10 März 2006 - 00:10 -- Ramujan

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The New World


Ich habe Syriana zwar nicht gesehen, nach euren Kritiken dürfte der Film aber das genaue Gegenteil zu A new world sein: A new world ist eine geradlinig erzählte Liebesgeschichte um die Häuptlingstochter Pocahontas, die dem Abenteurer, Kolonialisten und Kapitän John Smith zuerst das Leben rettet und ihn später weitere Male unterstützt, etwa indem sie ihm und die ihm untergebenen verhungernden Siedler mit Nahrungsmitteln versorgt. Das bringt ihr Ärger mit dem Vater ein: einzig der familiäre Vorteil, die Lieblingstochter zu sein, rettet sie davor, getötet zu werden; so wird sie nur verjagt. Pocahontas richtet sich in der Siedlung ein, doch auf ihre Liebe John Smith warten neue Herausvorderungen und große Abenteuer. Er verlässt sie und Pocahontas heiratet Christian Bale.

Laut Wikipedia ist der Film der erste seit neun Jahren, den man vollständig auf 65mm gedreht hat (der letzte war Hamlet von Kenneth Branagh), Regisseur Malick verzichtet fast vollständig auf Kunstlicht, lässt die Kamera dicht über Wasseroberflächen gleiten oder platziert sie in wogendes, hüfthohes Gras. Er arbeitet viel mit Steadycams, um das Geschehen mittelbarer zu machen und findet überhaupt eine recht poetische Bildsprache. Dialoge gibt es kaum, der Film wird zu einem nicht geringen Teil von Stimmen aus dem Off kommentiert. Das schafft freilich eine gewisse subjektive Nähe zu den Figuren, andererseits lässt Malick - und hier liegt ein gewollter narrativer Widerspruch - den gesamten Film kühl distanziert ablaufen. Man erfährt wenig über die Figuren, über ihre Schicksale, über die einzelnen Subgeschichten um die Indianer und um die Siedler; die Spannungen, die zwischen diesen Feldern auftauchen und abflachen und wieder auftauchen, bleiben streng fragmentarisch und werden nur angerissen: Die Siedler bauen ihr kleines ungemütliches Dorf, Schlammpfützen überziehen die Straßen, die Menschen sind heruntergekommen und fallen stetig tiefer, dann: Ein kurzes Aufbegehren gegen die Obrigkeit, zwei Schüsse fallen, es wird Winter, Schnee fällt und die Temperatur, die auf der Leinwand gezeigt wird, ist so kühl wie jene der Dramaturgie.

Das ist sicherlich so gewollt, vermutlich wollte Malick damit auch über mehrere Ecken und philosophisch genommene Kurven die Unvereinbarkeit zwischen der neuen und der alten Welt darstellen, aber so richtig kommt er damit nicht in Fahrt. Auch die Liebesgeschichte, also das Kernthema des Films, bleibt eher fremd, außer ein paar verliebte Blicke (auch wenn Q'Orianka Kilcher freilich zum Verlieben blickt) und etwas gut gemeinte Prosa der Off-Stimmen kommt da nicht viel.

Fazit: Sicherlich ein ambitionierter Film, mit dem ich mich aber nicht wirklich anfreunden konnte: Ein paar schöne Bilder, eine schöne Hauptdarstellerin und ein interessanter Erzählstil, der mich aber leider gegen Ende des Dramas dann doch zunehmend gelangweilt hat, lassen mich mal - Zeit sich zurückzuziehen und mich auf ein faires und gerechtes Urteil zu besinnen! - sechs von zehn möglichen Maispflanzen geben.

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