01 Dezember 2007 - 18:49 -- Schalk

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Schalk und seine Büchse

Schalk war heute beim Büchsenmacher, Schalk hat nämlich ein Gewehr im Internet bestellt.

Bild von Räuber Hotzenplotz



Schalk ist ein gutmütiger Mensch, er weiß, dass es genug Leute gibt, die unnötig Angst vor Waffen haben. Er weiß auch, dass er nicht gefährlich ist, Andere wissen das vielleicht nicht. Schalk will besonders ungefährlich wirken, wenn er mit dem Gewehr im langen schwarzen Koffer durch die Innenstadt läuft. Es hängen drei dicke Schlösser dran, zur Sicherheit. Kein Gesetz schreibt ihm das vor, aber dann weiß jeder, dass es da drin gut verpackt ist, Schalk auch. Er wartet bis es dämmert, damit seine Brille nicht schwarz wird, das macht sie auch bei schlechtem Wetter, da muss sie nur ein paar UV-Strahlen wittern. Er trägt die buntesten Kleider im Kleiderschrank, eine kanarienvogelgelbe Regenjacke, bloß nicht den dunklen Mantel. Die Lederhandschuhe sind nicht zu vermeiden, dafür lächelt er dämlich. Eine lächelnde Hindukuh. Nicht Grinsen, keine mürrische Maske, er ist ja kein Wahnsinniger.
In der Straßenbahn fragt ihn eine junge Mutter,...

...ob er helfen kann, den Kinderwagen über die Stufen am Ausgang zu heben, den Koffer hat sie nicht gesehen. Das kann er nicht ohne die Kiste aus den Augen zu lassen. Er verneint, peinlich berührt. Seine Stimme ist eine Oktave zu hoch, das klingt nicht so bedrohlich; kindlich, aber ungefährlich. Passanten schauen den Koffer an, ihn, wieder den Koffer, dann schnell zur Seite. Jugendliche starren deutlicher. Unangenehm. Draußen hält er an jeder roten Fußgängerampel, damit ist er der Einzige. Im Rucksack ist ein Stapel von Belegen und Dokumenten, Waffenbesitzkarte und Jagdschein, die ihm erlauben die Waffe zu erwerben, zu besitzen, im Revier (das er nicht hat) zu führen, die bestätigen, dass sie ihm nicht gehört, aber auch nicht gestohlen ist. Den Stapel braucht er wenn jemand nervös wird. Er ist das schon. Lächeln.
Vom Büchsenmacher braucht er ein paar Ersatzteile um das Magazin zu reparieren, das vor einigen Jahren zugeschweißt wurde. Brauchte man damals, fürs Waffengesetz, heute nicht mehr. Der Büchsenmacher sagt, Schalk müsse beim Landratsamt anrufen und fragen ob das erlaubt ist. Offenes Magazin darf man nämlich, war es ja auch schon mal, wurde aber als Einzellader umgebaut und umgemeldet. Jetzt muss man es wieder neu beschießen lassen, wie beim TÜV, wenn man den Originalzustand wieder herstellt, anders als beim TÜV. Damit alles seine Ordnung hat. Das könnte sich Schalk nicht leisten. Er darf wieder heimfahren, unverrichteter Dinge.
Der große schwarze Koffer fällt um. Ein Knall, alle schauen ihn an, den Koffer, ihn. Nichts passiert, einfach nur umgefallen, keine Gefahr. Lächeln, wie die Hindukuh. Seine Mitbewohnerin hat ihn gefunden, begrüßt ihn, „Hallo Papa. Bist du bewaffnet?“. Der Moment ist gerettet, der Mann mit der Waffe scherzt, lacht, erzählt welche Mühe er sich gibt, ungefährlich zu sein. Die Anderen in der Bahn wollen das sicher nicht wissen, egal. Er hat es geschafft, alles schön, alles friedlich, keine Gefahr. Schalk hört kein Marilyn Manson, Schalk spielt keine Killerspiele, ehrlich!

Das Gewehr steht wieder im Waffenschrank. Sicher.




...nicht nur die Welt.