07 Februar 2009 - 08:00 -- Tyler

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Star Trek

Teaser-Plakat von Star Trek XI



Ich gehe Milch kaufen und stehe an der Kasse und dann passiert es. Ich muss daran denken. Was sie gesagt hat. Oder ich sitze morgens verschlafen im Bus und meine Gedanken wandern… wie konnte sie nur! Und ich werde so wütend. Immer wieder rollen die Sätze durch meinen Kopf; jedes einzelne Wort rufe ich mir murmelnd in Erinnerung, so wie man auch eine offene Wunde im Mund immer prüfend mit der Zunge betastet. Ich kann nicht länger schweigen…

Die Originalfilme sind ja auch total bananig. Am liebsten mag ich noch den Teil, in dem sie in einem hippiesken San Francisco der 70er landen, von Hare Krishna-Tanzteufeln heimgesucht werden und die Wale retten. Sowas stell ich mir hier auch vor.


…das ist das n00bigste was ich je gelesen habe!!!1einself smilie

George Lucas "Krieg der Sterne" ist bloß ein Märchen. Eine Space Opera. Ob man Rebell ist oder Vader cool findet wurde inzwischen zur reinen Attitüde.

Gene Roddenberry wollte das nie. Star Trek ist Science Fiction. Oder sollte es zumindest sein. Das (positive) Weiterdenken des menschlichen Werdegangs in die Zukunft. Eine Utopie wie Technik und Gesellschaft in hunderten Jahren aussehen könnten. Die theatralische Überprüfung moralischer Fragen. Das Bestehen der Menschheit in der final frontier.

Das Raumschiff Enterprise vier Jahre vor 2001 erschien ist eine große Tragik. Erst Kubricks kühne Optik zeigte, dass Science Fiction nicht kitschig sein muss oder auf Action getrimmt. Dementsprechend waren die Star Trek Kinofilme dann auch ganz anders als die billig-bunte 60er Jahre Serie. Der erste Film wurde dann so unkomisch ernsthaft wie er nur sein konnte (und wird meiner Meinung nach unterschätzt).

Und die Selbstironie von Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, wie Kirk und Spock durch San Francisco stolpern, funktioniert eben nur mit diesem ernsten Hintergrund. (Mit "ernst" meine ich hier, dass die Macher versuchen ihr Story-Universum glaubwürdig zu machen.) Und, dass sie die Wale retten klingt albern, Star Trek war aber immer am Zeitgeist und auch wenn ich Zeitreisen nicht mag ist die Idee brilliant. Beim dramaturgischen Höhepunkt zerstört dieses irrwitzig tonnenförmige Alienraumschiff gerade halb die Erde und, endlich, kommuniziert schließlich durch jaulenden Gesang mit den Buckelwalen, während Kirk und der Zuschauer nichts verstehen, außer einem größeren Gefühl des Sense of Wonder.

Das Kino ist aber eigentlich nicht das richtige Medium (Kritikpunkt #1 gegen den neuen Star Trek XI Film), sondern das Serienformat. Und den Neustart mit radikal anderem Design, aber den gleichen guten Grundsätzen und humanistischem Ideal, das machte Roddenberry mit The Next Generation.

YouTube: Star Trek beginnt bei der Erde und richtet den Blick zu den Sternen

Wenn ich jetzt diese absurd poppigen Bilder des Remakes sehe, dann befürchte ich, die Produzenten sitzen einem Cargo-Kult auf. Star Trek (Classic) ist nicht kultig, weil die Uniformen so aussehen wie sie aussehen und es blinkende Elektronik gibt und sich Leute beamen, sondern weil interessante Geschichten erzählt wurden. Und versucht wurde die Star Trek Welt (der Zeit entsprechend) in sich schlüssig zu machen.

Das Scheitern von (teilweise DS9), Voyager und Enterprise (von dem ich mir eigentlich kein Urteil erlauben darf, weil ich nur wenige Folgen kenne), war dann, dass sie davon abkamen. Das Star Trek Universum wurde zu selbstreferentiell, zu inzestmäßig, abgehoben, vorhersehbar langweilig und verstrickte sich in die eigenen Widersprüchlichkeiten. Dass die Außerirdischen wie weiße Schauspieler aus Kalifornien aussehen war eine dem Geldmangel geschuldete Not von TOS/TNG, keine Tugend. Zeitreisen sind eine verblüffende Gedankenspielerei bei extremen physikalischen Phänomenen (Wurmlöcher) und sollten kein Plotelement in jeder zweiten Episode sein. Holodeck und Replikator und erfundene Teilchen XYZ scheinen eine nette Idee, wirken aber als Standardtechnologie zur Entfremdung bei.

