27 Juni 2006 - 00:02 -- Nichtraucher

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Bier ist mein Gemüse – 3 Tage rocken in Scheeßel

Donnerstag:
Anreise. Ein Campingplatz für 50 000 Menschen ist schon beeindruckend. Alles scheint gut organisiert zu sein. Kurze Wege zwischen Auto, Zeltplatz und Festivalgelände, viel Security, es gibt Duschen und so. Zelt aufbauen, Dosenbier trinken. Es ist verdammt kalt, aber sternklar. Mehr Dosenbier trinken.

Freitag:
An Duschen und saubere Toiletten zu kommen ist schwer bis unmöglich. Ein Kanister am Zelt ist Gold wert. Dosenbier zum Frühstück, gegen Nachmittag aufs Gelände. Es fing alles etwas langsam an, die Leute irrten planlos umher ect. Gegen Abend war's dann voll und auf drei Bühnen wurde gerockt und wir haben uns dauernd verloren und ich habe von vielen Bands ein bisschen gesehen. Erst etwas Seeed, mocht ich nicht so, dann Arctic Monkeys, dann bin ich mal zu Fettes Brot rüber, wo sonst kann man das schon, einfach mal so von Band zu Band schlendern? Zwischendurch trifft man sich am Campingplatz zum Dosenbier trinken, abends bin ich dann zu Manu Chao, die ich von CD her mag. Das Konzert gefiel mir aber nicht so, zu reggealastig. Reggea ist scheiße. Allerdings hat Manu Chao ganz gut das Stadion gerockt, da ging's ab, jungejunge. Leider hab ich Klee verpasst, sollen gut gewesen sein. Das Wetter war bewölkt, aber warm und trocken.

Samstag:
Der Ackerboden des Zeltplatzes war feiner, brauner Staub und mit zunehmender Wärme verschwand der Platz im Staubschleier. Staub, nix als Staub. Alles war überzogen, die Zelte, die Haut, das Essen, alles. Machte aber optisch was her, hatte was von Lawrence von Arabien. Überhaupt sah das Gelände mit all den Fahnen und Wimpeln aus wie ein mittelalterliches Heerlager. Gegen Staub hilft Dosenbier trinken, ansonsten war nicht viel zu machen, die Wasserversorgung war schlecht, nicht mal an Trinkwasser war ohne ewiges Schlangestehen ranzukommen.
Nachmittags gab es einen netten Programmpunkt, Deutschland gewann das Achtelfinale, das kam an bei den Leuten. Allgemeine Schlandrufe und sehr viel Dosenbier.
An Bands sah ich so mehr oder weniger Adam Green (bisschen fad), Mando Diao (gingen gut ab), The Sounds (gefielen mir, muss ich mir mal was von besorgen), The Hives und The Stroke (haben beide das Stadion in Grund und Boden gerockt). Ich war aber recht weit hinten, weil ich einfach zu alt für den Scheiß bin. Vorne rumgepogt werden geht echt nicht mehr, musste ich feststellen, macht mich aggressiv, wenn mir dauernd jemand seine Ellenbogen in die Fresse rammt. Außer bei Element of Crime, das ist eh so eher die Ü30-Schiene, da war ich ganz vorne. War toll, wenn auch zu kurz. Aber allein Sven Regener mal live zu sehen... den Mann, der nicht nur all die tollen Songs geschrieben hat, sondern auch noch zwei tolle Bücher und das Drehbuch zu einem tollen Film.. [/fanboy]. Er sieht aus wie eine Mischung aus Herbert Grönemeyer und Adolf Hitler und lacht nie. Die Nacht war mild und man konnte im T-Shirt rumlaufen und Dosenbier trinken. Deutschland ist übrigens im Viertelfinale.

Sonntag:
Allgemeine Lässigkeit macht sich breit, niemand räumt mehr auf, das Bier ist warm, das Essen vergammelt, Dixiklogestank in der Luft, der Zeltplatz erinnert an Pompeji, also lieber schnell aufs Gelände. Gegen Mittag brannte uns die Sonne das Hirn raus, es war so unglaublich heiß. Ging also nur rumlungern und eiskaltes Becks trinken und Musik hören. So wie Billy Talent (schrullig), Panteon Roccoco (tanzbar), Eagles of Death Metal (White trash-Musik) und andere, aber alles nur im Relax-Modus. Irgendwann hab ich mich aufgerafft und mir die Cardigans angeschaut und ein bisschen Nostalgie getankt. Der Soundtrack meiner Jugend.
Die Hitze war lähmend, alle warteten, dass es Abend wurde. Endlich zogen Wolken auf und die Leute wurden wieder etwas lebendiger. Bei "Wir sind Helden" habe ich mich auch noch mal nach vorne gekämpft und bin lustig mitgehüpft, da waren ja nur Mehdchen um mich herum, die haben nicht so viele Ellenbogen. Eine süße Band. Hüpf, hüpf.
Pünktlich zum Soundcheck für Muse wurde der Himmel rabenschwarz und dann ging die Welt unter. Das Konzert wurde abgebrochen, bzw. fing gar nicht an, ich werde also nie wissen, was an denen so toll sein soll. Alles versank in tosenden Wassermassen, Donner und Blitz, es war einfach das Ende von allem. Da es aber sowieso das Ende war, hat das nicht groß gestört, nur die Muse-Fans waren sicher traurig, die bekackten Daffies. Unsere Zelte haben überlebt, so halbwegs, aber etliche tausend Menschen hatten kein Dach mehr über dem Kopf. Großeinsatz der Hilfskräfte, viele schliefen im Auto, alles schwamm weg, Anarchie. Wir haben im Regen geduscht und ein bisschen Abrissparty gefeiert, mit dem restlichen Dosenbier.

Montag:
Die totale Zerstörung. Ich hab mein Zelt stehengelassen, ein würdiges Ende für das schrottige alte Ding, dass mich 15 Jahre treu begleitet hat *schnüff* Der Platz ist ein Schlachtfeld, aber der Staub ist weg. Heimfahren, duschen, duschen, duschen.


Fazit: Wer schon immer mal wissen wollte, wie es sich als afrikanischer Bürgerkriegsflüchtling im Auffanglager lebt, bekommt hier eine Vorstellung davon.

Bester Spruch: "Ist das unser Müll?" - "Nein, das ist unser Essen." smilie