26 Mai 2006 - 23:53 -- Thanil

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Schnitzeljagd mit Amélie und Gandalf


Nach dem ganzen Bashing gegen The Da Vinci Code kam ich mit niedrigsten Ansprüchen ins Kino. Ja, ich musste mich sogar ein klitzekleines bisschen überwinden, ihn zu gucken, weil ich fest erwartete, einen schlechten Film zu sehen. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich einen besonders hervorragenden Film gesehen hätte, dafür war vieles doch zu konventionell und zu "bieder", aber er war auch keineswegs so schlecht, wie er in den Medien teilweise geredet wurde.

Was mich an diesem Film am meisten stört, das ist dieses schnitzeljagdartige, gekünstelte, das vor authentisch wirkenden Kulissen umso aufgesetzter wirkte. Desweiteren nervte mich ein typischer Hollywood-Kniff, der schon viele Filme zuvor lädierte: es wird erst stundenlang der Eindruck erweckt, dass weltbewegende Ereignisse ins Haus stünden, nur um dann kurz vor Schluss ganz viel Luft aus eben jenem Luftballon zu lassen. Weder wurden im Endeffekt die Fundamente des Christentums erschüttert, noch ist sonst irgendwas Weltbewegendes passiert. Nur ein paar irre gewordene Kirchenfunktionäre, die ein paar Sektierer verfolgten und darbei scheiterten. Da fragt man sich doch: warum der ganze Aufwand?

Die Schauspieler waren sehr gut besetzt. Sir Ian McKellen hat eine ungeheure Präsenz und unglaublich viel Charme. Tom Hanks war halt Tom Hanks, und Amélie ist einfach süß. Ironisch ist jedoch, dass die Filmhandlung im Prinzip darauf abzielte, nach 2.000 Jahren Patriarchat die Ehre und die Bedeutung der Frau und der femininen Seite unserer Kultur wiederherzustellen, und dass die Erbin von Jesus Christus im Film kaum mehr als eine Statistenrolle spielte. Im Prinzip war die ganze Filmhandlung doch pures Patriarchat, das sich mit sich selbst beschäftigte. Das passte also schon mal gar nicht zusammen.

Unter dem Strich würde ich sagen, dass "The DaVinci Code" nette Kinounterhaltung bietet. Leider ist nicht allzuviel unter der Haube. Aber bitte veranlasst mich nicht dazu, mich über die verschwörungstheoretischen Ansätze auszulassen, und wie sehr der Film dieses beim Publikum ungemein wirksame Ass ausspielt. smilie

Wertung:
6 von 10 Tempelrittern