13 Dezember 2007 - 14:35 -- Aeryn

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Pakt der Wölfe

Es ist lange her, daß ich den Film sah, der mich damals in erster Linie wegen dem Regisseur und dem einen oder anderen Darsteller interessierte, weniger wegen der Geschichte. Denn die klang irgendwie recht x-beliebig und versprach allenfalls gutes Kino bis zu der Sekunde, in der die "Bestie" das erste Mal auftaucht. Weil alle Spannung, etc, die normal davor aufgebaut wurde, sofort verpuffen würde, wenn da ein schlechtanimierter Pixelanfall über die Leinwand gurkt. Und solches erwartete ich irgendwie fast automatisch.
Allerdings ist der Film schon von Anfang an handwerklich ganz große Klasse. Von Kamera über Schnitt bis hin zum Licht hat man keinerlei Probleme, in die etwas seltsame Zwielichtstimmung des Filmes einzutauchen.



Obwohl gleich zu Anfang eine größere Herausforderung zu bewältigen war, nämlich Mark Dacascos als Indianer, der Kung-Fu kann. Ich habe keine Ahnung von den Unterschieden in den verschiedenen Kampftechniken, demzufolge habe ich auch nicht bemerkt, daß es natürlich gar kein Kung-Fu war, wie ich dann in einem der DVD-Specials erfuhr, sondern etwas, das sie sich ausgedacht hatten. Wie auch immer, in einem französischen period drama erwartet man nicht unbedingt zu Beginn eine Kampfszene, die ohne Probleme in fernöstliche Filme reinpassen würde. Seltsamerweise funktioniert das aber einwandfrei, weil es erstens nicht übertrieben, bzw., überzogen ist (Einsatz von Stöcken, etc statt ausgefallene Flugshows) und weil es sich ziemlich elegant der filmischen Umgebung anpaßt. Auch wenn alles nach "deplaziert" schrie, es war es tatsächlich nicht.

Die Geschichte entwickelt sich danach ziemlich schnörkellos, natürlich sind die Adligen, auf deren Besitztümern die Bestie ihr Unwesen treibt, allesamt obskur, natürlich verliebt sich Grégoire de Fronsac in das einzige vernünftge Mädchen, natürlich gibt es einen furchtbar geheimen Geheimbund im Dienste der Kirche, der gegen den König arbeitet. Und natürlich kommt nach dem ersten Auftauchen der Bestie erstmal nur ein Hochziehen einer Augenbraue. Allerdings...da eh irgendwie klar war, daß es keine richtige Bestie sein kann, ist das bizarre Äußere selbiger alleine schon deswegen nicht lächerlich, weil man weiß, daß darunter etwas ganz anderes steckt. Da fand ich die Nahaufnahmen auf das Auge der Bestie ziemlich gut, weil sie direkt klargemacht haben, daß dieses abstrake Ding mit Stacheln zwar etwas Fremdes ist, aber nicht so fremd wie einem weißgemacht wird. Gut fand ich auch, daß man die Bestie nie ohne diese "Rüstung" sah, auch als man wußte, daß es eine Löwin war (was man auch schon durch die Aufnahmen aufs Auge ziemlich gut erraten kann).
Ab dem Teil, wo die Bestie angeblich erlegt war, nahm der Film dann eine Wendung weg von der bekannten Legende und das auf eine ziemlich interessante Art und Weise.Den Rahmen bildet der junge Adlige, bei dem Grégoire und Mani wohnen, der die Geschichte als alter Mann erzählt, während draußen die Revolution ihren Gang nimmt. Und die Geschichte, die er erzählt, kann halt insofern wahr sein, als daß seine Aufzeichnungen dann wohl während der Revolution verloren gingen und deswegen nur die Legende so bekannt ist, wie sie halt bekannt ist.
Bei einer Sache weiß ich dann aber immer noch nicht, ob sie mich tödlich nerven oder ich es toll finden soll, nämlich der Gebrauch der ziemlich extremen Zeitlupe grade bei Kämpfen. Diese Abfolge von normaler Geschwindigjeit, Zeitlupe, normaler Geschwindigkeit, Zeitlupe hat auf der einen Seite den Vorteil, daß man eine Bewegung genau verfolgen kann, ohne daß man dabei einschläft, daß man einerseits aus einem Kampf gerissen wird, andererseits aber sofort wieder mittendrin ist, auf der anderen Seite ist es einfach...nervig? Es kam mir vor, als hätte der Verantwortliche ein neues Spielzeug entdeckt und freie Hand bekommen, selbiges auszuprobieren. Dummerweise funktioniert es wunderbar, weswegen ich da auch etwas in der Meinungszwickmühle stecke. Tatsächlich glaube ich, daß die Szenen, in denen es verwendet wurde, ohne das nicht ganz so gut geraten wären. Es schaut trotz Nervfaktor einfach klasse aus, mal abgesehen davon, daß es sich ziemlich von der heutigen Unsitte abhebt, Actionszenen so schnell zu schneiden, daß man außer viel Bewegung und Hektik eigentlich gar nix mitbekommt. Und es ist nie so übertrieben, daß die positiven Seiten nichtig werden. Dennoch....
Alles in allem ist das einer der Filme, die es schaffen, einen wilden Genremix und sich irgendwie ziemlich widersprechender Dinge mit Hilfe sehr guter Darsteller, den richtigen Ideen und ansprechender Technik so zu verpacken, daß alles so natürlich ineinander übergeht, als hätte es immer schon genau so da hingehört. Sicherlich kein großartiger oder gar grandioser Film, aber dafür sehr unterhaltsam.