31 Oktober 2005 - 09:36 -- Parasite

Wonderland


Der Regisseur bediente sich meisterhaft moderner Schnitt- und comicartiger Collagetechnik, die die Ereignisse zwar verkürzen und zusammendampfen (wie man es etwa aus „Blow“ oder „Snatch“ gewohnt ist), es somit aber auch ermöglichen deren Komplexität durch Gegenüberstellung von subjektiven Ansichten einleuchtend zu veranschaulichen. Der Film nimmt seine Charaktere ernst. Auch wenn eine wirkliche Identifikationsfigur letztendlich fehlt, behält man die Übersicht und bleibt mit Spannung dabei.

Die Besetzung ist durchweg hochwertig. Eine Glanzleistung von Val Kilmer. Weiterhin kann ich mich noch an Lisa Kudrow (Phoebe Buffay aus "Friends")) erinnern, mal in einer ernsten Rolle. Ausserdem war für mich das erste Mal Carrie Fisher in einem Film, der nicht Star Wars heisst, zu sehen. (weiterlesen)

30 Oktober 2005 - 12:44 -- Nichtraucher

,

Meereswahnsinn Revolution

ekelhaft


Bastet blickte erwartungsvoll auf dem Tisch umher. Das feinste Silber des Imperators war gedeckt, auf einer Tischdecke aus schneeweißer arkturanischer Megaseide, das stimmungsvolle Licht der Ewokfettkerzen brach sich im funkelnden Kristallglas aus Esgaroth. Alles war perfekt.

"Er chrr wird nicht chrr kommen." Der junge Skywalker war schlecht zu verstehen, er trug die Maske seines Vaters, vorsichtshalber, wie es ihm Bastet geraten hatte.

"Er wird kommen." Bastet lehnte sich zurück und wies den goldglänzenden Service-Droiden an, den Fischgang zu servieren. Die Zeit war reif und der Fisch war es auch. Es gab Surströmming, eine altägptische Delikatesse aus vergorenem Raumfisch, der 14 000 Jahre in Nilschlamm eingegraben wurde und dann noch 7 Monate in goldgelbem Kamelurin reifte, bis er die unverwechselbare graugrüne Färbung angenommen hatte und den noch viel unverwechselbareren vollreifen Gestank. Surströmming gilt als die stinkendste Substanz im Universum und fällt in über 400 Sonnensystemen unter das Verbot biologischer Kriegsführung. (weiterlesen)

29 Oktober 2005 - 12:46 -- Thanil

A History of Violence

David Cronenberg ist nicht dafür bekannt, leicht verdaubare Filme zu machen. Diesem Image wird er in seinem neuesten Werk gerecht, ohne dabei jedoch allzu deutlich an die Surrealität früherer Werke wie eXistenZ anzuknüpfen.

A History of Violence ist die Geschichte des kleinstädtischen Restaurantbesitzers Tom Stall, seiner Ehefrau Edie, seines jugendlichen Sohnes Jack und seiner kleinen Tochter Sarah. Ihre liebliche Alltagsidylle wird eines Tages gestört, als zwei Räuber Toms Restaurant überfallen und Tom dabei ungeahnte kämpferische Fähigkeiten und Killerinstinkt beweist, indem er in dieser brenzligen Situation beide Räuber kaltblütig ausschaltet und einen mit einem gezielten Kopfschuß tötet. Daraufhin wird Tom für kurze Zeit zum Medienheld und Idol seiner Stadt, die ihn als "American Hero" feiert. Doch die ungeliebte Popularität hat zur Folge, dass kurze Zeit später drei Mafiosi in der Stadt auftauchen und Tom für den untergetauchten Mafiaboss Joey Cusack halten. Sie wollen ihn zu seinem Bruder Richie nach Philadelphia bringen, wo es noch alte Rechnungen zu begleichen gibt. Doch Tom leugnet mit diesem Joey identisch zu sein. So kommt es zum gewaltvollen Showdown mit dem von Ed Harris gespielten Mafiosi und seinen Leibwächtern. Als später jedoch Richie Cusack anruft und Tom androht selbst vorbei zu kommen, stellt sich Tom seiner Vergangenheit, vermutlich um die Leben seiner Familie zu schützen und sie aus der Sache herauszuhalten.

