18 September 2006 - 00:01 -- Ramujan

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Battlestar Galactica 2003 - Folgen 1.4 bis 1.8

Achtung, enthält Spoiler

BSG


You can't go home: Diese Folge ist die Fortsetzung der vorhergegangenen: Starbuck ist auf einem Mond gestrandet und wartet auf Rettung. Dort findet sie das Zylonenschiff, das sich als halborganisch herausstellt - eine neue Information für Zuschauer und Überlebende. Die Produzenten und Autoren haben die Gelegenheit genutzt, um ein paar mehr oder weniger eklige Effekte einzubauen. Zum Schluss der Folge gibt's mal wieder Action, gefolgt vom großen Wiedersehen zwischen der Vermissten und der Galactica-Besatzung.

Überzeugen konnte der Hauptplot dennoch nicht vollständig: Die Art, wie Starbuck den mit unkonventioneller Technologie ausgestatteten Zylonengleiter in Schuss bringt und dann auch noch gekonnt nach Hause steuert, ist nicht besonders plausibel dargestellt. Starbuck entwickelt sich mehr und mehr zur perfekten Überheldin (wenn auch mit einigen Kanten), Apollo wirkt gegen sie zunehmend wie ein Anfänger und bleibt blass. Der Konflikt auf der Galactica, ob man viele Menschenleben riskieren dürfe, um ein einzelnes zu retten, ist wie immer gut ausgearbeitet und solide gespielt. Hier liegt die eigentliche Spannung. Alles in allem aber bisher die schwächste Folge, die ich gesehen habe. Ach ja: Auf Caprica nichts Neues.

Litmus: Es liegt auf der Hand, dass man mit der vorliegenden Thematik - Zylonen sehen aus wie Menschen, jeder Mensch kann ein Zylone sein -, irgendwann zum Bereich der Hexenjagd kommt. Diese Folge nimmt sich dem Punkt an und macht das auch recht spannend, finde ich. Hier kommen die Schauspieler von Tyrol und Boomer wieder voll auf ihre Kosten, das Verhör ist gut inszeniert. Adama wird ebenfalls verhört - auch hier: Spannung, besonders als Adama beschließt, der Sache ein Ende zu setzen. Ist er dazu autorisiert oder nicht? Er kann die Wache von seiner Sache überzeugen, damit ist die Folge in sich abgeschlossen, das Tribunal muss später nicht erneut aufgegriffen werden. Das fällt auf: Ein Haupthandlungsstrang wird in jeder Folge (oder auch mal in Doppelfolgen) zu Ende erzählt, ferner gibt es viele Nebenstränge, die sich über mehrere Folgen ziehen und für eine gewisse Kontinuität in der Serie sorgen. Auf Caprica passiert immer noch nichts Neues, dieser Erzählpart wird zunehmend langweilig, dabei hat er überraschend gut angefangen.

Six degrees of separation: Hehe - die bisher witzigste Folge, auch für Humor ist gesorgt. Gaius' Schauspieler zeigt ein großes komödiantisches Talent. Dann: "Your pain is my entertainment" - es ist immer wieder schön, wenn man Kneipeninsider wirklich versteht, auch nach so langer Zeit. Was nervt: Aus einem völlig unscharfen, verpixelten Bild kann mittels stundenlanger Bearbeitung eines intelligenten Technikers ein deutlich erkennbarer Kopf extrahiert werden. Solche alten Hollywood-Scifi-Klischees hat diese Serie nicht nötig. Was auffällt: Auf der Galactica herrschen achteckige geometrische Figuren; sowohl die Poker-Karten, als auch die Luken und die Datenträger, alle haben sie diese Form.
Detail am Rande: Die Szene, in der sich Boomer und Helo auf Caprica verlieben, wird in der amerikanischen Version nach den ersten Küssen ausgeblendet; die auf RTl-II ausgestrahlte Version ist angeblich ungeschnitten, die Kamera fährt um das Pärchen, der Zuschauer sieht wie die Wirbelsäule Boomer glüht. Ich hab das gestern Abend im Netz gelesen, konnte den Punkt aber nicht verifizieren. Verdammtes puristisches Bushpack.

Flesh and Bone: Sehr gute Folge, sicherlich nicht unumstritten. Starbuck foltert einen Zylonen, pfui! Der Gefangene flüstert der Präsidentin, Adama sei ein Zylone – naja, das glaube ich nicht. Aufgrund der Traumsequenz der Präsidentin vermute ich: Die Präsidentin ist eine Zylonin. Hah! Das gäbe eine hübsche Referenz auf das phantasierte Einhorn, das in Blade Runner für Spekulationen gesorgt hat. Der Einhorn-Traum Deckards und der Zylonen-Wegsaug-Traum der Präsidentin ähneln sich auch sehr stark. Was stört: Der religiöse Unterbau, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte, nimmt eine Richtung, die mir nicht gefällt. In der letzten Folge war der Glaube noch deutlicher zentriert. Das riecht mir derzeit alles zu sehr nach Erlösung vs. Verdammnis. Mal schauen, was die Serie noch so mit sich bringt. Die Caprica-Handlung langweilt zunehmend.