30 November 2007 - 11:21 -- Ramujan

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Die Nitrite haben gegiggelt


Ich habe abgelaufene Milch getrunken. Ich habe Tollkirschen gegessen. Ich habe Großmüttern die Rosen geschändet. Ich bin bei Rot über die Straße spaziert – ohne zu gucken. Ich habe meinem Chef eine Kündigung geschrieben.

Während Kyrill um mich stürmte, bin auf Tannen geklettert und habe gegen den Wind gespuckt.

Ich habe Haie geküsst, Löwen verlacht und Giftschlangen getreten - und als sich die ganze Kraft der zischelnden Wurmbrutwut zu mir hochgeschlängelt hat, da habe ich sie gebissen.

Ich habe Babys aus sizilianischen Krankenhäusern gestohlen.

Ich habe in Japan Fugu-Kugelfisch-Surimi verschlungen, in Eile zubereitet von demenzkranken, parkinson-zittrigen Ex-Sumo-Ringern.

Ich habe in Südafrika die Apartheid gefordert, und in einem Magdeburger Prekariatsghetto habe ich, verkleidet als schwuler Türke tiefschwarzer Hautfarbe, Hitlers Todestag zelebrierend auf eine Hakenkreuzflagge geschissen.

Ich habe Schach gegen Kasparow gespielt und geschummelt.

Ich habe auf Autobahnen gezeltet.

Aber jetzt endlich, nach Jahren der Langeweile und der in stumpfsinniger Ödnis verbrachten Lethargie, habe ich eine Gefahr gefunden, die mich herausfordert, die mir tief in die Augen schaut und die sagt: WAGE ES NICHT!!

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29 November 2007 - 19:10 -- Waldelb

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Wicked Game


Eine befreundete Kommilitonin hat Liebeskummer. Sie kam 2 Tage in der letzten Woche nicht zur Uni, wodurch wir erfuhren, dass es "Probleme" mit ihrem Freund gab. Als sie dann wieder da war saß ich in den Vorlesungen neben ihr. Auch wenn es mir jetzt selbst ein wenig wie "Katastrophentourismus" vorkommt, ich habe sie beobachtet. Allein das hat mir gereicht um dieses leicht schmerzhafte Zusammenziehen des Magens zu bekommen: Blass, Augenringe und überkonzentriert auf den Dozenten. Überall um sie herum hat man das Gefühl von Sinnlosigkeit gespürt, dass mit "Aufpassen lenkt mich ab" versucht wurde zu überdecken - erfolglos, die glasigen Augen waren nicht der einzige Indikator. Diese Sinnlosigkeit ist in meiner Erfahrung das gemeinste Gefühl beim Liebeskummer. Man hat keine Lust auf essen, einschlafen, aufwachen. Man sieht keinen Grund darin für die Uni zu lernen, sich mit Freunden zu treffen oder einkaufen zu gehen. Jede unbeschäftigte Minute ist eine Qual, aber auch wenn man beschäftigt ist, denkt man doch nur an den Ex-Partner.

Ich bin zur Zeit sehr glücklich. Allein, ohne festen Partner. Ohne Liebeskummer. Manchmal, ohne zynisch wirken zu wollen, frage ich mich, ob sich verlieben und vor allem Lieben überhaupt lohnt. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Menschen durchschnittlich 13 Monate unter Liebeskummer leiden. Bevor man sich also ernsthaft verliebt… (weiterlesen)

23 November 2007 - 12:41 -- Ramujan

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Karriere

Ich hatte mal einen Rapper in der Klasse, der lange Zeit bei Abschlußbällen von Tanzkursen, Dorffesten und all jenen Veranstaltungen aufgetreten ist, die Musiker, die was auf sich halten und sich nicht von Dieter Bohlen casten lassen wollen, einfach mal absolviert haben müssen.

Und dann plötzlich, eines Tages, hat sich Heino bei ihm (oder seiner Agentur) gemeldet. Heino. Blondschopf-Heino, Sonnenbrillen-Heino. Blau, blau, blau blüht der Enzian, jaja, die Katja-Heino. Ein Heino, der sein Schlagerstar-Image satt hatte und bei den Jugendlichen ankommen wollte. Und dafür hat er Andrew, den Rapper aus meiner Klasse, gebraucht.

