12 Mai 2006 - 10:40 -- Zara

CDs verwichteln und die Folgen

Wichtel, wichtel..

 

Vor einigen Tagen lag ein großer brauner Umschlag im Briefkasten – an mich adressiert! Voller Erwartung lief ich in mein Zimmer, warf die Tasche in eine Ecke und die Schuhe in eine andere und ließ mich vor dem CD-Player nieder. In wenigen Nanosekunden war der Umschlag aufgerissen und in meinen Händen hielt ich eine CD, in weißem Seidenpapier, sowie eine Karte auf der in zierlicher Handschrift ein paar Zeilen an mich gerichtet waren. Diese Karte war es, die mich auf Celebrians Spur brachte, der Schreiber musste weiblich sein, er musste Faustkantaten aus dem 16ten Jahrhundert lesen…doch der größte und zugleich banalste Hinweis war die Karte selbst, die in Berlin gedruckt wurde. Zwar hätte sie ohne weiteres in Hamburg, München oder Schildau gekauft sein können, aber es war die Erwähnung der Stadt die den *Klick* auslöste. Aber zur CD selbst…
„Wüstes Gewichtel“ steht in der oberen rechten Ecke, und wirklich, Celebrian schafft es auf 16 Titeln u.a. Nightwish, The Rasmus, Sting, Goran Bregovic, Leonard Cohen, Keimzeit, Tom Waits und Brahms zusammenzubringen und dabei sind nur jene genannt, die mir ein Begriff waren!



1.Feel For You von Nightwish. Schwungvoll steigt sie ein, die Celebrian, und doch nicht ruppig, das Lied beginnt langsam, die ersten 30 Sekunden gleichen dem Vorhang im Theater, der sich langsam öffnet, um dann an Kraft und Schwung zu gewinnen. Starker Einstieg.


2.Time von Angra steigt dann auch gleich dort ein, wo Nightwish aufhören, werden aber zum Ende hin sanfter, so dass der Übergang zu

3.Desert Rose von Sting kein Bruch sondern eine Weiterführung darstellt. Sting nimmt die Spannung heraus. Dieser Aufbau wird sich fortsetzen und wann immer die Lieder aufeinander aufbauen und die Spannung steigt, wird Celebrian zum Ausgleich ein ruhigeres, sanfteres Lied setzen und so einen fast wellenförmigen Aufbau erzeugen. Toll gemacht übrigens.

4.Time To Burn von The Rasmus … Nachdem ich in einem Beitrag von ihr gelesen hatte, daß sie Tokyo Hotel mag, konnte mich auch der Name dieser nordischen Mädchenband *fg* nicht schockieren. Gar nicht schlecht, unerwartet.

5.Perfidia von Xavier Cugat, aus dem Soundtrack zu 2046 Ich mochte diesen komischen Film, wenn ich auch nicht behaupten kann ihn ganz verstanden zu haben. Perfidia ist schön, schnulzig natürlich, aber schön. Dem Film sehr angemessen. Mochtest Du ihn?

6.Jenseits der Stille von Niki Reiser, aus dem Soundtrack zum gleichnamigen Film.
Wer glaubt, Celebrian lese nur Bücher und verfasse kluge Beiträge, der irrt. Sie sieht offensichtlich auch viele Filme, diesen hier kannte ich nicht und daher kann ich nur die Musik beurteilen: gefällt mir sehr. Ich habe einmal jemanden sagen hören, das Klavier sei das vollkommenste aller Instrumente, das perfekte Werkzeug. Ich kann mich dem nicht ganz anschließen, aber nach einem Lied wie diesen kann man sich dem Zauber des Klaviers nur schwer entziehen. Vielleicht empfinde ich auch deshalb den Übergang zu

7.Ederlezi von Goran Bregovic, aus dem Film Time of the Gypsies etwas holprig. Nichtsdestotrotz ein wundervolles Lied, von dem ich leider (wie bei den nächsten beiden) kein Wort verstanden habe. Es weckt Fernweh und weil ich nicht beurteilen kann, wovon dort gesungen wird und ob es wirklich so traurig ist, wie ich es empfinde muss ich mir selbst die Orte suchen, nach denen es mich sehnt. Meist war es Indien, manchmal nur grüne Gipfel.  

8.Soldat von 5nizza,  Hmm…es geht wohl um Soldaten *scharfkombinier*, alles andere bleibt im Verborgenen. Wann immer von „Soldat“ gesungen wurde, hörte ich stattdessen „saudade“, Sehnsucht, wohl eine Nebenwirkung des Ederlezi.

9.V poslednjuju Osen von DDT Beschwingt, poppige Lagerfeuerromantik. Vermutlich eine völlige Fehleinschätzung und der Sänger erzählt davon, wie sein Leben zerbricht und er sich der Trunksucht ergibt. Bin ich zu textfixiert? Worum geht’s da? Muss mehr Sprachen lernen.        

10.Democracy von Leonard Cohen. Ah! Ein bekannter Name, eine Sprache die man spricht. Heimat, Sicherheit. Nun, vielleicht nicht unbedingt Heimat angesichts der Marschklänge und des schnellen Basses, aber…ach egal.  Democracy is coming to the USA…ich kannte Cohen mehr als den Träger des berühmten blauen Regenmantels, von wann ist das Lied? Sehr interessant.

11.Singapur von Keimzeit. Will Celebrian es mir leicht machen? Erst Englisch, jetzt Deutsch – wird das nächste Lied gar sächsisch sein? Wieder einmal das Klavier, dazu eine raue Männerstimme. Keimzeit ist Kult und das ist auch gut so.

12.Good Old World von Tom Waits, aus dem Soundtrack zu Night on Earth. Trägt es auch den Makel eines nichtsächsischen Liedes, so ist es doch ein tolles Lied. Ich kann Tom Waits normalerweise nicht so viel abgewinnen, jedenfalls nicht genug um den Hype nachzuvollziehen (ähnlich wie bei Matthew Goode), aber der Night on Earth Soundtrack ist schon ziemlich gut. Losgelöst kann ich das Lied gar nicht richtig beurteilen, da beim Hören Impressionen aus dem Film vor meinem inneren Auge aufsteigen. Super CD, wirklich!

13.Quando Corpus von Pergolesi. Streicher umschmeicheln mich, Ruhe kehrt ein, die Atmung flacht ab. Dann beginnt der Gesang und ich bin bezaubert.

14.Rondo alla Zingarese von Brahms, aus seinem Klavierquartett in G-Moll. Brahms, Streicher und vor allem: Klavier. Wann soll ich an der Klasse dieses Instruments gezweifelt haben? Kann mich nicht mehr erinnern. Muss jemand anderes gewesen sein.

15.Tanz der jungen Kurden von Chatschaturian. Sagte mir gar nichts, kam mir beim Hören aber doch bekannt vor. Man kann auch ohne Klavier gute Musik machen, zum Anfang „tupfig“ dann kräftig, dann Schluss. Der Paukenschlag kurz vorm Finale.

16. „Es geschah aber…“ A Schnittke und die Faustkantate. „Ein Splattertango, drollig-genial und völlig unbekannt.“, meinte Celebrian. Schaurig, interessant, intensiv und unbekannt sage ich. Und drollig auch, ein bisschen.

So, nach vielen Worten und wenig Gesagtem bleibt mir nur mich bei der lieben Wichtelfee zu bedanken, die mir eine CD geschenkt hat, die viel Neues hatte und mir viel Freude bereitet.

Danke! Nicht nur ist Dein „z“ von vollendeter Grazie, nein, Du hast auch noch einen großartigen Musikgeschmack.