09 Oktober 2008 - 00:57 -- Nichtraucher

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Der Spanische Erbfolgekrieg - Revisited

Schlacht bei Malplaquet 1709


Schlacht bei Malplaquet 1709

Ausgangslage
1699 pfeift der kinderlose spanische König Karl II auf dem letzten Loch. Wer soll ihm folgen? Eigentlich sollte man denken, das regeln die Spanier unter sich, aber so hat man im 17./18. Jahrhundert wohl nicht gedacht. Die Großmächte Europas schalten sich ein und favorisieren drei Kandiaten, die alle irgendeinen komplizierten inzestbedingten Erbanspruch erheben.

Ränkespiele
Frankreich protegiert einen Bourbonen, Österreich einen Habsburger und England einen bayrischen Prinzen, einfach nur, damit es keiner der beiden anderen wird. Im englischen Plan sollen Habsburg und Frankreich mit den außerspanischen Besitzungen Spaniens entschädigt werden. Tatsächlich schreibt der spanische König unter britischem Druck den Bayern ins Testament, leider fällt dieser darauf vor Schreck tot um. England handelt mit Frankreich einen neuen Plan aus: der Habsburger wird König in Spanien, dafür bekommt Frankreich die italienischen Besitzungen Spaniens. Österreich lehnt ab, der Kaiser will die Franzosen wohl nicht so nah vor seiner Haustür haben. Anscheinend war es klar, dass Spanien so oder so seine außerspanischen Gebiete verlieren wird, nur weil es keinen Erben hervorgebracht hat. Als Bestrafung? Eine merkwürdige Schacherpolitik.

England muss neu setzen. Da Frankreich in den Kolonien Englands großer Konkurrent ist, unterstützt England nun auch den Österreicher. Der aber ist für Frankreich nicht hinnehmbar, denn dann würde ein Habsburger in Spanien regieren, im deutschen Reich, in den spanischen Niederlanden und in den spanischen Gebieten Oberitaliens, damit wären die Bourbonen in Paris umzingelt. Der Konflikt zwischen den Habsburgern und den Bourbonen ist uralt, man gönnt sich nicht die Butter aufs Brot.

Der Krieg bricht aus
Frankreich erreicht durch massiven Druck, dass ihr Kandidat Thronfolger wird, kurz darauf stirbt der spanische König und ein Bourbone besteigt den Thron. Das deutsche Reich, England und Holland (mit England eng verbunden) ziehen in den Krieg. In Frankreich regiert Ludwig XIV., ein allgemein verhasster Kotzbrocken, dem wird nichts geschenkt. Aber Ludwig ist nicht dumm und hat sich bereits im Vorfeld durch allerlei Tricks etliche süddeutsche Kleinstaaten zu Verbündeten gemacht. Das heißt Bürgerkrieg im Reich und Entlastung der französischen Ostgrenze.

Kriegsziele
Frankreich will ein frankophiles Spanien und gerne seine Ostgrenze erweitern, auf Kosten des Reichs. Österreich will einen Bourbonen in Madrid verhindern und liebäugelt mit den spanischen Gebieten Oberitaliens. England will Frankreich in Übersee ausstechen. Die Niederlande machen alles, was Spanien schadet, aus alter Feindschaft. Die deutschen Fürsten wissen nicht, was sie wollen. Lokale Aufstände in Ungarn, Spanien und Frankreich verkomplizieren die Angelegenheit noch etwas. Japan bleibt neutral.

Der Krieg
12 Jahre wird gefochten, in allen Ecken und Ende Europas, verstärkt in Süddeutschland, Spanien, Holland, Ungarn und Italien, aber auch in den Kolonien. Der Kriegsverlauf ist vollkommen wirr.

Der Frieden
Irgendwann hat keiner mehr Geld und Nerven und man schließt Frieden.

Das Ergebnis
Die Franzosen behalten ihren Bourbonen in Spanien und brauchen sich keine Sorgen mehr um ihre Südflanke zu machen. Österreich bekommt die oberitalienischen Gebiete und denkt sich, besser Spatz auf der Hand als Taube aufm Dach. England rult die Weltmeere und ist überhaupt der große Gewinner, bekommt unter anderem Gibraltar. Holland hat sich überschuldet und verliert an Bedeutung. Die deutschen Fürsten versöhnen sich wieder, wissen aber immer noch nicht, was sie eigentlich wollten. Die Aufständischen landen allesamt am Galgen.

In den nächsten Jahren gibt es noch mehrere Folgekriege, da der spanische Erbfolgekrieg im Großen und Ganzen als Pattsituation endete und das bringt ja keinen weiter.

Fazit
Im Ergebnis bekam Österreich Oberitalien und Frankreich den spanischen Thron, also genau umgekehrt, wie es der zweite britische Vorschlag vorsah. Ob es sich dafür gelohnt hat? Hätte man wohl auch am runden Tisch regeln können.

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Schauen Sie wieder rein, wenn es heißt: "Noch ist Polen nicht verloren - die Nordischen Kriege" smilie