06 September 2006 - 20:39 -- Triskel

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Das Achte Feld

Am Freitag waren Thanil und ich in der Ausstellung Das Achte Feld im Museum Ludwig in Köln. Und warum waren wir dort? Weil der Eintritt am Freitag kostenlos war. smilie Aber nicht nur das, es gab an diesem Abend auch liebreizende Kunstgeschichtestudentinnen, die quer über die Ausstellung verteilt rumstanden und die Werke erklärten, den Künstler vorstellten oder sonstige Fragen zur Austellung beantworteten. Eigentlich waren die Erklärungen meist sogar interessanter und ansprechender als viele der Werke selbst.

In der Ausstellung werden Werke (Gemälde, Fotos, Videos, Installationen, Plastiken, etc) gezeigt, die sich mit allen möglichen Arten der Sexualität beschäftigen, die es neben der als "normal" angesehenen heterosexuellen Sexualität gibt: Homosexualität, Transsexualität, Travestie, usw. Der Titel der Austellung bezieht sich auf eine Regel beim Schach: wenn ein Bauer es bis zum letzten Feld (das achte Feld) kommt, dann kann er sich in eine Dame verwandeln und somit das Geschlecht wechseln. Außerdem bekommt er mehr Macht, da beim Schach die Dame deutlich mehr Fähigkeiten hat, als der Bauer. In der Austellungsbeschreibung steht dazu: "Die Verhältnisse werden auf den Kopf gestellt, der Schwache wird zur Starken, der Verlierer zur Gewinnerin. Für diesen grundlegenden Wandel, der die heterosexuell dominierten Geschlechterverhältnisse außer Kraft setzt, will die Ausstellung plädieren."

Eines der ersten Werke, das man nach dem Betreten der Ausstellung sieht zeigte zwei halbnackte schwule Nazis vor einer Blümchenwiese. Das Gemälde war riesig…mindestens 3 mal 3 Meter. Leider habe ich von dem Werk keine Bild im Internet gefunden, aber ich habe mich bemüht es stillisiert mit erklärender Beschriftung wiederzugeben, damit man einen kleinen Eindruck davon bekommt smilie :


Ich fand das Bild ziemlich dämlich. Erstens hat mir der Malstil nicht gefallen und zweitens war es zu bemüht provokativ. Schwule Nazis...huh. Nee, also das Bild fand ich wirklich langweilig. Den Namen des Künstlers hab ich mir gar nicht erst gemerkt.

Nach dem mich dieses Bild nicht berührt hat, hat dann eines der nächsten Werke genau das Gegenteil erreicht. In einem kleinen aufgebauten quadratischen Räumchen hingen an allen vier Wänden eine Vielzahl kleiner (nicht größer als DIN A 6) Fotos und darunter kurze Texte wie Sodomie und Homosexualität in den verschiedenen Ländern der Erde bestraft bzw akzeptiert ist. Sodomie wird in diesem Fall im Sinne von "jede sexuelle Handlung, die nicht zur Fortpflanzung dient" verstanden. Leider waren die Texte auf Englisch und ich habe nicht immer alles verstanden. Insgesamt war es aber sehr erschreckend wie gefährdet man als Homosexueller in vielen vielen Ländern lebt. Die Strafen reichen von Geld-und Gefängnisstrafen bis hin zur Todesstrafe in 7 oder 8 Ländern, die übrigens alle islamisch geprägt sind (Saudi-Arabien, Sudan, Iran, Afghanistan waren unter anderem dabei). Auffällig war auch, dass lesbischer Sex akzeptierter ist als schwuler Sex. Wenn in den Gesetzgebungen mancher Länder zwischen diesen beiden Arten der homosexuellen Sexualität unterschieden wurde, dann wurde lesbischer Sex immer positiver bzw.weniger negativ bewertet. Beispielsweise ist gleichgeschlechtlicher Sex in manchen Ländern an eine Altersgrenze gebunden, wobei lesbischer Sex eine niedrigere Altersgrenze hat als schwuler Sex. Verstehe wer will, ich verstehe es nicht.

Die Austellung war ziemlich groß und es gab viele Werke (über 250), manche interessant, manche so uninteressant und unansprechend, dass man direkt vorbei lief, manche ästhetisch, manche unästhetisch, manche nichtssagend und auch einige, die ich durchaus nicht sonderlich künstlerisch fand. Das Thema bringt es natürlich mit sich, dass man sich bei manchen Werken fragt wo eigentlich die Grenze zwischen Pornographie und Kunst liegt…an sich nichts schlimmes und wenn man sich regelmäßig im Internet aufhält ist man ja ohnehin einiges gewöhnt. Aber im Allgemeinen lege ich trotzdem keinen so großen Wert darauf zu sehen wie sich Menschen gegenseitig in den Mund pinkeln. Naja, geht man eben weiter und schaut sich andere Werke an.

Wirklich genervt war ich davon, dass man sich viele Fotos nicht richtig anschauen konnte, weil die Glascheibe vor den Fotos extrem gespiegelt hat. Oft sah man nur sich selbst, statt dem Foto. Das muss sich doch auch anders regeln lassen. Hmpf.

Mit am besten gefallen hat mit eine Fotoreihe von Daniela Comani mit dem Titel "Eine glückliche Ehe" (oder so ähnlich [/vergesslich]). Auf den ersten Blick sieht man Bilder eines Paares (in diesem Fall Mann und Frau) in verschiedenen alltäglichen Situationen. alles wirkt völlig normal. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass die Fotos durchaus gesellschaftliche Klisches bedienen und zeigen wie wir in unseren Rollen geprägt sind. Man sieht schon an der Inszenierung welche Person welches Geschlecht zugeordnet wird: der Mann fährt Auto, während die Frau auf dem Beifahrersitz sitzt; die Frau steht einen Schritt hinter dem Mann, der Mann sitzt am Computer, die Frau telefoniert etc. Auf den dritten Blick sieht man dann (falls man wirklich genau schaut), dass die beiden Personen auf dem Fotos ein und dieselbe Person ist, die in die verschiedenen Rollen schlüpft. Es ist jedes Mal die Künstlerin selbst. Kleine Veränderung in Kleidung und Inszenierung machen aus der Frau einen Mannund es kommt uns nicht mal seltsam vor…auf den ersten Blick.
Beindruckend finde ich auch die technische Umsetzung. Man sieht wirklich nicht, dass es sich um Fotomontagen handelt. Faszinierend. Ein paar der Fotos hab ich zusammengepackt:




Erwähnen sollte man vielleicht noch, dass die Stadt Köln nicht so offen ist, wie sie bezüglich Homosexualität manchmal gilt. Für die Austellung sollte ursprünglich mit diesem –zugegebener Maßen nicht sonderlich schönem– Bild geworben werden:



Das war dem Bürgermeister dann aber doch zu viel des Guten und er lies Plakate und Flyer im öffentlichen Raum verbieten. Die Austellungsmacher entschieden sich dann für dieses Foto, um für die Ausstellung zu werben:



Meiner Meinung nach keine schlechte Wahl. Ich verbinde mit dem zweiten Bild viel eher das Thema der Austellung. (Wobei es natürlich ein typisches Klischebild ist. Hmmm) Trotzdem ist es ziemlich dämlich das erste Bild zu verbieten.