18 Mai 2006 - 22:51 -- MetkrugSturmtief
Ehebruch, Gedicht, Jahreszeit, Lyrik
Frühjahrsputz

Frühjahrsputz
Unter Bäumen, zwischen Büschen
will Frau Müller Stäube wischen.
Denn ihr Ehegatte Günter
kommt zwar prima übern Winter,
doch kaum regt sich die Natüre
streckt er von sich alle Viere,
nasentriefig, wangenbleich,
augentropfig, bronchienkeuch.
„Dieser Zustand darf nicht bleiben,
dieses Husten, dieses Schnäuben
in verrotzte Taschentücher,
wie ein schwindsüchtiger Siecher.
Her mit meinem besten Besen,
ich werd‘ das Problem schon lösen!“,
spricht Frau Müller, Edeltraud,
putzerprobt und kampfbereit.
Stund um Stunde zieht vorrüber.
Edeltraud im Säuberfieber
kennt Erbarmen nicht noch Schmerzen,
keinen Grund, um abzukürzen.
Jedem kleinen Pollenstäubchen
rückt sie auf das Winzeleibchen,
und so gegen Null Uhr Zwei
gibt‘s nicht Pollen mehr noch Heu.
Edeltraud sinkt auf das Laken,
Ungerührt vom Fröschequaken,
träumt von lupenreinen Wiesen,
ihrem Günter ohne Niesen,
einem Picknick unter Birken,
die bei Günter nichts bewirken.
doch als Edeltraud erwacht,
hat der Kerl sich fortgemacht.
Denn was will ein Kerl im Frühling,
dem die Freude dran perdu ging,
wenn sie ihm zurückgegeben?
Er will endlich was erleben!
Mädchen, die an Mauern lehnen,
danach wird er sich wohl sehnen,
Kurze Röcke, hohe Schuh,
dünne Blusen, nicht ganz zu.
Was wird Edeltraud jetzt machen?
Packt sie ihre sieben Sachen?
Putzt sie sich durch Kontinente?
Hat sie andere Talente?
Juchzt sie nackt in Südseewogen?
Knutscht sie mit Allergologen?
Wenn ihr wißt, wie‘ s weitergeht.
Reimt mir doch, wie‘ s um sie steht.