23 Dezember 2005 - 23:57 -- Tyler

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Stadtgespräch

Gestern verstarb Karl Knüpfing, der Besitzer des Bratwurststands am Marktplatz. Seine Würste waren legendär, wer hat noch keine »Genickte mit« dort gekauft.
Er ist bei der Reparatur des Fettabscheiders erstickt – so makaber das ist, ist es doch eine würdige Situation für einen Metzger zu sterben.
Mein ernstes und tiefes Beileid für seine Familie und Freunde.


Das ist ein Eintrag im Würzblog. Schon vom 6.Oktober, also uralt, das bleibt mir aber wahrscheinlich trotzdem auf ewig in Erinnerung und verstopft mein Gedächtnis.

Einmal ist das natürlich skurril, zum anderen wohne ich in der Stadt Würzburg. Habe auch öfter leckere Bratwürste am Marktplatz (an seinem Stand?) verspeist. Da nahm ich emotional auch Anteil, so bescheuert sich das anhören mag.

Stadtblogs sind gar nicht so übel. Veranstaltungstipps, Klatsch und Tratsch über die Provinzprominenz und Bilder von halbnackten BWL-Studenten (leider nur männlich) im Stadtpark. In der Mainpost, die regionale Zeitung hier (die ich nicht lese), wäre das alles nicht so locker formuliert. Zu seriös, zu objektiv. Vielleicht ziehe ich um in eine andere Stadt, mache dort ein Lokalblog auf und werde reich und berühmt.

Hm, gibt es sowas wie das begnadete londonleben.co.uk auch für Hamburg, Berlin oder Delmenhorst? Gerade finde ich für unsere Haupstadt nur seelenloses Kommerzzeugs oder Blogs wie Berlin Guide, auch nett und tolle Fotos, aber eher ungeeignet einen Ort aus der Ferne zu entdecken. Das Berlin-Journal bei der Zeit ist etwas brav, kann man mehr draus machen. Viele Projekte sind auch schon leider wieder tot oder krude zu navigieren, da klicke ich gleich wieder weg, aber Stadtkind weckt Lust auf mehr. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass es am Potdamer Platz ein Eishaus gibt.


Morgen mag ich mal mehr ergoogeln und mich durch Linklisten klicken.

P.S.
Ein Verwandter des Verstorbenen hat den Würzblog-Eintrag oben etwas steif kommentiert. Auch delikate Sache inwiefern man gerade in kleineren Großstädten (ähm...) mit nur einer Webseite schon Öffentlichkeit herstellen kann und Gefahr läuft jemanden auf die Füße zu treten.