18 März 2009 - 14:18 -- Zarathustra

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Regional einkaufen - Deutschtümelei oder ernst zu nehmende Ernährungsphilosophie?

Gemischte Früchte - nicht nur der Saison



Wenn man in den reichen Industrienationen lebt, dann kann man eigentlich alles essen, worauf man Lust hat. Jederzeit. In den merkwürdigsten Kombinationen: Spargel mit Grünkohl und daneben Goldmakrelen mit Hagebuttenjuice. Alles im August, versteht sich. Dafür in Kauf genommen werden Umweltverschmutzung (durch lange Lieferwege, lange Kühlzeiten etc), Überfischung und die Vertreibung weniger großindustriefreundlicher Nutztierarten. Es gibt Produkte, die gesund sind und die eine gesunde Ernährung ermöglichen, die sich in unseren Breiten nicht anbauen lassen. Die zu importieren ist sicher nicht nur schlecht, und wenn man denn Zitrusfrüchte importiert kann man auch im deutschen Winter Obst genießen. Es leuchtet mir aber überhaupt nicht ein, warum man im Dezember Treibhauserdbeeren essen muss, die weniger gut schmecken, sehr teuer sind und eine Klimabilanz mit sich tragen, die zum Himmel schreit.

Das ist Zeichen einer Mentalitätsentwicklung, die man als zumindest fragwürdig einstufen sollte. Die Mentalität, alles immer sofort zu haben. Wird Vorfreude mal als ausgestorbenes Wort irgendwelche linguistischen Kuriositätenkabinette zieren?

Wieso kann man ein Jahr nicht auch kulinarisch an sich vorbei ziehen lassen? Orangen sind bei mir ein Winterobst, im Sommer kann ich die nicht mal sehen. Dafür gibt es da Kirschen. Spargel gibt es im Frühjahr und Aprikosen im Herbst. Sowas ist schön, darauf kann man sich auch freuen. Aber wenn man alles immer zur Verfügung hat, verliert man natürlich das Verständnis für den natürlichen Jahresverlauf, dann wird nach Nutzflächen gesucht, um Spargel in Indochina zu züchten, und nimmt dafür in Kauf, dass dort heimische Nutzpflanzen, die weniger erträglich sind, von der Landkarte verschwinden. Das gleiche gilt für den Nutztierbereich. Verschiedene Entenrassen sind vom Aussterben bedroht, weil sie sich industriell nicht so gut nutzen lassen, sprich sich dem gefräßigen Riesen der schneller-besser-sofort-lieferbar-Gesellschaft, nicht so anpassungsfähig (mastfähig) gezeigt haben.

Man muss das nicht zu streng sehen, und jedes mal den Zeigefinger heben, sobald jemand Spargel, um beim Beispiel zu bleiben, außerhalb der Saison isst, aber man sollte sich vielleicht ein Bild davon machen, dass man mit seinem Konsumverhalten die Nahrungsmittelindustrie der Zukunft mit beeinflusst.