Die Reaktion auf die Beliebigkeit von Voyager führte dann ja auch zum neuimaginierten Kampfstern Galactica.

Our goal is nothing less than the reinvention of the science fiction television series. We take as a given the idea that the traditional space opera, with its stock characters, techno-double-talk, bumpy-headed aliens, thespian histrionics, and empty heroics has run its course and a new approach is required. That approach is to introduce realism into what has heretofore been an aggressively unrealistic genre.

Story. We will eschew the usual stories about parallel universes, time-travel, mind-control, evil twins, God-like powers and all the other clichés of the genre. Our show is first and foremost a drama. It is about people. Real people that the audience can identify with and become engaged in. It is not a show about hardware or bizarre alien cultures. It is a show about us. It is an allegory for our own society, our own people and it should be immediately recognizable to any member of the audience.


Die traditionelle Science Fiction ist ja in einer Krise. Jedes Handy ist besser als ein Communicator, mein iPhone soviel erstaunlicher als ein Tricorder, wir lesen jeden Tag in der Zeitung über Klonen, Gentechnik, riesige Teilchenbeschleuniger, unglaublich leistungsstarke Computerchips und wir haben das fucking Internet. Es ist schwierig geworden, unsere Welt 300 Jahre in der Zukunft vorherzusagen.

Trotzdem halte ich die Idee von Star Trek nicht für überholt. Eine Mannschaft mit ihrem Schiff auf Abenteuerreise, das ist ein grandioser Topos der zutiefst in unserer westlichen Kultur verankert ist. Odysseus und so. Die Argonauten. Das Zeitalter der Entdecker wie Magelan und James Cook. Und während Galactica sehr mit sich beschäftigt ist, bleibt Raum für eine andere Erzählweise, für eine Show über "Hardware und bizarre Alienkulturen".

@Hardware
Star Trek war ein Traum für Nerds und kleine Jungs. Die Sprengkraft eines Photonentorpedos kann man exakt berechnen (64 Megatonnen). Die erfundene Physik hatte ansatzweise Sinn. Der Untergang kam meiner Meinung dann, als man den "Technobabble" schmähte, weil man ihn als Hürde zum Mainstream-Publikum sah. Dabei ist Technik nicht an sich schlecht, im Gegenteil, es macht Star Trek aus. Man hat die Science nur völlig vermurkst und unrealistisch und beliebig gemacht. Wenn ich Star Trek neu starten würde, würde ich all den Schrott außer Warpantrieb rausschmeißen und wieder bei null anfangen. Wurmlöcher entdecken. Das schräge Konzept von Antimaterie. Relativität, verrückte Quantenwelt. Energiewaffen und Photonentorpedos und das Räsonieren mit/gegen künstliche Intelligenzen.

@Bizarre Alienkulturen
Star Wars macht hier eine sehr viel bessere Figur. Der Anfang vom zweiten Star Wars Films, wenn dieser fette Wurm von Jabba the Hut untertitelt werden muss, das ist ein magischer Moment der einen in eine fremdes Universum entführt. Die Cpt.Kirk-Serie hat etwas ähnliches versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Blauangemalte Aliens mit Fühler auf dem Kopf und Superfortschrittliche Energiewesen. In der ersten Staffel von TNG hat man sich dann immerhin noch etwas Mühe mit der Maske gegeben, so gab es eine fleischfressende Alienrasse mit fies spitzen Zähnen und Fratze. Später gab man es bis auf die obligatorischen Nasenhöcker auf, Aliens waren dann auch nur Menschen. Wenn der Star Trek Neustart es richtig machen würde, wenn sie mutig wären, dann gäbe es keine einzigen humanoiden Aliens. Vulkanier wären keine Elben mit Topfhaarschnitt, sondern Reptilien mit kaltblütig logischen Verstand. In meinem idealen Star Trek Universum wäre die Welt so leer wie in Galactica. Die Erde ein einzigartiges Juwel, schon das Untersuchen eines wüsten Planeten mit Kristallpflanzen ein Abenteuer, der Kontakt mit Tintenfisch-Außerirdischen, die nicht unser Konzept von Sprache teilen, etwas Außergewöhnliches.

Und von der Basis aus kann man wieder den ganzen soapigen Schmurks aufbauen wie die Sternenflotte und Allianzen mit Rasse A (Europa) gegen die Todfeinde von Imperium X (fiese Russen). Und natürlich Kabbeleien/Charakterentwicklungen in der Crew. Aber die richtige Basis braucht man eben.