06 Dezember 2007 - 15:27 -- Glaurung

, , ,

Andymon

Andymon. Eine Weltraum-Utopie.
von Angela Steinmüller und Karlheinz Steinmüller (1982)

Durch einen Kneipenthread auf die Idee gebracht, hatte ich mir das Buch gebraucht gekauft. Ich bekam genau die gleiche Ausgabe, die ich auch ca. 1992 in der Stadtbücherei Volksdorf vorgefunden habe. Während der insgesamt 13 Stunden Zugfahrt am Freitag und heute habe ich es dann äußerst gefesselt erneut gelesen.

Vorab etwas zu den Autoren: Angela Steinmüller, Mathematikerin, und ihr (9 Jahre jüngerer) Mann Karlheinz Steinmüller, Kybernetiker, Physiker und promovierter Philosoph. Beide DDR-Bürger und scheinbar auch überzeugte Sozialisten, wie man dem Buch anmerkt.

Zum Inhalt: Beth, der Ich-Erzähler, erzählt chronologisch die Geschichte der Besiedelung Andymons. Er wird von Inkubatoren an Bord eines gigantischen Raumschiffes geboren, das seit Tausenden von Jahren zu einem Sonnensystem mit möglicherweise für Menschen geeigneten Planeten unterwegs ist. All die Jahre war das Schiff völlig unbelebt auf automatischem Kurs. Erst 20 Jahre vor Erreichen des Ziels beginnt der Computer, Menschen in den Inkubatoren zu erzeugen.

Beth und seine Geschwister bilden dabei einen repräsentativen genetischen Querschnitt der Erdbevölkerung.

Wir begleiten Beth durch alle Phasen seines Lebens: Das Kleinkind, das von den Ramas, Mutter-Robotern, betüttelt wird, dann die Lernphase, in der die scheinbar allwissenden, immer geduldigen, weil ausgeklügelten Pädagogik-Programmen folgenden Guros die optimale Entwicklung der Kinder leiten. Es kommt die Pubertät mit (von den menschlichen Konstrukteuren natürlich eingeplanter) Rebellion gegen die automatischen Eltern und mit der Entdeckung der Sexualität. Bis zum Erwachsensein. Alles begleitet, nein, dominiert, von der nimmermüden Vorbereitung auf das einzige große Ziel: Die Ankunft auf Andymon. Die Konstrukteure haben dafür gesorgt, daß bei der Ankunft eine Mannschaft von Genies bereitsteht, die der Herausforderung gewachsen ist - meistens. Doch mit der Ankunft gehen die Probleme erst los....


Ich hatte befürchtet, daß mir das Buch nicht mehr so gefällt wie damals - so ist es ja häufig, wenn man sich Sachen ansieht, die man als Kind mochte. Nicht so hier, das Buch gefällt mir sogar besser, als ich es in Erinnerung hatte. Es ist Science-Fiction at it's best: Fantastisch, aber auch sehr wissenschaftlich, glaubwürdig und in sich logisch. Alle Entwicklungsphasen der elternlosen Menschen sind glaubwürdig beschrieben. Und dabei ist es noch sehr spannend, und das, obwohl die Autoren wichtige Entwicklungen wie auch den Tod einer Hauptfigur frühzeitig vorwegnehmen. Das Ende läßt mich wehmütig und traurig zurück. Nicht, weil es ein tragisches Ende wäre. Es ist eher ein bißchen wie im Herrn der Ringe.