02 Januar 2009 - 14:18 -- Nichtraucher

Indiana Jones and the Temple of Doom

Fake-Szenenbild


Indiana Jones (links) and the Temple of Doom (rechts)



Ich hab kürzlich festgestellt, dass ich noch nie Indiana Jones II gesehen habe und hab gestern diese Bildungslücke geschlossen. Das ist aber gar aber kein Film, sondern ein Jump-and-run-Spiel. Alle Szenen, in denen eine Handlung entworfen wird oder Charaktere entwickelt oder sich einfach mal zwei Leute unterhalten, ohne gleichzeitig um ihr Leben zu rennen, dürften zusammen knapp 10 Minuten ausmachen. Der Rest ist von einer Lebensgefahr in die nächste geraten und alles irgendwie überleben. Es gibt nicht einmal einen richtige Aufgabe, die zu erfüllen wäre, man stolpert halt so rein ins Abenteuer, mit dem Propellerflugzeug von Shanghai nach Indien, reife Leistung, aber auch eine sehr indianajonige Geographieauffassung, das passt schon.

Absprung in einem Schlauchboot. Warum in einem Schlauchboot, fragt man sich, das hat doch sicher einen Grund, aha, es funktioniert auch als Schlitten! Und als Schlauchboot natürlich, wollen wir das nicht vergessen. Ich habe vermisst, dass sie es nicht auch noch als Taucherglocke benutzt haben. Völlig behämmert, aber sowas erwartet man. Ich stell mir eh vor, dass die Indy-Filme die Geschichten verfilmen, die sich zehnjährige Jungs gegenseitig im Baumhaus erzählen: "Und dann kommen sie mit dem Boot in so Stromschnellen und überleben die nur gaanz knapp und dann.." - ".. Dann sind sie in Indien!" - "Genau, dann sind sie, moment, in Indien??" - "Ja, und da ist so ein verrückter Priester, der sie im Urwald findet und..." - "...aber Indiana kann seine Sprache und der Priester nimmt sie mit in sein Dorf.." - "..auf Elefanten!"

Also der Anfang ist klasse, aber im Palast der Winde wird dann alles sehr schmodrig und eklig und überhaupt dürfte das der düsterste aller Indy-Filme sein, da bekommt man für Stunden kein Tageslicht mehr zu sehen und die Stimmung ist ziemlich sick. Viel Fäulnis und ekliges Gewürm, für meinen Geschmack zuviel, aber wenn man schon mal in Indien ist. Indien! So ein verrücktes Land! Alles, was irgendwie exotisch ist, ist dort Zuhause, irre Eingeborene, Mistviecher, Dämonen, Menschenopfer, Magma-Seen und die Verliese von Isengard. Der zweite Teil des "Films" ist dann eine Achterbahnfahrt, die mich immer wieder sehr an die Augsburger Puppenkiste-Verfilmung von Jim Knopf erinnert hat: die Loren rumpeln genauso süß und in grotesk überhöhter Geschwindigkeit durch die Pappkulissen wie Emma auf der Flucht vor Frau Malzahn. Welche übrigens Kinder in einer Höhle gefangen hielt, die dann von tapferen Eindringlingen, einem wackeren Lokomotivärcheologen und seinem kindlichen Begleiter, befreit wurden, wenn ihr euch noch an das Buch erinnert. Gewagte Plot-Adaption smilie

Also, alles in allem, eher ein Themenparkabenteuer als ein Film. Teil I und III fand ich besser, ok, über Teil I kann ich wohl nicht objektiv urteilen, aber in Teil III reißt sich der Film doch sehr zusammen und bringt ne Menge Charakterzeichnung in Form von young Indy und dem sehr lustigen Vater-Sohn-Verhältnis, bevor er dann doch noch abdreht und den Heiligen Gral wegbechert, und natürlich sind Nazis einfach die cooleren Bösewichter, das haben dann Lucas(sic!)/Spielberg wohl auch eingesehen.

So, nun zu Teil IV. Vielleicht heute abend?