05 August 2006 - 00:01 -- Nichtraucher

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Julie Delpy – Julie Delpy


Das Dessou..Debütalbum der französischen Schauspielerin mit der Affinität zu amerikanischen Filmen. Entsprechend sind auch fast alle Songs auf englisch, hat den Vorteil, dass man sie versteht, den Nachteil, dass ihr Französisch einfach wunderschön ist, während sie mit Akzent immer etwas klingt wie Nico. Auch weil sie nicht so richtig geschult ist im Gesang, man merkt ihre Grenzen, sie ist eben kein Profi im Musikgewerbe, hat ja schließlich einen anderen Job. Dennoch, das ist sicher nicht das typische "Ich kann auch singen"-Album eines Leinwandstars, man merkt, Chansons sind ihr Steckenpferd, und wenn sie wirklich alle selber geschrieben hat, Hut ab.

Die CD ist recht abwechslungsreich, besonders die Instrumentierung spannt einen weiten Bogen vom funkig angehauchtem Rockbeat bis zur klassischen Stimme-und Gitarre-Nummer. Schwer in eine Schublade zu packen, moderner Chanson vielleicht noch am ehesten. Etwas poppiger als Carla Bruni, etwas leichtherziger als Heather Nova, an die sie mich mitunter erinnert, insgesamt auf charmante Weise natürlich, versponnen und mit dem Mut zur Lücke.

Einer meiner Favoriten ist Mr. Unhappy, die spöttische Abrechnung mit einem Ex, der ihr einfach irgendwann zu kompliziert wurde:

Zitat:
Mister Superficial
Mister "I am so special"
Mister "Something's wrong"
Let me sing you a song!

Mister Unhappy and Angry
Mister Sad and Dissatisfied
Mister Controlling and mind fucking
Grumpy and Complexity.

Mister Cool, Mister Often cruel
You're so unhappy and lonely
Always saying "something is wrong with me"
Well, something is wrong with you, man
because ever since it's over between you and I
I feel so... amazing!
Mister Unhappy...
Why didn't you let me be?


Ein Männerverstehsong der etwas gemeineren Art, aber ich fühle mich angesprochen, irgendwo.. ähm, gut smilie Nette, beschwingte Melodie dazu. Sie ist einfach drüber weg. Schön, mal was anderes als die Hinterherheulsongs zartbesaiteterer Chansonetten.


Ich kann wohl singen!

Ziemlich cool ist And together, könnte auch von einer angesagten Brit-Band stammen, treibende Gitarren und ein Ohrwurm-Refrain, fast tanzbar. Das rockigste Stück des Albums.

Gegen Ende kommen dann die beiden Songs, wegen denen man die Scheibe kauft, die Songs aus "Before sunset". Für den Film geschrieben, Songs einer fiktiven Person über eine andere fiktive Person, da lacht das Film-Nerd-Herz. Wobei An ocean apart die Sicht von Jesse einnimmt, A waltz for a night die von Celine. Beide rufen natürlich sofort die Bilder des Films ab, die Straßen Paris', der Park, das Café, die Seine, das Schiff... erfrischend unromantisch dabei die Lyrics:

Zitat:
You promised we'll never brake up over the telephone
You said our love was stronger than an ocean apart
Time goes by and people lie, everything goes too fast.


Der Song (An ocean apart) erzählt quasi, was sich Jesse denkt, wenn der Film vorbei ist und er wieder im Flieger sitzt. Der wunderbare, traurig-beschwingte Walzer "for a night" beschreibt hingegen minutiös Celines Erinnerungen an die Nacht in Wien vor neun Jahren. Ich mag ja Walzer. Kann ich mir immer anhören, Walzer. Die herzzerreißendsten Storys lassen sich in einem Walzer charmant verpacken, Liebeskummer zum Mitwippen.

Zitat:
I have no bitterness, my sweet
I'll never forget this one night thing
Even tomorrow, another arms
My heart will stay yours until I die


Fazit: Was für Leute, denen Carla Bruni und Linklaters "Before"-Filme gefallen. Für alle anderen immer noch gute Musik, um sie Mädchen auf Mix-CDs zu brennen.


P.S.: Als Film-Möger bleibt aber die Frage: Welches ist der Song über ihre Katze?