04 Januar 2006 - 23:59 -- Ramujan

, ,

Die Vermessung der Welt

Auch als Hörbuch


Mal eine Buchempfehlung:
Präzise, gut zu lesende Sprache; intelligenter Humor, der Die Vermessung der Welt zu einem der witzigsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, macht; gut ausgeleuchtete Charaktere, die es dem Namen nach, aber so wie dargestellt sicher nicht gab; eine Prise magischer Realismus - Daniel Kehlmann, der gerade mal dreissig Jahre alte Autor dieses Buches, hat hier ein außergewöhnliches, kleines Buch geschrieben. Unbedingt lesen!

Ausgangspunkt des Romans ist ein Treffen zwischen Gauss und Humboldt in Berlin, das wirklich stattgefunden haben soll. Alles weitere ist eine gekonnte Vermischung aus Fiktivem und Biographischem. Gauss ist der Misanthrop, dessen lakonische Kommentare einen Großteil des Humors im Buch ausmachen. Humboldt ist der komische Kauz, der seinen Mitmenschen mit seiner Sammelleidenschaft und seiner Naivität auf die Nerven geht.

Man sollte von dem Buch keinen großen historischen Roman erwarten, Kehlmann geht es eher um eine Charakterstudie.

Daniel Kehlmann, fotografiert von Marco Flammang. Wer immer das ist, sie mögen mir das Klauen des Fotos verzeihen


Einen guten Eindruck von Kehlmanns lakonischen Stil vermittelt diese Selbsteinschätzung aus einem Porträt der Zeit:

Kehlmann ist dreißig. Es ist sein sechster Roman. Er hat früher auch die leeren Säle gesehen und den leeren Stühlen vorgelesen. Jetzt kommen zu den Lesungen mehr Leute, als Platz finden, er hat mehr Einladungen erhalten, als er annehmen konnte. Wenn man ihn fragt: »Sind Sie ein Wunderkind«, sagt er, dafür sei er zu alt: »In meinem Alter hat Hegel schon an der Phänomenologie des Geistes gearbeitet, und Lessing hatte seine erste Werkausgabe veröffentlicht.«