02 Januar 2006 - 18:23 -- Nichtraucher

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Der neue Woody Allen Film - Match Point

Scarlett Johansson als femme fatale?

Schau mir in die Augen, Kleiner...

Schluss mit lustig!

Match point
ist ein beeindruckender Film. Er wirkt, als hätte Woody Allen seine Kameralinsen neu justiert, seine halbe Crew gefeuert und seine Medikamente abgesetzt. Alles Leichtherzige, Tändelnde und Komödiantische ist verbannt, hoch konzentriert wird ein kleines, kühles Aufsteigerdrama erzählt, so scharf und schneidend wie Glas. Hut ab, Mr. Allen!

Der Plot erinnert an den talentierten Mr. Ripley: ein smarter Tennislehrer aus einfachen Verhältnissen strebt in der Upperclass nach oben und verstrickt sich immer fataler in seine eigenen Ränke.. Es ist dabei eine Freude zu sehen, wie gekonnt und präzise der Film seine Geschichte aufbaut, hier merkt man gleich in den ersten 15 Minuten, wie unglaublich professionell Allen arbeitet:

Szene 1 - Chris heuert im stinkfeinen Londoner Tennisclub an.
Szene 2 - Chris befreundet sich mit einem gleichaltrigen Schüler aus bestem Hause.
Szene 3 - Chris lernt dessen ledige Schwester kennen, er gefällt ihr.
Szene 4 - Dann lernt er dessen Verlobte kennen, sie gefällt ihm...

ZACK, schon sind alle Figuren eingeführt und die Karten für ein erstklassiges Drama verteilt. Andere Regisseure brauchen dafür 70 Minuten.. :roll: Allen arbeit hier so effizient mit seinen Ressourcen, er müsste von der Steuer noch was rausbekommen.

Eine noch größere Freude ist es aber, Scarlett Johansson zu sehen, wie sie als rassige, emotionale Amerikanerin die steifen Briten aufmischt. Sie spielt eine Frau, der kein Mann widerstehen kann und das scheint ihr nicht schwer zu fallen *hömm*. Der 70jährige Lustgreis Allen inszeniert sie erotischer als alle seine Kollegen vor ihm, sie scheint ihn beeindruckt zu haben, Match point enthält mehr Sex als alle anderen Allenfilme zusammen. Man könnte sagen, wir sehen Johanssen dort weitermachen, wo sie bei "Lost in translation" aufhören musste Nach den eher trockenen letzten Rollen scheint sie hier förmlich aufzublühen.

Doch Jonathan Rhys-Meyers lässt sich die Show nicht stehlen, er beherrscht den Film mit minimaler Mimik, immer smart, immer kontrolliert bis zur Erstarrung, so cool, dass er Eiswürfel pinkelt. Eine beeindruckende One-man-Show, die ihm, und da lehn ich mich mal aus dem Fenster, eine Oskarnominierung einbringen wird. Erfreulicherweise verzichtet Allen hier auch auf sein übliches Promi-Schaulaufen in Nebenrollen, kein sattbekanntes Gesicht lenkt die Aufmerksamkeit von der Geschichte ab, dafür kann man, schaut man genau hin, alte Bekannte aus "Trainspotting" und "Lang lebe Ned Divine" endecken. In all den verschiedenen Akzenten muss der Film noch viel besser sein. Aber da muss ich wohl auf die DVD warten.

Sollte Match point den Anfang von Woody Allens fünftem Frühling und seiner ca. neunten Schaffensphase kennzeichnen, der "schwarzen Periode", ich bin dabei!