06 August 2006 - 18:28 -- Oxford

Schiffsmeldungen

…mit Kevin Spacey, Julienne Moore, Judi Dench

Der schüchterne, ambitionslose Quoyle (K. Spacey) kehrt mit seiner Tante und seiner Tochter in ein kleines Dorf nach Neufundland zurück, der Gegend aus der die Quoyles ursprünglich stammen. Vom Vater unterdrückt, von seiner inzwischen gestorbenen Frau sechs Jahre nach Strich und Faden ausgenutzt, findet Quolye in diesem Örtchen langsam sein Selbstwertgefühl wieder. Er beginnt als Reporter bei der lokalen Zeitung, wo er für Autounfällle und die Schiffsmeldungen zuständig ist. Der Film wird zu einer Reise in Quoyles Vergangenheit und zu seinen Wurzeln. Er lernt, sich seinen Ängsten zu stellen und findet am Ende sein Glück.

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Was so langweilig klingt, ist in Wirklichkeit ein grandioser Film über die Psyche und das einfache Leben in der Provinz.

Schöne Landschaftsaufnahmen und grandiose Schauspieler begleiten den Film, neben subtilem Humor, dramatischen Momenten und authentischen Dialogen, auf der Reise in Quoyles "ich". Die trostlose Grundstimmung passt sich der Landschaft Neufundlands wunderbar an und das Spiel der drei Hauptdarsteller lässt diesen Film zu einem Gesamtkunstwerk werden, denn alle drei Charaktere sind von einer profunden, höchst glaubwürdigen Melancholie gezeichnet. Und doch blitzen, dank genial gewählter Nebenrollen für die Dorfbewohner, immer wieder lebensfrohe, fast witzige Momente auf.

Einzig die Rolle der Tochter Quoyles bleibt mir persönlich ein Rätsel. Ansätze ihres Charakters werden aufgezeigt, jedoch nicht konsequent verfolgt oder zu Ende geführt. Ihre Visionen verleihen dem Film einen gruseligen Touch, der auf mich oft unpassend wirkt. Das Klischee des "unheimlichen Kindes" ist einfach zu abgelutscht. Mich persönlich nervt das.

Fazit: gelungene Tragikomödie über die menschliche Psyche, eingebettet in eine erfrischend ruhige Handlung und Landschaft.

Dieser Film bekommt 8 von 10 Wollmützen.