30 November 2007 - 11:21 -- Ramujan

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Die Nitrite haben gegiggelt


Ich habe abgelaufene Milch getrunken. Ich habe Tollkirschen gegessen. Ich habe Großmüttern die Rosen geschändet. Ich bin bei Rot über die Straße spaziert – ohne zu gucken. Ich habe meinem Chef eine Kündigung geschrieben.

Während Kyrill um mich stürmte, bin auf Tannen geklettert und habe gegen den Wind gespuckt.

Ich habe Haie geküsst, Löwen verlacht und Giftschlangen getreten - und als sich die ganze Kraft der zischelnden Wurmbrutwut zu mir hochgeschlängelt hat, da habe ich sie gebissen.

Ich habe Babys aus sizilianischen Krankenhäusern gestohlen.

Ich habe in Japan Fugu-Kugelfisch-Surimi verschlungen, in Eile zubereitet von demenzkranken, parkinson-zittrigen Ex-Sumo-Ringern.

Ich habe in Südafrika die Apartheid gefordert, und in einem Magdeburger Prekariatsghetto habe ich, verkleidet als schwuler Türke tiefschwarzer Hautfarbe, Hitlers Todestag zelebrierend auf eine Hakenkreuzflagge geschissen.

Ich habe Schach gegen Kasparow gespielt und geschummelt.

Ich habe auf Autobahnen gezeltet.

Aber jetzt endlich, nach Jahren der Langeweile und der in stumpfsinniger Ödnis verbrachten Lethargie, habe ich eine Gefahr gefunden, die mich herausfordert, die mir tief in die Augen schaut und die sagt: WAGE ES NICHT!!

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Ich habe aufgewärmten Spinat gegessen!!!!


Ich habe gezittert, ich habe ins Kopfkissen geweint, ich habe mir einen Finger abgenagt, aber dann habe ich mich gefragt: Hätte Popeye aufgewärmten Spinat gegessen? Und ich habe geantwortet: Nein, er hätte ihn nicht nur gegessen, er hätte ihn: GENOSSEN!! Ja, genossen hätte er ihn, und ich bin in die Küche gerannt und ich habe Spinat gemacht, guten, soliden Blubb-Spinat; ich habe ihn heiß gemacht, ich habe ihn umgerührt, und dann habe ich – nein, ich habe ihn nicht gegessen … Ich habe ihn in den Kühlschrank gestellt!

Und dann habe ich gewartet.

Ich habe lange gewartet, ich habe zitternd gewartet, ich habe freudig gewartet.

Und dann …




Dann …



Dann …



Dann habe ich den Spinat wieder aufgewärmt.

Elfmal Mal habe ich ihn aufgewärmt: Ich habe ihn ohne Topf und doppelten Boden aufgewärmt, direkt auf der Herdplatte; ich habe ihn gebraten und gebacken und gegrillt; ich habe ihn flambiert, gedünstet, gebrutzelt, gesotten, geräuchert, geschmort und geröstet.

Ich habe den Spinat solange aufgewärmt, bis sich jedes verdammte, feige Nitratmolekül in perfider chemischer Ignoranz in seine nicht minder feige Nitrit-Entsprechung verwandelt hat.

Ich habe soviel Nitrit produziert, ich habe das Nitrit riechen können. Ja, ich habe es sogar sehen können, wie es mich aus dem toxischen Blattgemüse angestarrt hat, böse und hinterhältig, mit großen, putzigen Knopfglotzaugen, herzzerreißenden Knuff-Schnauzen und vermeintlicher Nitrit-Niedlichkeit. Aber ich habe mich nicht bezirpsen lassen! Nein! Ich nicht!

Die Nitrite haben gegiggelt und gekichert und mich angeschnuffelt, bevor ich sie getötet habe. Alle, alle, allesamt.

Und dann habe ich den Spinat gegessen.

Einfach so.

Und ich würde es wieder tun.