12 Dezember 2005 - 17:31 -- Nichtraucher

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The Grudge - die Ranküne

Übermäßiger Kajal-Gebrauch


Ich bewundere jeden, der sich The Grudge im Kino angetan hat. Respekt. Ich hab ihn gestern endlich auf DVD gesehen, immerhin allein *stolzbin* Er ist schon ganz ganz furchtbar gruslig und nervenzerfetzend, wahrscheinlich der gruseligste Film, den ich kenne. Ich habe den Sound in den entscheidenden Stellen nahe an die Unhörbarkeit runtergeregelt, das ist wichtig, und mehrere Pausen gemacht, in denen ich Radio gehört, Stühle lackiert und telefoniert habe. Danach hab ich alle Lichter angemacht und Dittsche geguckt. Dann gings.

Interessanterweise waren die Splatterszene gegen Ende gar nicht mehr so schlimm, da hat man das Böse wenigstens gesehen. Furchtbar war dieser "Aktenzeichen XY-Effekt": Leute, die sich abends allein in leeren Wohnungen/Treppenhäusern/Tiefgaragen aufhalten, untermalt von unheilverkündender Musik. Die Art, Räume zu inszenieren war wirklich extrem gut, seit "Shining" hab ich nicht mehr so viel Angst wegen eines leeren Flurs gehabt. Meine Urangst vor fahl beleuchteten, menschenleeren Bürogebäuden mit ihren unmenschlichen Abmessungen und dem völlige Fehlen kuschliger Rückzugsgebiete wurde sehr effektiv bedient. Und wenn selbst die eigenen vier Wände keinen Schutz mehr bieten...

Allerdings hab ich auch Kritik: der Film hat so etwas Zynisch-Leeres. Es gibt das Böse, übersinnlich und unbesiegbar, das unschuldige Menschen reihenweise abschlachtet, niemand kann ihm entkommen und das war's. Das lässt keinen Raum für Spannung wie bei einem "realistischen" Thriller, wo man mit dem Opfer mitfiebern und überlegen kann, welchen Ausweg es geben könnte. Und auch keinen Raum für "Moral", für Erklärung und Auflösung der Situation wie bei "The others", oder ein Mitfühlen mit dem verfluchten Täter, Erklärungsansätze für seine Bösartigkeit... Widerstand, ein Überleben durch Zusammenhalten oder durch Kampfwillen wie bei "Alien"... nichts. Das fand ich etwas billig. Ich mein, klar ist es gruselig, wenn ein übermächtiges Böses dich verfolgt, aber wenn es darüber hinaus keinen Spannungsbogen gibt, keine Entwicklung der Personen o.ä., dann fehlt mir, was einen wirklich guten Film ausmacht und es bleibt eine Art Geisterbahnfahrt. Die allerdings war perfekt in Szene gesetzt.