Surströmming überlagert. Jetzt noch eine Dillgurke und es wäre perfekt, dachte Anubis, während er sich die Sache mit der Sterblichen durch den Kopf gehen ließ.

"Ich wäre Euch wirklich verbunden, würdet Ihr mir in dieser Sache entgegen kommen, Bruder." unterbrach Bastet seine Gedanken und reichte ihm einen Teller mit Dillgurken. "Sehr verbunden. Bedingungslos."

Der junge Skywalker hob den Kopf, er schien aus einer tiefen Ohnmacht zu erwachen. Der seltsame Klang in Bastets Stimme hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

"Ich würde alles für Euch tun, was Ihr Euch wünscht." flötete Bastet und dankte der uralten Regelung, die Inzest für ägyptische Götter nie wirklich zu einem Problem gemacht hatte. Andere Religionen konnten da ja recht kleinlich sein. "Alles, was Ihr Euch so oft gewünscht habt, mein Bruder..."

Der Jedi saß nun bolzengerade und starrte mit den toten, schwarzen Insektenaugen seines Visiers von einem zum anderen. Bastet dachte kurz daran, ihm einen Hodenkrebs groß wie eine Orange anzuhängen, diesem geilen Bock, aber ermahnte sich stumm. Erst musste sie Charlotte aus dem Totenreich zurückholen, bevor es diese bluttrinkende, abgrundtief böse Elbenschlampe tun würde, mit ihrem falschen Elbenzauber! Soviel war Bastet Charlotte schuldig, für all die Streicheleinheiten, das Dosenfutter und die verträumten Morgende, wenn sie die junge Französin mit ihrer kalten Katzennase wach gestupst hatte und Charlotte dann immer so unglaublich süß gegähnt hatte und der Träger ihres Hemdchens runterrutschte, während Yvan gleich daneben ratzte wie ein Stein, dieser Dämmlack... Bastet riss sich zusammen. Alles der Reihe nach. Erstmal würde sie den aufgegeilten Jedi abservieren und dann würde sie ihrem arroganten, menschenfeindlichen Chauvinistenschwein von Bruder wohl einen blasen müssen, so was half ja immer.