15 Dezember 2007 - 00:08 -- Ramujan

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Der goldene Kompass



Zitat:
so, da habe ich mich riesig auf einen Guten Film gefreut, dachte es wäre sowas wie Narnia oder HDR oder HP. Aber neine, ich sah einen Film mit guten Schauspielern, aber sehr schlechten und nicht unterhaltsamen Story. Das Buch habe ich diesmal nicht gelesen ( bin ich auch froh drüber ). Aber das eine Story mit Panzerbären und entführeten hässlichen Kinder fast 2 Stunden geht, ist totaler Schei... . Es wurden ständig Namen in dem Film gesagt und nie erklärt wer oder was es ist. Wieder nur ein blöder Film der mit Special Effects ohne Handlung gedreht wurde. Oder man kann auch sagen, die Handlung war zum Gähnen. Aber eins ist gut, ich habe schon schlechtere Filme gesehen. Aber wer hat das nicht ?

Das ist eine Kurzkritik im Forum von Kino.de.

Als ich gestern aus dem Kino gekommen bin, haben die Nicht-Buch-Kenner, die mit mir den Film gesehen haben, ähnliches verlauten lassen. Was mich angeht, ich hätte den Film nie verstanden, hätte ich das Buch nicht gelesen, man hat als Neueinsteiger keine Chance der Handlung zu folgen. Warum holt Mrs. Coulter Lyra aus dem College? Warum will das Magisterum die Kinder nun genau entführen? Was ist der Sinn hinter den Experimenten? Was will Lord Asriel? Was will X? Wer ist Y?

Von den ganzen Kontinuitätsfehlern mal ganz zu schweigen: Die Charaktere wissen andauernd irgendwelche Dinge, die sie gar nicht wissen dürften; sie wissen diese Dinge allein aus dem Grund, um die Handlung voranzutreiben.

Von keiner einzigen Person wird die Motivation ersichtlich, die hinter ihrem Treiben steckt. Das ist für einen Film fatal. Der Film hat kein Ziel!

Schade. Die Schauspieler machen ihren Job wirklich gut, manche Szenen kommen durchaus an die emotionale Dichte der Vorlage heran, aber - schwupps! - der Film hat keine Zeit, die Bindungen zu vertiefen, es wird zum nächsten Schauplatz, zu nächsten Szene gehetzt, ohne dass zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal auf die vorhergegangene Szene referenziert wird. Der Film hat kein Gedächtnis!

Eine emotionale Bindung mit den Zuschauern lässt sich so nicht erreichen.

Das ist ein Trend, den ich in letzter Zeit zunehmend im Kino ausmache: Dramaturgisch nähern wir uns zunehmend den Anfangsjahren der Lichtspielzeit an, als ein über die Leinwand einfahrender Zug allgemeine Begeisterung im Publikum auslöste. Allein das Spektakel zählt, Filme verlieren ihren Kontext, befreien sich von den Fesseln ihrer Handlung. Warum sollten Bilder den Ballast einer Geschichte mit sich herumschleppen, wenn das Bild als solches schon Wirkung zeigt?

Ich hätte eigentlich gedacht, dass Literaturverfilmungen eher "handlungsgetrieben" wären als andere Filme, aber auch das scheint eine Schimäre zu sein: Gerade Literaturverfilmungen tendieren dazu, durch die Handlungspunkte zu stürmen und vergessen dabei gerne, dass die Handlungsräume mit Geschichte gefüllt werden müssen. Bücher können sich hier natürlich mehr Zeit lassen, und aus ganz anderen dramaturgischen Mitteln schöpfen als Filme.

Naja, Film ist wohl leider kein genuin episches Medium, auch wenn sich mit Filmen sicherlich epische Geschichten erzählen lassen. Aber wirklich episch werden Filme nur in ganz, ganz seltenen Fällen.