29 März 2006 - 14:02 -- AerynSun

Inside Man


Der Film hält sich nicht lange mit einem Beginn auf, sondern kommt gleich zur Sache. Der Bankräuber, Dalton Russell, erklärt dem Publikum, was er vorhat und warum, dann gehts los.

Zuerst einmal sieht es nach einem gewöhnlichen Banküberfall aus, der halt nur sehr, sehr clever ausgearbeitet und umgesetzt wird. Und nach dem Blick in den Tresor mit Stapeln von Geldscheinen, die ordentlich zu Geldblöcken sortiert wurden, denkt man, daß die Bankräuber jetzt sofort alles einsammeln, aber zunächst passiert nicht viel, außer, daß sämtliche Geiseln als Bankräuber verkleidet werden und die Bankräuber anfangen, auf Zeit zu spielen, als könnten sie es sich leisten, daß die halbe Polizei von New York City vor der Bank aufmarschiert.
Der nur zufällig als Vermittler eingesetzte Frazier stellt bald fest, daß dies kein gewöhnlicher Überfall ist, denn dazu gibt es zu viele Ungereimtheiten, unlogische Sachen, außerdem klinkt sich eine mystriöse Dame ein, die sich im Auftrag des Bankengründers einmischt. Allerdings hat sie im Grunde keine Befugnisse (was sie jedoch natürlich nicht abhält).
Interessant fand ich die Idee, daß zwischen all den Geschehnissen schon die Verhöre der Geiseln eingeblendet wurden. In dem Fall konnte man sich denken, wie es ablaufen wird, daß die Geiseln freikommen, sich aber die Bakräuber unter ihnen verstecken, bzw. die Polizei dies natürlich vermuten muß. Und daher wurde konsequent jede Geisel befragt, als wäre sie einer der Bankräuber gewesen.
Großartig war der Teil nach dem kurzen Prolog, ein Flug durch New York City, untermalt von völlig schräger Bollywood-Musik. Außerdem war die während des Filmes verstecke, offene und witzige Kritik sehr gut, einmal die Art, wie arabischstämmige Menschen in den USA behandelt werden (auch wenn sie keine Araber, sondern Inder sind ), sowie die Tatsache, daß schon Kinder ohne Probleme in Besitz gewaltverherrlichender Spiele kommen und diese reflektionslos mitsamt des gepriesenen Lebensbildes konsumieren (die zusätzliche Spitze gegen "Get rich or die tryin'" ging runter wie Öl )
Diese kritischen Töne kamen allerdings nie plump oder mit dem Holzhammer, sondern waren überaus geschickt eingebunden.

Die Darsteller waren allesamt einfach nur klasse, wobei gerade bei Clive Owen die OV besser gewesen wäre, da sein Gesicht (bis auf die Augen) die meiste Zeit hinter einem hochgezogenen Rolli aus gummiartigem Stoff steckte (es war was anderes, aber es sah exakt so aus smilie ), und er viel mit Haltung und Stimme arbeiten mußte. Allerdings, seine Syncronstimme gehört zu den wenigen, die ich fast als gleichwertig erachte gegenüber dem Original. In einem Film, in dem die Stimme so wichtig ist, ist es natürlich dennoch schade, wenn dadurch ein großer Teil der Schauspielkunst wegfällt, erst recht, wenn der Rest so überzeugend war.
Denzel Washington war ein sehr guter, immer verwirrter werdender Vermittler, der nach allen Regeln der Kunst arbeitet, aber dann doch merkt, daß der Bankräuber das gleiche Buch gelesen hat. Und seine Art, die Ex-Geiseln ein wenig einzuschüchtern, war einmal wirklich erfrischend abseits von üblichen Gewaltdrohungen oder anderem Platzhirschgehabe aus anderen Filmen.
Jodie Foster kenne ich nur aus Rollen, wo sie eher nett, etc wirkt, aber sie hat einen Blick drauf, der die Raumtemperatur auf den Gefrierpunkt bringt und einfach perfekt zu dem Biest paßt, das sie spielt.
Willem Dafoe hatte leider nur eine etwas undankbare, eigentlich völlig unbedeutende Rolle, was ich etwas schade fand.

Ich hatte nichts über den Film gewußt, bis auf den Trailer, der mich dazu bewog, ins Kino zu gehen, und ich hätte nicht unbedingt gedacht, daß der Film wirklich so gut ist. Die Handlung ist teilweise schon etwas konstruiert, aber clever, durchdacht, und mit vielen überraschenden Wendungen, so präzise wie die Arbeit des Bankräubers und seiner Leute. Und obwohl eigentlich nichts passiert, passiert eine ganze Menge.