13 März 2006 - 13:32 -- thanil

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Battlestar Galactica, die Zweite

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Die letzte Folge war ja der zweite Teil einer Doppelfolge. Am Anfang von Folge 4 gibt es diesen Unfall bei der Feier der 1.000sten Landung eines Raptor-Piloten, wobei glaube ich 13 Piloten sterben und sieben weitere auf der Krankenstation landen. Starbuck, die früher Fluglehrerin war, bekommt den Auftrag, neue Piloten auszubilden, und dabei wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Sie fühlt sich schuldig am Tod von Commander Adamas Sohn Zach. Apollo wusste davon, dass Starbuck aus Liebe zu Zach diesen passieren ließ, obwohl er für die Fliegerei nicht geeignet war, aber der Commander wusste nicht davon. Am Ende kommt es zu der Konfrontation zwischen Commander Adama und Starbuck, die er wie eine Tochter ansieht. Erst, als Starbuck auf diesem bekackten Mond abstürzt, wird Adama wieder bewußt, dass er Kara "liebt" und sie als Familie ansieht. Und dann übertreten Vater und Sohn alle Grenzen, um sie zu retten.



Es wird die Frage aufgeworfen, ob ein einzelnes Leben so wertvoll ist, dass man dafür tausende von Menschenleben riskieren kann. Sicherlich ein altes Thema, und dass Starbuck am Ende gerettet wird, ist sicher ein Klischee, die Rettung in letzter Sekunde. Aber ich denke das wird wett gemacht durch die vielen Charaktermomente dieser Doppelfolge. Die Konfrontation zwischen Adama und Starbuck, die unangenehme Rolle, die Lee Adama bei der Vermittlung zwischen den beiden spielen muss, das Zusammenhalten in der Not von Vater und Sohn, die sich ja auch nicht immer grün sind, und die Präsidentin, die immer das Wohl der gesamten verbliebenen Gesellschaft im Auge hat und die beiden zurechtweist.

Am berührendsten fand ich glaube ich die Szenen, in der Starbuck dem Commander ihre Schuld am Tod dessen Sohns gesteht und später, als Commander Adama zu seinem Sohn Lee sagt, dass wenn er auf dem Mond abgestürzt wäre, sie niemals weitergezogen wären.

Was ich an der Serie unter anderem so mag ist, dass Storybögen konsequent und auch über mehrere Folgen hinweg fortgeführt und weiterentwickelt werden. Das führt zu einer unglaublich dichten Atmosphäre, und man glaubt nach ein paar Folgen die Charaktere wirklich gut zu kennen.

Lee ist der junge, idealistische Typ, der Autoritäten zwar anzweifelt, aber sich letztlich immer gut unter Kontrolle hat. Beeindruckend, wie er die Krise bei dem Gefangenenaufstand löst und dabei auch seine Karriere riskiert. Er erkennt, dass der Anführer der Gefangenen in der Sache Recht hat, und scheut sich deshalb dann auch nicht, gegen den Willen seines Kommandanten und seiner Präsidentin mit den "Terroristen" zu verhandeln. Da hat er wirklich Charakter und Führungsstärke bewiesen.

Kara ist der Draufgängertyp, der rebel without a cause. Bei ihr hat man nie das Gefühl, dass sie irgendwas einer höheren Sache wegen tut. Ich persönlich spüre nicht, dass sie irgendwelche Ideale hätte, außer zu gewinnen, was immer sie tut. Sie hat enorme psychische Probleme, ist unausgeglichen, eckt überall an. Sie ist im Prinzip das Genie, das sich in ihrer Genialität badet, während sich Lee alles hart erarbeitet. Kara läuft immer Gefahr, sich selbst mit ihrer Unkontrolliertheit alles kaputt zu machen.

William Adama wiederum ist das Musterbild eines Patriarchen und charismatischen Herrschers. Bei ihm hat man immer das Gefühl, dass er jederzeit das Zeug zum Militärdiktator hätte, den aber trotzdem alle lieben und ihm bedingungslos folgen würden. Ein Glück für die Flotte, dass er an die Demokratie glaubt und keinerlei Ambitionen hat, über seinen Bereich hinaus zu wirken. Er ist auch eine Art Idealist, wie sein Sohn Lee, aber viel beherrschter, abgeklärter, in sich ruhender.

Der Colonel Tigh ist in vielerlei Hinsicht Kara Thrace sehr ähnlich. Vielleicht können sie sich deshalb nicht leiden. Auch er hat geniale Momente, in denen er sich als unverzichtbar für die Flotte erweist (vielleicht erst in späteren Folgen deutlich), aber er leidet auch wie ein Hund an psychischen Problemen, die es ihm unmöglich machen, ohne die ordnende Hand einer höheren Autorität - in Person von William Adama - zu funktionieren.

So könnte ich von jeder Figur eine Charakterisierung schreiben. Das würde mir bei den Figuren von "Enterprise" (die neueste Serie) oder auch "Star Wars" nie gelingen. Gegen BSG haben diese SF-"Serien" nur hohle Pappkameraden zu bieten...