03 Dezember 2007 - 14:54 -- Craggan

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Fruchtfliegen können einen Workshop beschleunigen

Workshops sind gerne einmal etwas dröge und plätschern so vor sich hin. Nach der Mittagspause merkt man bei näherem Hinsehen allen Teilnehmern an, dass sie gut gegessen haben und sich der überwiegende Teil der Sauerstoffreserven ihres Blutes vom Hirn in den Magen verlagert hat, um dort Aufräumarbeiten zu leisten. Das sind die für den Moderatoren (bei dem dies übrigens ganz genauso ist) herausforderndsten Phasen.

Fruchtfliegen schwirren gerne ganz ganz nahe vor einem herum und drohen latent damit, sich einatmen zu lassen, was der Durchschnittsbürger dadurch verhindert, dass er mit einem mehr oder weniger eleganten Handwedeln einen Luftwirbel erzeugt, gegen den sich die Fruchtfliege ob ihres geringen Eigengewichts nicht stemmen kann.




Ich hatte gestern das Vergnügen, einen Workshop mit ca. 10 Teilnehmern und etwa (geschätzt) ebenso vielen Fruchtfliegen zu moderieren

Letztere haben sich illegal mittels eines auf dem Konferenztisch befindlichen Obstkorbs eingeschlichen. Obstkörbe lösen in letzter Zeit im Zuge der gesundheitsbewussten Ernährung gerne die einst üblichen Aldi-Billigkekse ab (denen in der ersten oder zweiten Kostensenkungswelle die leckeren Markenkekse zum Opfer gefallen sind).

Das Grauen begann damit, dass die Assistentin des Onlineleiters in die Weintrauben griff und die dort angesiedelten Familien der Gattung Drosophila Melanogaster damit schlagartig heimatlos machte. Mitten im Vortrag des Herrn Geschäftsführers, der gerade erläutert, dass die eigenen Online-Werbeerlöse im Vergleich zum Nachbarunternehmen geradezu lächerlich sind, wedelt der Marketingleiter hektisch herum. Der GF unterbricht seinen Vortrag, weil er eine wichtige Wortmeldung erwartet – der Marketingleiter verdreht die Augen und zuckt entschuldigend mit den Schultern.

Wenige Minuten später, während der Verkaufsleiter erläutert, warum die Vermarktung von Online-Werbeflächen in Anbetracht des gestiegenen Wettbewerbs von Google kaum noch möglich ist, schmeißt der Onlinechef beim Versuch, einen ausreichend intensiven Luftstrom zu erzeugen die soeben gefüllte Kaffeetasse um, deren Inhalt sich auf die Unterlagen des Controllers ergießt.

Die nächsten 10 Minuten entbrannte ein erbitterter Kampf der 10 Manager gegen die 10 Melanogaster. In diesen 10 Minuten konnte ich vor aller Augen sämtliche mir wichtigen Ergebnisse via Laptop und Beamer für alle sichtbar unwidersprochen dokumentieren (was im Endeffekt zu einer deutlichen Beschleunigung des Workshops führte). Alle Diskutanten waren damit beschäftigt, den Kaffee-See aufzuwischen und den unsichtbaren Feind zu jagen.

Für meinen nächsten Workshop habe ich bereits ein Obstkörbchen bestellt.