03 Januar 2006 - 23:45 -- Lothiriel, Thanil

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Amazing Grace

La Amistad - Hübscher Schoner


John Newton, der dieses Lied schrieb, war Sklavenhändler mit eigenem Schiff. Der Text entstand, nachdem er mit seinem Schiff in einen schweren Sturm geriet und zu kentern drohte, was den Verlust seines Besitzes und Lebens bedeutet hätte. Er betrachtete es als Zeichen von Gott, daß er diesen Sturm unbeschadet überlebte, wurde anschliessend sehr gläubig und später ein respektables Mitglied der englischen Gesellschaft, den Sklavenhandel führte er jedoch noch eine ganze Weile weiter. Der genaue Ursprung der Melodie dieses Liedes ist unbekannt, man geht aber davon aus, daß es sich um eines der Lieder handelte, welches die Sklaven sangen, wenn sie eng aneinandergekettet im Bauch der Sklavenschiffe nach Amerika verschleppt wurden.

Amazing grace! (how sweet the sound) (mp3)
That sav’d a wretch like me!
I once was lost, but now am found,
Was blind, but now I see.

’Twas grace that taught my heart to fear,
And grace my fears reliev’d;
How precious did that grace appear,
The hour I first believ’d!

Thro’ many dangers, toils and snares,
I have already come;
’Tis grace has brought me safe thus far,
And grace will lead me home.

The Lord has promis’d good to me,
His word my hope secures;
He will my shield and portion be,
As long as life endures.

Yes, when this flesh and heart shall fail,
And mortal life shall cease;
I shall possess, within the veil,
A life of joy and peace.

The earth shall soon dissolve like snow,
The sun forbear to shine;
But God, who call’d me here below,
Will be forever mine.


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NILES' NATIONAL REGISTER newspaper from Baltimore, dated October. 9, 1841



Nach dem Konsum des Films "Amistad" sowie diverser Wikipedia-Artikel nunmehr eine Zusammenfassung meiner heutigen Erkenntnisse:

Die Sklavenwirtschaft war das Rückgrat der Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents, und sehr viele Nationen haben sich bei diesem Geschäft die Finger mit Blut beschmiert. Basis des Sklavenhandels war die unter afrikanischen Völkern weitverbreitete Praxis, in Konflikten unterlegene Stämme zu versklaven. Diese Sklaven wurden im 17. bis 19. Jahrhundert in zunehmendem Maße an der Westküste Afrikas an europäische Zwischenhändler verkauft. Diese Zwischenhändler stammten aus allen an der atlantischen Kolonialwirtschaft beteiligten Nationen, vor allem aber aus Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal. Die Sklaven wurden schließlich nach Amerika verschifft, wo sie in den nordamerikanischen Kolonien, der Karibik und Südamerika eingesetzt wurden. Am profitabelsten waren die Zuckerplantagen Mittel- und Südamerikas. Die produzierten kolonialen Güter wurden wiederum nach Europa verschifft, wo sie von der aufstrebenden europäischen Bourgeoisie konsumiert wurden.

Das Ende des Sklavenhandels wurde Anfang des 19. Jahrhunderts eingeläutet, und zwar auf Initiative Großbritanniens hin. Dies sollte auf den ersten Blick sehr überraschen, denn Großbritannien war der größte wirtschaftliche Profiteur dieses Geschäfts. Dennoch gelang es einer kleinen Gruppe evangelikaler Christen in England über das Parlament genügend Druck auszuüben, dass der Sklavenhandel von der britischen Krone schließlich 1807 verboten wurde. Da es aber ein immenser wirtschaftlicher Nachteil für Großbritannien gewesen wäre, wenn dieser Ausstieg aus dem Sklavenhandel einseitig geschehen wäre, mobilisierte man im Prinzip die gesamte Flotte und das diplomatische Korps, um einen internationalen Bann der Sklaverei durchzusetzen. Dänemark, die Vereinigten Staaten von Amerika und einige andere Länder schlossen sich dieser Politik bald an und unterstützten das British Empire bei der Durchsetzung des Verbots, auch mit militärischen Mitteln. Spanien und Portugal konnten jedoch erst viel später überzeugt werden. Frankreich wehrte sich am Längsten gegen das Verbot des Sklavenhandels, obwohl es anfangs am Stärksten dafür eintrat. Dies wird damit begründet, dass nach der Niederlage in den napoleonischen Kriegen die Einmischung Großbritanniens in innere Angelegenheiten nicht geduldet wurde. Blöderweise machten die angeblich so egalitären Franzosen ausgerechnet die Verteidigung des Sklavenhandels zu einer Angelegenheit des Nationalstolzes

Wichtig ist zu erkennen, dass nur der atlantische Sklavenhandel verboten wurde, nicht die Sklavenhaltung an und für sich. Die Versklavung von freien Menschen in Afrika sollte gestoppt werden, aber die bereits versklavten Menschen und ihre Nachkommen blieben im Besitz der Kolonialherren. Dies führte dazu, dass der Sklavenhandel als Schwarzmarkt fortgeführt wurde.

Abscheulich kann man nur die Ausmaße des menschlichen Leids nennen, die der Sklavenhandel und die Sklavenwirtschaft über die Menschheit brachten. Es heißt, dass allein die Engländer zwischen 1600 und 1800 1,7 Millionen Afrikaner in ihre amerikanischen Besitzungen verschleppten. Da jedoch 1790 nur ca. 600.000 Sklaven in diesen Besitzungen gezählt wurden, kann man sich gut vorstellen, wie viele hunderttausend Menschen zu Tode geschindet wurden. Ich denke, dass man dies ruhig einen vergessenen Völkermord nennen kann.

Interessant auch die Tatsache, dass in manchen Ländern der Erde erst vor 40 Jahren die Sklaverei abgeschafft wurde. In Saudi-Arabien beispielsweise war Sklaverei noch 1963 legal. Zugleich heißt es, dass es auf der arabischen Halbinsel noch heute eine inoffizielle Sklaverei gibt. Gleiches gilt für den Norden Brasiliens. Eine kleine Fußnote am Rande ist wohl, dass in der sauberen Schweiz noch bis 1950 eine Art Sklavenhandel existierte. Historisch betrachtet stehen wir modernen Menschen also noch mit einem halben Fuß in diesem sehr unrühmlichen Kapitel der Menschheitsgeschichte.