21 Mai 2006 - 18:43 -- Oxford

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Die Insel der Actionklone

Ich habe gerade "Die Insel" gesehen. Ein Film, den ich damals eigentlich im Kino sehen wollte. Leider hat es nicht hingehauen. Das hab ich jetzt also nachgeholt.

Ich bin wirklich unentschlossen. Der Film hat teilweise sehr gute Momente und Ideen. Auch die Besetzung ist top. Dann aber tauchen billige Klischees, dümmliche Dialoge und plumpeste Hollywoodaction auf.

Aber beginnen wir von vorne, SPOILER ENTHALTEN:


Lichtblick und super heiß: Jordan Delta 2

Idee:

eine Zukunftsversion ála George Orwell. Nach Kontamination des gesamten Erdballs hat nur geringer Teil der Menschheit überlebt und sich in einem sterilen Komplex von der Außenwelt abgeschottet, wo er unter "Big Brother" völlig steril und überwacht lebt. Alle tragen weiße Einheitsanzüge und der Tagsablauf ist immer gleich. Täglich werden die Körperfunktionen überprüft. Eine Chipkarte dient der Identifkation. Auf ihr sind auch alle Daten des jeweiligen Individuums gespeichert. So sagt sie der Dame in der Kantine auch, was der ihr Besitzer gerade Essen darf und was nicht, um größtmögliche Gesundheit zu erreichen.

Eine Insel außerhalb des futuristischen Gebäudekomplexes ist der einzige Part der Erde, der nicht kontaminiert ist. Dorthin dürfen in schöner Regelmäßigkeit Bewohner, die in der "Lotterie" gewinnen. Auch Schwangere dürfen nach Entbindung auf die Insel und in Freiheit leben. Die Insel ist wohl zu klein, als dass alle dort leben könnten. Daher entscheidet das Los.

Ewan McGregor, der ebenfalls Bewohner dieser isolierten Welt ist, entdeckt bald, dass es nicht alles mit rechten Dingen zugeht und beginnt, sich aufzulehnen. Er entdeckt, dass die Gewinner der Lotterie nicht auf die Insel gebracht, sondern getötet werden. Zusammen mit Scarlett Johansson und der Hilfe eines verrückten Technikers (genial Steve Buscemi) gelingt es ihm, in die Außenwelt (im Jahre 2020) zu entkommen, die keineswegs kontaminiert ist. Auf dem Weg nach draußen entdecken sie "Geburtsstationen" (erinnert stark an Matrix), wo Menschen in Luftblasen gefangen sind und über eine Art Nabelschnur am Leben gehalten werden. Buscemi klärt sie auf, dass es sich um Klone handelt und dass auch sie selbst Klone sind. Reiche Amerikaner bezahlen den Chefarzt dieser "Welt" (Sean Bean), damit dieser Organersatzteillager züchtet. Was jedoch keiner weiß ist, dass für diese Klone eine eigene Welt geschaffen wurde und sie tatsächlich leben. Die Öffentlichkeit geht davon aus, dass sich um Klone handelt, die in einer Art Wachkoma liegen und nichts spüren. Damit beruhigen sie ihr Gewissen. Buscemi erklärts den beiden auf seine Art: "You like Burgers, but you don't wanna meet the whole cow".

Wende:

Ab jetzt wird der Film schrottig. Endlose Verfolgungsjagden, Action und Autobahnszenen, die locker an Matrix II heranreichen und das Ganze in unerträglicher Länge. Ich will euch nicht mit dem Ende langweilen. Es passiert nichts sonderlich Überraschendes. Zum Schluss gibt es einen Endkampf Obi Wan gegen Boromir und alle Klone werden befreit und es entstehen unerträglich kitschige Bilder, als alle in weißen Anzügen, auf dem roten Sand der Wüste Nevadas und unter stahlblauem Himmel in Zeitlupe und mit schmalziger Musik in die Freiheit laufen.

Bei der Rettung der Klone erhalten McGregor und Johansson noch Hilfe von einem Geheimdienstagenten, der sie den ganzen Film über mit grenzenloser Agressivität verfolgt hat. Ein Schwarzer. Der lehnt sich gegen seinen Auftraggeber Sean Bean auf, als er dahinter kommt, dass die Klone Gefühle haben und eigentlich "ganz normale" Menschen sind. Das erinnert ihn daran, dass er als Kind auch gebrandmarkt und markiert wurde, als Weiße den Stamm seines Vater überfallen haben smilie smilie smilie Und von da an ist er plötzlich gut. Und die 100 Menschen, die er bis dato im Film getötet hat, sind Schnee von gestern *blümchen*

Fazit: gute Idee, guter Ansatz und dann voll verschenkt! Kamerafahrten und Specialeffekts sind aber aller Ehren wert. Ebenso die Schauspieler.

Alles in allem gibt es dafür maximal 6,5 (von 10) menschliche Klone.