13 Oktober 2006 - 15:52 -- parasite

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The fountain

Richtig interessant wurde die Messe fr mich dann aber am Mittwoch. Nachdem er Vorschussbuhrufe in Venedig erntete, lief an diesem Abend das heiß ersehnte neue Werk der amerikanischen Regiehoffnung Darren Aranofsky:

Es werden 3 miteinander verwobene Handlungsstränge erzhlt:

a) Ein spanischer Conquistadore (Hugh Jackman) der um 1500 im Auftrag seiner Königin (Rachel Weisz) in Südamerika auf die Suche nach dem biblischen Baum des Lebens - angeblich die Quelle für Unsterblichkeit - begibt. Die Macht dieses Mythos' soll dem von der Inquisition bedrängten spanischen Königreich zur Befreiung und neuen Blüte verhelfen und die Königin mit ihrem treuesten Diener in Ewigkeit vereinen.

b) In der Gegenwart spielt die Geschichte um die im sterben liegenden Izzi (Rachel Weisz) und ihrem Mann und Wissenschaftler Tom Verde (Hugh Jackman), der getrieben von dem Wunsch seiner Frau zu helfen, auf der Suche nach einer Behandlung von Hirntumoren kurz vor einem Durchbruch steht (zumindest bei seinen affenartigen Probanden.

c) Ein glatzköpfiger, nach Erlösung Suchender (Hugh Jackman) wabert auf einem Stück Erde gemeinsam mit einem sterbenden Baum in einer Blase durch die Weiten des Alls in der Hoffnung eine Möglichkeit zu finden, seinen Begleiter zu retten, an dessen Existenz seine eigene offenbar gebunden ist.

Im Kern geht es um ganz grundsätzliche Fragen und Erwägungen der menschlichen Existenz, um Liebe, Tod, Einsamkeit und der Suche nach einem Sinn in all dem. Es wird ziemlich schnell klar, dass die  in der Gegenwart spielende Geschichte die ist, um die sich die anderen beiden drehen und die am ehesten in der Realität anzusiedeln ist. A und c sehe ich eher als Verbildlichung einer symbolhaften Ebene und nicht als konkrete Geschichts- bzw. Zukunftsvorstellungen des Machers. Auch so bleibt die Botschaft des Film für den reduktionistischen Zyniker sicher sehr einfach angreif- und zerlegbar.

Die filmischen Ausdrucksmittel machen das nicht schwerer. Alle Szenen scheinen in Blattgold getaucht. Die Kameraeinstellung sind meist vertikal zum Geschehen gewählt, was zu ikonenhaften Bildern führt, die man sich gern ausdrucken und an die Wand hängen möchte. Aranofsky hat von seinen bisherigen technischen Einfällen (Hip-Hop-Montage, Snorricam), die wegweisend waren für das zeitgenössische Kino, diesmal keinen Gebrauch gemacht. Dennoch bleibt die Optik reizvoll und eindrücklich. Die Kamera pendelt von den oben erwähnten kühlen, entfernten Frontal-/Übersichtsansichten auch oft in die nächste Nähe der Protagonisten, zum Teil in ihre Perspektive, was eine Spannung zwischen Distanz und Unmittelbarkeit schafft. Hugh Jackman und Rachel Weisz leisten, auch wenn sie wohl nicht erste Wahl waren, hervorragende Arbeit, die leider zwischen der Dichte der bedeutungstiefen Symbole etwas hilflos zerdrückt wird. Ich glaube ein Problem des Filmes ist auch, das die Entstehungszeit so ungewöhnlich lang war.  So könnte ich mir vorstellen, dass viele ursprüngliche künstlerische Einfälle in den Anstrengungen sie trotz gekürzten Budgets über so lange Zeit gegen viele Widerstände umzusetzen oder einen ausfüllenden Ersatz zu finden, zerrieben. Auch wenn einige Szenen die Gefahr bergen, ungewollt Gelächter im abgeklärten Publikum hervorzurufen, respektiere ich den Regiesseur für seine künstlerische Vision und den Mut sie gegen Widerstände durchzusetzen. Wenn man sich drauf einlässt, bleibt man - trotz aller Esoterikvorwürfe, die man locker an die überkandidelten Bilder richten könnte - nicht unberührt. Wer "Requiem For A Dream" und die 5 Jahre Entwicklungszeit des Filmes im Hinterkopf behält wird wohl enttäuscht werden. Ich war es nicht. Dennoch kann ich mich von den "was wäre, wenn..." Erwägungen nicht befreien. Was wäre, wenn Aranofsky die Mittel gehabt hätte, um sein ursprüngliches Konzept umzusetzen? Ein schöner Film jedenfalls. Anschauen!