28 September 2006 - 00:01 -- Triskel

The Science of Sleep

Vor ein paar Wochen entdeckte ich bei brigitte.de, dass man durch einfaches Anmelden für eine Vorpremiere des Film The Science of Sleep Freikarten bekommen kann. Juhuuu…es gibt was kostenlos…also direkt mal angemeldet, obwohl ich von dem Film zuvor nie etwas gehört hatte. Nach kurzer Recherche fand ich dann heraus, dass es der neue Film des Regisseurs Michel Gondry ist. Zugegeben sagte mir der Name auch erst was, nachdem ich las, welches sein letzter Film war: "Eternal Sunshine of the spotless mind". Juhuuuuuuuu! Diesen Film mag ich nämlich ausgesprochen gerne.

Am Montag saßen wir dann gespannt in einem kleinen, aber sehr tollen Kino (dort gabs Bionade *strahl*) und schauten uns die "Anleitung zum Schlafen" an. (Wie mir gerade auffällt ist der deutsche Titel ein wenig ungeschickt gewählt. Er spielt nicht darauf an, dass der Film so langweilig wäre, dass man einschlafen müsste.) Schon mit den ersten Szenen des Film wird man in die Traumwelt Stéphanes hineingeworfen. Ein selbstgebasteltes Fernsehstudio, von dem aus er die Welt erlebt. Wenn man vorher über den Film nichts oder nicht viel wusste, denkt man deshalb auch erstmal: Aaaaaaahja?!
Verstärkt wird die Irritation auch durch das Sprachenwirrwarr. Stéphane ist Sohn eines Mexikaners und einer Französin. Nach dem Tod seines Vaters zieht er zu seiner Mutter nach Paris, weil diese ihm einen Job als Illustrator besorgt hat. Trotz der französischen Mutter, spricht Stéphane nicht fließend französisch und wechselt lieber ins Spanische oder Englische (in der deutschen Synchro entsprechend ins Deutsche), wenn er aufgeregt und in einer Situation unsicher ist. An das Sprachen-Hin-und-Her hat man sich aber recht schnell gewöhnt…allerdings bringt es natürlich mit sich, dass man recht viele Untertitel lesen muss, wenn man nicht zufällig auch spanisch und französisch versteht.
Stéphanes Job stellt sich als sehr langweilig heraus, der nichts mit dem Beruf des Illustrators gemeinsam hat. Nachts träumt er von seiner Arbeit und seinen Kollegen. Weil seine Arbeit ihn so anödet sucht er die Nähe zu seiner neuen Nachbarin Stéphanie (sie wird gespielt von Charlotte Gainsbourg), mit der er versucht seine fantastischen Traumwelten zu teilen. Er baut ihr beispielsweise eine Zeitmaschine, mit der sie eine Sekunde in die Vergangenheit oder eine Sekunde in die Zukunft "reisen" kann. Damit der Film interessant bleibt entwickelt sich das Verhältnis zwischen Stéphane und Stéphanie natürlich nicht geradlinig und es kommt zu Problemen und Missverständissen, die vor allem darin Gründen, dass Stéphane aufgrund seiner Angst nicht geliebt zu werden und keine Anerkennung zu bekommen, sich immer öfter in seine Traumwelt zurückzieht und auch nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden kann. Für uns Zuschauer bedeutet das viele surreale Szenen mit Zellophanpapier, Fernsehkameras aus Karton, verschneiten Bergen aus Watte und Wolle, Träume aus Spaghetti, Städte aus Pappe und Menschen mit Fellohren:

Fellöhrchen

Der Film hat seine Längen und etwa nach einer Stunde hatte ich das dringende Bedürfnis jemanden zu fragen wie lange der Film wohl noch dauert. Aber im Großen und Ganzen ist es ein schöner, verrückter, schön verrückter Film. Allerdings wird es sicher sehr viele Leute geben, die wegen der vielen (evtl einen Tick zu vielen) Traumsequenzen mit dem Film nichts anfangen können und sicher schon vor dem Ende des Films den Saal verlassen würden…wenn sie denn überhaupt auf die Idee kämen, sich den Film anzusehen. Thanil bemängelte, dass er gerne weniger surreale Traumsequenzen und dafür mehr Szenen mit Stépahne und Stéphanie gesehen hätte. Dem würde ich mich anschließen. So einfallsreich und originell die Träume und fantastischen Welten zum Teil waren, die besten Szenen waren für mich, wenn die beiden Protagonisten in der realen Welt aufeinander trafen.