01 Januar 2006 - 21:53 -- Tyler

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Neujahr 2006

Prost Neujahr!



Vor ein paar Tagen meinte Kira zu mir, Silvester wäre von außen betrachtet seltsam. Ich stellte mir Außerirdische vor und versuchte eine Rechtfertigung vor einem Tribunal von Riesenkopffüßlern mit grünen Tentakeln: Es begänne dann eben ein neuer Jahreszyklus mit einem neuen Sommer, das muss man verstehen, auch wenn auf der südlichen Hemisphäre die Jahreszeiten ganz verdreht seien und...

Nein, nein, wurde ich widerlegt, nachdem man den Countdown runtergezählt und zu Böllerschüssen Sekt getrunken hat ist ja immer noch Winter. Wahrscheinlich eine lärmende Geistervertreibung und überhaupt sei die alemannische Fasnacht viel schöner als der rheinische Karneval. Ich lies mich nicht ablenken und behauptete gelehrt, dass das westliche Neujahr nur an den römischen Konsuln liegt, die ab 153 v. Chr. nichts besseres zu tun hatten als drei Monate früher als erst im Frühjahr ihr Amt anzutreten und wodurch unsere Monate ganz durcheinander kamen. Das stimmt sogar und übrigens waren das damals Quintus Fabius Maximus Aemilianus und Lucius Hostilius Mancinus. Jaja, die Römer, schimpfte dann meine Freundin, die waren eigentlich sehr unkreativ und haben selbst ihre Kinder einfach nur durchnummeriert.

Heute war nun also der 1.1.2006. Neujahr. Wow. Der große Neuanfang. Die Chance alles anders, alles besser zu machen. Würde man das neue Jahr vermenschlichen, wäre es heute um 5 Uhr, als ich mit Restalkohol auf dem Heimweg war, ein zwei Wochen altes Baby gewesen und hätte mit großen Kulleraugen den ins Leere fahrenden Taxis hinterher gestarrt.

"Bricht der erste Morgen des neuen Jahres an, so erscheint der Himmel nicht anders als am Tage zuvor, aber doch ist einem seltsam frisch zumute."
Yoshida Kenkô (1283 - 1350), japanischer Zen-Mönch

Altes Jahr vergeht.
Wange in die Hand gestützt,
blicke ich ihm nach.

(Chji (Anf. 19.Jh.), japanischer Dichter)

Jetzt ist schon 22 Uhr und der Tag fast verbummelt. Das Baby-Jahr wäre jetzt zwei Monate alt und würde vollgefressen in sein Lätzchen sabbern bevor es müde einschläft. Eigentlich hat sich nicht soviel geändert, bis auf das die satirischen Jahresrückblicke von letzter Woche durch satirische Jahresvorschauen ersetzt wurden. Morgen gibts dann auch schon wieder den Alltag. Ich finde das mal spontan gut.