Cronenberg portraitiert eine Gesellschaft, in der Gewalt als Universalwährung gilt. Dies wird bereits in der ersten Sequenz deutlich, in der zwei Männer aus einem Motel "auschecken" und mit Blei aus ihren Revolvern statt Geld aus ihren Brieftaschen bezahlen. Später wird dieses Motiv in verschiedenen anderen Situationen aufgegriffen und verbreitert. Beispielsweise gelingt es dem Sohn der Hauptfigur Tom Stall nur durch einen Gewaltausbruch den Belästigungen und Nachstellungen eines anderen Schülers zu entrinnen. Besonders tragisch ist hierbei die Tatsache, dass Jack eigentlich ein junger Mann ist, der seinen grobschlächtigen Widersacher an Witz, Charme und Intelligenz weit übertrifft. (weiterlesen)

28 Oktober 2005 - 09:14 -- Tyler, Dies, und, Das

Kampagnen-Huren

Der Beitrag kommt vier Wochen zu spät und eigentlich braucht man gar nichts darüber schreiben, denn es wurde schon alles (wirklich Alles!) gesagt:

278 Blogs linken zur Homepage von "Du bist Deutschland".

Aber erstens laufen die Werbespots noch quälende drei Monate und zweitens gab es Streit mit meiner Freundin, als ich ihr die Flickr-Gegenkampagne vorstellte:

iChat



Johnny Haeusler, der angespuckte Hurensohn... *fg* (weiterlesen)

24 Oktober 2005 - 21:47 -- Nichtraucher

,

Meereswahnsinn reloaded

Bild



"Und? Wie ist die Sonnenbrille?" Charlotte gab sich wirklich Mühe, das konnte ihr niemand absprechen. Verdammt aber auch. Die Sonne schien, der Atlantik rauschte, Möwen kreischten, alles könnte so schön sein, aber Yvan zog ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Nichtmal die original supernova-taugliche ultra-freshe Space-Sonnenbrille von Palpatine, die sie ihm aus Berlin hatte mitgehen lassen, konnte ihn aufheitern. (weiterlesen)

18 Oktober 2005 - 23:26 -- Ramujan

,

Darren Aronofsky - Requiem for a Dream


Heute: Darren Aronofsky

Dem Mainstream-Publikum ist Darren Aronofsky bisher kaum bekannt, und es ist fraglich, ob er je einer der großen Blockbuster-Macher wird; bei Kennern gilt er bereits als neuer Kubrick, aber auch das ist fraglich, die Stile unterscheiden sich einfach zu stark: Wo Kubrick eher der nüchterne, kühle, perfektionistische Analytiker ist, da zielt Aronofsky darauf ab, den Zuschauer zu treffen, durchs Hirn, in die Magengrube, in die Seele, in das Herz. Seine zweite Regiearbeit "Requiem for a Dream" aus dem Jahre 2000 und mit einem Budget von 4,5 Millionen Dollar schon etwas teurer, aber immer noch klar in der Independent-Ecke anzusiedeln.

Requiem for a Dream ist ein Drogenfilm und Drogenfilme gibt es derer nun wirklich viele - manche mit einem stark erhobenen Zeigefinger und brav moralisierend, andere bieten selber einen Rausch. (weiterlesen)

06 Oktober 2005 - 12:59 -- Nichtraucher

,

Wissenswertes über "Das Boot"


Das Boot sollte eigentlich ein Hollywoodfilm werden, Bavaria, die die Filmrechte hielten, trauten sich eine Produktion dieser Größenordnung nicht zu und hatten sich in Columbia Pictures einen finanzstarken Partner gesucht. John Sturges (Gesprengte Ketten, Eisstation Zebra und viele mehr) reiste mit einer Crew an, aber bekam sich mit Lothar Günter-Buchheim, dem Buchautor, derart in die Wolle, dass er nach fast einem Jahr Vorbereitungen das Projekt hinwarf. Robert Redford hätte dabei übrigens den Kaleun gespielt. Schwer vorstellbar. Buchheim muss ein unausstehlicher Menschenfeind sein, auch Petersen lässt im Audiokommentar durchblicken, dass er es mit ihm nicht leicht hatte, aber in diesem Fall muss man ihm wohl dankbar sein.

Eine Weile ruhte das Projekt, dann kam eine zweite US-Crew unter einem ebenfalls bekannten Regisseur, aber ich komm grad nicht auf den Namen. Diesmal sollte Paul Newman den Kaleun spielen, das wird ja immer besser. Dieser Anlauf versandete, weil Columbia das Budget zusammengestrichen hatte und schließlich fragte Bavaria Wolfgang Petersen, ob er nicht Interesse hätte. Es sollte nun eine rein deutsche Produktion werden, auf deutsch und nur mit deutschen Schauspielern. Durch die Idee mit der TV-Langversion als Zweitverwertung kam das nötige Geld zusammen und man legte los, mit nichts als der Vision, den größten, realistischsten und besten U-Boot-Film aller Zeiten zu drehen. (weiterlesen)