25 November 2005 - 10:18 -- Erinti

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Farscape - Season One

Naja, also ich persönlich mochte diese Sci-Fi Serie ja nie...


Weil ich nicht einschlafen kann, werde ich jetzt alle mit meinen Gedanken zur ersten Staffel von Farscape langweilen...

Ich habe sie inzwischen auf Englisch durch, was hier und da doch zu Problemen führte, mich aber wieder darin bestätigt, wie anders etwas wird, wenn man es sich im Original anschaut. Deswegen macht es mir gar nichts aus, daß ich hier und da etwas nicht verstanden habe.
Leider hat die Box keine englischen Untertitel, sonst hätte ich sie hier und da vielleicht doch eingeschaltet....deutsche sind mir zu nervig und ablenkend.

Die erste Folge fängt ziemlich abgedroschen an, ein Wissenschaftler macht einen Test im Weltraum für sein Projekt und plötzlich wird er durch ein Wurmloch hindurch in einen anderen Teil des Universums geschleudert. Der Zuschauer fällt im Grunde mit der Hauptperson hindurch in eine völlig fremde Welt, mitten hinein in eine Weltraumschlacht. An Bord eines flüchtigen Gefangenentransporters muß der Mensch ab jetzt sehen, wie er zurecht kommt, zusammen mit den verschiedenartigsten Kreaturen.

Hier wurden so ziemlich die besten Aliens erfunden, die ich je gesehen habe, in dem Fall allen voran Zhaan. Sie ist eine etwa 800 Jahre alte delvianische Priesterin, deren gesamte Ausstrahlung eigentlich nur mit "magisch" umschrieben werden kann. Sie ist durch ihre Art, ihre Handlungen und ihr Erscheinungsbild mit das Faszinierenste an dieser Serie neben dem Schiff, das ein lebendes Wesen ist.
Mir gefällt hier die Art und Weise, wie diese Mischug aus Lebewesen und Mechanik konstruiert wurde, die organisch runden Formen des Äußeren und der Korridore, zuammen mit den strengen Formen technischer Instrumente.
Man hat sich auch eine andere Möglichkeit der Beschleunigung für diese Schiffsart einfallen lassen. Statt Warp gibt es Starburst, dessen Darstellung wie ich finde mehr als nur gelungen ist.
Mit einem lebenden Schiff kommen natürlich auch ganz neue Arten von Problemen dazu, daß es so gut wie keine Schutzschilde hat, komplett ohne Waffen ist und zudem Schmerz empfindet.

Was mir von Anfang an sehr gefallen hatte, war die völlige Deplaziertheit Crichtons (sprich Craiten) und seine Versuche, in dieser anderen Umgebung klar zu kommen. Seine Vorstellungen von Aliens oder anderen Welten ist völlig über den Haufen geworfen und gleichzeitig kann er sich nicht zurücklehnen und alles in aller Ruhe sortieren, sondern muß das mitnehmen, was er nur krigen kann und mit dem zurecht kommen, was er nicht versteht, und er versteht im Grunde gar nichts.
Alle anderen um ihn herum sind heimatlos wie er, aber sie kennen die sie umgebende Welt und wissen damit umzugehen.
Hier schließt eine der großen Stärken der Drehbuchautoren an, durch Crichton eine unglaubliche Anzahl von Zitaten einzubringen, seien sie offensichtlich oder erst zu erkennen, wenn man es wirklich weiß.
Am Anfang könnte man noch glauben, daß Farscape eher eine humoristische Serie ist, wenn es wieder einen eher augenzwinkernden Hinweis in Richtung Bekanntes von der Erde gibt, allerdings ist der Grundton des Ganzen dazu viel zu ernst. Die Gruppe fliegt nicht aus Jux durchs All, sondern weil sie gejagt werden und ihr Leben direkt bedroht ist, sollten sie erwischt werden. Und die Galaxie, in der Crichton gelandet ist, ist auch keine freundliche Umgebung, wie man in jeder Folge immer wieder erinnert wird.
Zudem wird man ebenfalls immer wieder daran erinnert, daß die Gruppe höchst unfreiwillig zusammenfand und sich dementspechend erst arrangieren muß. Wenn man glaubt, daß ein Konsens gefunden wurde, daß sich der eine mit dem anderen besser verträgt, verändert es sich wieder aufgrund einer Handlung, Aktion oder Reaktion. Gleichzeitig wird aber gegen Ende deutlich, wie wichtig das Zusammengehörigkeitsgefühl ist, daß alle aufeinander angewiesen sind, keiner (außer vielleicht Crichton) in sein altes Leben zurückkehren kann und deswegen die anderen als Freunde oder zumindest Verbündete braucht, um so überleben zu können.

Sind die Folgen zu Anfang eher lose verknüpft und von einander durch gewisse deutliche Zeitspannen abgetrent, ändert sich das ganz gegen Ende, wo, wie als Übergang zur nächsten Staffel, über mehrere Folgen ein zusammenhängender Handlungsbogen verläuft, der zum Teil recht drastisch ist.

Wenn ich die zweite Staffel schon gehabt hätte, hätte ich wahrscheinlich schon lange weitergeschaut, irgendwie hat die Serie ziemlich stark einen Nerv bei mir getroffen, aber sie hat auch einfach unglaubliche Stärken mit dem nicht zu durchschauenden Mix aus Humor und Tragik und allen dazwischenliegenden Möglichkeiten (inklusive kompletter Abgedrehtheit), völlig neuartigen und kreativen Schöpfungen an Kreaturen, dem Mix aus den unterschiedlichsten Charakteren und, last but not least, einer durchdachten Geschichte.