07 Februar 2006 - 19:57 -- Thanil

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Auf der Flucht vor den Zylonen



Das Re-Make (oder besser: die Re-Imagination) der klassischen Fernsehserie "Kampfstern Galactica" (damals mit Lorne Greene) ist meines Erachtens nach ein echter Knaller.

Es begann 2003 mit einer Miniseries, einem über dreistündigen Exposé für die nun 2004 gestartete Serie. Als ich das damals sah, war ich als alter Sci-Fi-Freund begeistert. Die Serie hatte nicht mehr viel von dem naiven Optimismus und dem Esoterik-Touch des alten Kampfstern Galactica. Stattdessen eine sehr ernste und streckenweise deprimierende Saga über das drohende Ende der Menschheit, die ihrer völligen Vernichtung durch ihre "Kinder", die Zylonen, gegenübersteht.

Die Zylonen sind künstliche Intelligenzen, die sich gegen die Herrschaft der Menschen aufgelehnt und in einem blutigen Sezessionskrieg ihre Unabhängigkeit von den Menschen erkämpft haben. Sie haben vierzig Jahre lang jenseits der zwölf Kolonien der Menschen eine eigene, abgeschottete Zivilisation von Maschinenwesen errichtet, und kehren dann plötzlich zurück, um sich an der Menschheit zu rächen. Die Zylonen haben in den vergangenen Jahrzehnten großartige technische Fortschritte gemacht und die Menschheit technologisch weit überflügelt. Daher braucht es nur eines kleinen Verrats eines genialen jungen Wissenschaftlers namens Gaius Baltar, um die Menschheit an den Rand der Vernichtung zu bringen.

Besonders schön gelöst finde ich die Figur und die Motivation von Baltar. In der alten Serie erscheint er wie das Urbild des Klischee-Bösen. Ein Mensch, der völlig ohne Sinn und Verstand aus reiner Bosheit die Menschheit zu vernichten trachtet. In der neuen Serie ist Baltar verführt worden, und muss seinen Verrat geheimhalten, um nicht als der (Mit-)Verantwortliche für den Holocaust an der Menschheit hingerichtet zu werden. Er ist einer der Flüchtlinge in der vom Kampfstern Galactica angeführten Flotte und muss immerzu eine Gratwanderung vollziehen, um nicht aufzufliegen. Er will die Menschheit eigentlich nicht verraten, doch er hat es aus Verblendung, Eitelkeit und Geltungssucht - sowie aus sexuellen Motiven heraus - getan.

Sehr überzeugend sind übrigens auch die Darsteller. Mit Edward James Olmos als Commander Adama und Mary McDonnell als Präsidentin Laura Roslin in den Hauptrollen haben die Macher hervorragende Schauspieler für die Serie gewonnen. Olmos ist ein vielfach preisgekrönter Veteran, der vom Theater her kommt. Er hat unter anderem auch schon einmal den Golden Globe gewonnen und war für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. McDonnell wird einigen vielleicht noch als "Stands with a Fist" aus Dances with Wolves bekannt sein, wofür sie eine ihrer beiden Oscar-Nominierungen erhielt. Aber auch die Nebenrollen sind meiner Meinung nach hervorragend besetzt. Beispielsweise der idealistische Captain Lee Adama, alias Apollo, der auch in der absoluten Ausnahmesituation der drohenden Vernichtung noch die Ideale von Humanität, Menschenrechten und Demokratie hochhält. Oder Colonel Tigh, der leider ein kleines Alkoholproblem hat.

Die Serie setzt sich unter anderem mit ihrem sehr düsteren, aber auch sehr ernsten Stil, aber auch ihrem Ansatz, Weltraumschlachten realistischer als bisher gewohnt zu inszenieren, wohltuend vom gängigen Sci-Fi-Einheitsbrei ab. Insbesondere allen Trekkies, die wie ich über den Niveauverfall der letzten Star Trek Serien trauern, bietet "Battlestar Galactica" eine zwar düster-dreckig-ungewohnte, aber ästhetisch rundum befriedigende neue Heimat.

Ich lege jedem Fan von Science-Fiction diese Serie wärmstens ans Herz! Zum Glück läuft sie jetzt endlich auch in Deutschland.