19 August 2006 - 01:17 -- Waldelb

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Tag des offenen Ateliers

Meistens betrachtet man Bilder im Museum, als Kunstdrucke oder in schlechter Qualität auf dem PC, und denkt sich „Oh, das ist aber schön“, „Wie hübsch das gemalt ist“ oder auch mal „Ey, das sieht ja total cool aus“. Aber eher selten habe ich es erlebt, ein gegenständliches oder abstraktes Gemälde zu betrachten und daraus zu einer Welt von eigenen Gedanken inspiriert zu werden.

Vor kurzem bin ich bei einem „Tag des offenen Ateliers“ über die Werke von Artur Ziaja gestolpert und habe genau das erfahren.

Die meisten seiner Bilder sind mir allein durch die starken und ausdrucksvollen Farben, in denen sie gehalten sind, aufgefallen. Bei genauer Betrachtung habe ich allerdings festgestellt, dass es die Stofflichkeit ist, die er zu erzeugen weiß, die mich so beeindruckt.

Rotgrün



Im Original wirkt dieses Gemälde noch viel stärker als auf dieser Fotographie, doch schon hier lässt sich leicht zeigen was ich oben angesprochen habe:
Die Farben, der Komplementärkontrast, machen es lebendig. Der dunklere Rand um die sich auftuende Spalte erzeugt das Gefühl von Räumlichkeit. Steht man davor, könnte man meinen die Farben und Flächen sind nicht eben nur solche, sondern etwas Vibrierendes, sich stets Veränderndes. Ein geteilter Raum mit Tiefe; eine Ebene mit einer Schlucht und scharfen Kanten; einem Stoff, der zum Anfassen verlockt um das greifen zu können was da so schön vor einem liegt.
All diese Ideen und Gedanken werden zudem noch dadurch verstärkt, dass eine Spezialfarbe aufgetragen wurde, die (durch eine 3-D-Brille betrachtet, welche bei Ausstellungen beiliegt) bestimmte Höhepunkte auch tatsächlich hervortreten und zurücksinken lässt.


Mein Lieblingsbild ist leider nicht auf der Homepage zu finden (ebenso andere sehr schöne Bilder, die ich auf der Ausstellung gesehen habe). Es in schlichtem weiß, mit gelben Akzenten (teilweise sehr stark, teilweise schwach), gehalten. Ich habe es gesehen und fand es toll. Diese Begeisterung hat bei längerem Hinsehen nur zugenommen: Wieder einmal sehr schöne Farben, doch auch hier ist es mehr der Farbauftrag und die Gestaltung, die es zu etwas besonderem machen.
Wie bei vielen seiner Bilder wurde so viel Farbe verwendet, dass sie auf der Leinwand nicht nur eine Form bildet, sondern auch eine Gestalt annimmt, die in den Raum hinein tritt.
Würde mich jemand fragen was ich in diesem Bild sehe, könnte ich es nicht beantworten. Aber ich kann sagen, was ich bei der Betrachtung gefühlt habe: Es wirkt wie ein Tanz der Farben, in dem sich Weiß – das Reine – und Gelb – die Freude und Vielfalt, der Höhepunkt – miteinander vereinigen. Jeder dominiert an bestimmten Stellen, aber es gibt auch Bereiche in denen sie sich über alle Nuancen hinweg vermischen. Fast wie diese Blume, Frangipani: In sich klar, schön, aber trotzdem wild, natürlich und weich.

Weitere tolle Bilder:

gelb



türkis



Es liegt selten Ruhe und Stille in seinen Bildern, sondern Kraft, Bewegung, Veränderung, Wut, Freude, Energie, jedes für sich hat einem besonderen Ausdruck.
Meistens stand ich vor den Werken und meine Hände bewegten sich ganz unwillkürlich, als würde ich es auf diese Art besser schaffen zu greifen und fühlen was sich da vor mir offenbarte. Diese Gefühle und Eindrücke haben sich jedenfalls ins Gehirn gesetzt und dort selbstständig weiter entwickelt. Daraus sind Fragen und Antworten, neue Ideen, Gedanken und Gefühle entstanden. Resultat war, dass ich am liebsten selbst wieder selbst zum Pinsel gegriffen hätte um diese Vielfalt in meinem Kopf auf’s Blatt zu bringen.

Gerne würde ich jetzt noch etwas über seine gesellschaftskritischen Werke oder seine Zeichnungen und Liebe zu weiblichen Formen schreiben, doch das würde jetzt diesen Rahmen sprengen. Vielleicht komme ich später noch dazu.


Ich muss abschließend sagen, dass ich ausgesprochen begeistert bin und jedem raten würde sich ein paar der Bilder im Original anzusehen, wenn sich ihm die Gelegenheit dazu bietet. Besonders da die Homepage bei weitem nicht das zeigt, was ich auf der Ausstellung gesehen habe.
Für alle Berliner daher der Tipp: 9. September, beim Tag des Offenen Kulturdenkmals, gibt es eine weitere Ausstellung seiner Bilder.
Um 12 Uhr ist Eröffnung der Ausstellung in Zehlendorf, Wasgenstraße 75. Es finden neben der Ausstellung auch weitere Aktionen, wie z.B. Führung durch die denkmalgeschützten Bauten statt.