09 Mai 2009 - 12:18 -- Tyler, Durden

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STAR TREK

Strichzeichnung des Raumschiffs Enterprise



Sieht das aus wie Raumschiff Enterprise?

Der Film wird so floppen.


Selten lag ich so falsch, denn der Film wird ein Kassenknüller! Vielleicht gar der Sommer-Blockbuster schlechthin. Popcornkino, welches keine Minute langweilt.

Leider, leider, ist es nur Popcornkino.

Der Film macht einiges richtig, aber das liegt letztlich daran, dass hier richtig Geld in die Hand genommen wurde. Selbst schlechte Drehbücher und Plotlines können daduch gerettet werden. Ausstattung, Effekte, Pacing, das ist gut und solides Handwerk. Aber keine Kunst.

Der Film macht unglaublich viel falsch! Ich will hier nicht spoilern, aber die Logiklöcher sind, und die Storyline erst… die Dialoge … oh Gott, ich vermisse BSG so! Beispiel: Die Erde steht kurz vor der Vernichtung und Kirk und Spock beamen sich aufs gegnerische Schiff um dort mit ihren Handfeuerphasern etwas aufzuräumen. Der skeptische Zuschauer mit einem Quentchen Intellekt fragt sich beim Luftholen während einer kurzen Actionpause dann "Moment, zwei Leute gegen ein ganzes Schiff sind gut, aber wären vier Leute beim Kapern nicht 100% besser? Oder sechs? Immerhin geht es um die Erde, wie wärs wenn wir jeden der einen verdammten Phaser tragen kann, hinüberbeamen? Wenn wir dabei sind: Wieso beamen wir keinen Protonentorpedo?"

Die völlige Missachtung von Logik zieht sich durch den ganzen Film. Da wird Kirk von einem Monster angegriffen, nur um den Gag zu bringen, dass das Monster von einem noch viel größeren Monster erlegt wird. Das Supermonster frißt dann aber nicht das große Monster #1, nein, es jagt dem kleinen Menschen hinterher. Da sind ganze Zivilisationen hilflos einem einzigen Raumschiff ausgeliefert. Da wird ein rebellischer Kirk nicht etwa unter Arrest gestellt oder in die Brig gesteckt, nein, er wird auf einen Eisplaneten geschossen, wo sich in bequemer Laufdistanz nicht nur ein Außenposten mit Scotty befindet, sondern man auch zufällig über Spock stolpert (den echten). Spock enthebt sich selbst des Kommandos nur weil in einem Rededuell ihm mit "deine Mudder!" geantwortet wird. Der Bösewicht agiert völlig sinnfrei mit sinnlosen Aktionen. Legitimiert wird das mit oberflächlichen Behauptungen über "Rache", aber wenn er mal 2 Minuten in seinem 25 jährigen Racheplan über sein Tun nachgedacht hätte… wäre er nie zu seinem Racheplan gekommen? Irre auch, dass seine Crew 25 Jahre lang mit ihm im All ausharrt. Nur ganz kurz wird auf die Ziele des Bösen eingegangen, er kommt aus der Zukunft und will den Planeten Romulus für alle Zeiten von der Föderation befreien, aber wie wärs, anstatt 25 Jahre lang im All auf den richtigen Moment zum Angriff zu warten, damit gewesen, gleich zum Heimatplaneten zu fliegen, sich als Helden feiern zu lassen, und dem romulanischen Imperium mit überlegener Zukunftstechnologie I + II den Sieg zu bescheren? Boah, ich darf gar nicht so weiterdenken, das ist ein Fass ohne Boden. So infiziert McCoy seinen Kumpel Kirk mit einer Alienkrankheit, damit der schnell in einer Alarmsituation der Flotte (weil man ja auch immer gerne Kranke mitnimmt, wenn man in den Krieg zieht!) als blinder Passagier auf die Enterprise darf, was also sowieso schon totaler Hirnriss ist, aber dann infiziert er ihn auch noch in echt. Anstatt ihm zu sagen, er soll die Krankheit simulieren. Im Grunde müssen sie nur an einen Flugschein-Kontrolleur vorbei, aber durch die ganze Alienkrankheitsache können sie ein paar Gags einbauen, supi.

Tatsächlich ist der Sieg der Unlogik ein Leitmotiv des Plots und wird auch als der zentrale Charakterkonflikt zwischen Kirk und Spock herausgearbeitet. "Es gibt keine ausweglosen Situationen" ist die Devise von Kirk, und man wundert sich, dass er sich nicht schon als Kind ins Jenseits befördert hat. Er stolpert praktisch die ganze Zeit mit unwahrscheinlichem Glück anstatt Verstand durchs Universum. Während der vernünftige Streber Spock nur Pech hat und sogar die Message vermittelt wird, die zweite Reihe sei seine schicksalhafte Bestimmung. Sicher so ein amerikanisches Ding, aber ich hoffe Star Trek 11 ist nicht (wie schon behauptet wurde) "the first film of the Obama Age", sondern der letzte Film der Ära Bush.

Die Beziehung zwischen Spock und Kirk ist dann auch nur eine behauptete. Die Chemie stimmte in der alten TV-Serie und den früheren Kinofilmen, sprich dem alten Star Trek Universum, also müssen sie auch in der neuen Parallelwelt Freunde werden. Und McCoy darf ein paar Sprüche machen, weil er das schon immer so machte. Charakterentwicklungen und Verhaltensweisen werden einfach postuliert, sie werden in den Dialogen laut ausgesprochen, sie werden dem Zuschauer nicht auf einem Silbertablett serviert, nein, es wird ihm ins Gesicht geworfen. Der Rest der Crew auch. Da springt kein Funke über. Anderes Beispiel: Kirk wird als Womanizer eingeführt, er räkelt sich mit einer grünen Alienlady im Bett und dreht sich wortwörtlich nach jedem Rock um. Es wird aber nie gezeigt wie er eine Frau verführt. Es ist von Anfang klar, dass er Captain sein wird, es wird aber nie gezeigt, was ihn zum Anführer befähigt. Stattdessen wird ständig zu den außergewöhnlichen Umständen seiner Geburt Bezug genommen, das ist so wie Harry Potter, der auch immer als größter Zauberer verschrien ist, nur weil er ne blöde Narbe auf der Stirn hat.

Und dann die Story. Mantel des Schweigens. Überrascht hat, oder sagen wir besser enttäuscht und kalt erwischt hat mich die Zeitreise-Erklärung in der Mitte des Films. Der ganze Hirnfick nur um Leonard Cohen den echten Spock in den Film einzubauen? Wieso haben sie nicht einfach ohne Erklärung die Franchise neu gebootet? Es bringt dem Film absolut _nichts_, und daran kann man nochmal beispielhaft sehen wie schlecht er konstruiert ist, weil die Zeitreise-Erklärung nicht nur doof ist, sondern auch erst so spät im Film kommt, als das neue Universum schon etabliert und vom Zuschauer als Star Trek angenommen wurde. Und überhaupt diese bescheuerten Zeitreisen! Wenigstens das gibts nicht bei Star Wars.

Fazit: Unterhaltsam, schnell, bunt. Star Trek 11 wurde auf Krieg der Sterne getrimmt, um actionreichere Märchen zu erzählen. Wären die jetzt nur noch interessant… *Seufz* Anders als BSG popkulturell keine Gefahr zum alten Trek.