09 Dezember 2007 - 13:54 -- Gimli

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Persepolis

Basierend auf den Comics von Marjane Satrapi (der Vorname bedeutet 'Koralle') entstand dieser wunderbare französische Zeichentrickfilm über das Leben eins Mädchens im Iran während der Revolution und noch etwas darüber hinaus. Regie führte Marjane selbst zusammen mit Vincent Paronnaud. Beide Medien erzählen die selbe beinahe-autobiographische Geschichte von Marjane, von ihrer Kindheit während Revolution und Krieg, ihrer Jugend in Wien, Rückkehr in das Land der Ajatollahs und darauf folgende Emigration nach Paris, wo sie noch heute lebt und arbeitet.


Leider kenne ich die Comics nicht, doch der Film machte auf mich von der ersten Sekunde an den Eindruck ein richtiger Comic und kein opulenter Zeichentrickfilm zu sein. Die Striche sind klar, die Kontraste scharf, große einfarbige Flächen sind nicht selten. Die Darstellung ist schon sehr ästhetisch, schön in ihrer Schlichtheit und auf den Punkt genau perfekt entfremdet; gerade so nicht-realistisch, dass die Gewalt des Krieges einen nicht in die Magenkuhle trifft, und doch realistisch genug für einen Film, der wahre Ereignisse zeigt.

Die Handlung dreht sich wie gesagt um die kleine Marjane und ihre Oma mit den Blumen im BH. Es beginnt kurz vor der eigentlichen Revolution.

Die Menschen gehen auf die Straßen und auch Marjanes liberale linksorientierte Familie will den Schah fallen sehen. Demonstranten werden erschossen, die Freilassung politischer Gefangener aus einem Bau, der irgendwie wie die Bastille aussieht, wird erzwungen. Und tatsächlich, der Schah flieht. Durch Erzählungen von Marjanes Onkel, der als Kommunist inhaftiert war, erfahren wir was es so Relevantes über die Geschichtes Irans zu wissen gibt, kindgerecht als Puppenspiel. Doch kindgerecht bleibt es nicht, der Erste Golfkrieg folgt auf dem Fuße und bis hin zu den Jugendlichen, die mit Plastikschlüsseln um den Hals in Mienenfelder laufen, bleibt dem Zuschauer nichts erspart. Der Krieg tobt auch gegen das eigene Volk, Marjanes Onkel wird nun auch vom neuen Regime verhaftet, Iron Maiden zu hören wird ein rebellischer Akt, und das Kopftuch muss immer richtig sitzen! Im weiteren Verlauf des Filmes erleben wir dann noch Marjanes Teenagerzeit in Wien bis hin zu ihrem totalen psychischen Zusammenbruch, den sie, nachdem sie für Wochen auf der Straße lebte und auch vergewaltigt wurde (sehr kurze wirklich nur angedeutete Szene, kurz, aber eindrücklich), nur knapp überlebt. Sie kehrt zurück in den Iran, und hält die Unterdrückung doch irgendwann nicht mehr aus. Die Flucht nach Paris ist dann das Happy End, das keines ist.

Ist der Film ein Antikriegsfilm? Ein atheistischer Film? Ein gezielt regimekritischer Film? Nein, das ist er alles nicht. Das ewige Credo der Oma "Bleibe integer!" könnte man gerade noch als Aufruf an den Zuschauer verstehen, aber ansonsten ist "Persepolis" einfach nur ein Film über Kindheit und Jugend in einer besonders verrückten Umgebung. Das islamische Regime muss man nicht gezielt kritisieren, es führt sich selbst am besten vor, genau wie der Krieg sich selbst entlarvt und der Film schließlich in erster Linie die unter ihm leidenden Menschen zeigt.


Dies alles vermischt der Film in wirklich grandioser Weise. Es schwebt nicht der moralische Zeigefinger über den Bildern sondern schlichtweg der Geist eines Kindes (oder des Kindes in der jungen Frau). "Punk is not ded [sic]", Nihilisten haben einen an der Waffel, Österreicher auch, Aktzeichnungen von verhüllten Frauen sind irgendwie sinnlos, und die Bee Gees sind besser als Abba, wenn auch Iron Maiden noch viel cooler ist.

Und Jasminblüten, morgens in den BH gesteckt, sorgen dafür, dass man immer gut riecht.