Zusammen haben sie das Lied Dicke Dinger aufgenommen, Heino ein bisschen Gesang, Andrew den Rap-Part, und schon war ein hochpeinliches Machwerk der Neunziger fertig, das gegen all die anderen hochpeinlichen Machwerke der Neunziger anstinken musste - und dabei untergegangen ist.

Aber das war schon witzig: Am Wochenende musste er durch die deutsche Fernsehshow-Landschaft tingeln, am Montag saß er dann wieder im Kreis der Klasse, gegen Grammatik und Mathe-Aufgaben ankämpfend.

Beim ZDF-Fernsehgarten neben Wolfgang Lippert, da haben wir ihn noch ausgelacht, aber während der After-Show-Party von RTL-Samstag-Nacht hat er ein Gemeinschaftsautogramm von Olli Dittrich und Wigald Boning abgestaubt, mit Widmung für unseren Deutschlehrer, der damals leidenschaftlicher Fan der Comedy-Truppe war. Hat natürlich Pluspunkte eingebracht, ganz klar. Der Schleimer.

Bei Gottschalks Hausparty war er auch - kennt das noch jemand?; einer von Gottschalks zahl- wie erfolglosen Versuchen beim Privatfernsehen Fuß zu fassen. Folgende Choreographie: Gottschalk interviewt Heino, Andrew sitzt im Publikum, neben ein paar hübschen, kamerakompatiblen Frauen, und dann, plötzlich, rennt Gottschalk durch das Publikum und tut so, als suche er jemanden mit musikalischen Fähigkeiten. Abgekartertes Spiel, er hält sein Mikro Andrew in die Fresse, der rappt ein paar Zeilen, Gottschalk nimmt ihn ans Händchen, führt ihn auf die Bühne - und dort performt er mit Heino "Dicke Dinger". Alles Show und abgesprochen.

Aber im Unterricht haben wir uns die Sendung angeschaut, und als Gottschalk Andrew an die Hand genommen und seine Hand geknuddelt hat, haben wir auf Zeitlupe gestellt.

Wahrscheinlich ist er von dieser Nummer nie wieder losgekommen: Rapper und eine Dance-Floor-Nummer mit Heino aufgenommen, das ging schon in den Neunzigern nicht. Davon hat er sich nie wieder erholt. Der Weg ins professionelle Musikbusiness - für immer verschlossen. Tja, dumm gelaufen, dank Heino.

Hätte er damals Gossen-Hiphop erfunden - rund zehn Jahre vor Sido & Co. - hätte er sicher viel Geld verdient und wäre in die Musikgeschichte eingegangen.

06 November 2007 - 11:01 -- Gimli

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Easy Rider

Hippie



Als ich das letzte Mal "Easy Rider" geschaut habe, ist mir vorallem aufgefallen, dass die beiden sich nicht wirklich wie Hippies verhalten.

Es beginnt schließlich damit, dass sie sich durch Drogenhandel einen Haufen Kohle verdient haben, und sich damit ein leichtes Leben mit Alkohol und Nutten verschaffen wollen. Billy (Dennis Hopper) ist dabei so richtig un-hippig. Zum Beispiel nehmen sie ja einen Hippie mit und Billy hat nur Angst, dass dieser ihr Geld klauen könnte, was diesem "wahren" Hippie natürlich nicht im Traum einfällt; stattdessen beschafft er die nächste Tankfüllung. Auch in der Hippiekommune, in die sie dann kommen, macht Billy einen eher genervten Eindruck, hält die ganzen Leute für bekloppt, und hofft praktisch nur eine der Frauen flachlegen zu können. Kurz gesagt: Billy ist ein Trittbrettfahrer, der seinen persönlichen amerikanischen Traum mit den simpelsten Mitteln ausleben will und dies gewissermaßen im Kielwasser der Hippie-Bewegung. Dafür übernimmt er im Endeffekt nur ein einziges ihrer Ideale, und zwar das Ideal der Freiheit glücklich zu werden wie man will. An gesellschaftlichem Wandel, oder dem Ausstieg aus der Gesellschaft, oder einer völlig neuen Form der Gesellschaft, wie sie im Summer of Love ausprobiert wurde (und scheiterte, muss man wohl sagen), ist er sicherlich nicht interessiert.
Wyatt (Peter Fonda) lebt nun zusammen mit Billy den selben Traum aus, die pure Freiheit also, ist sich aber, im Gegensatz zu seinem Kumpel, spätestens am Ende bewusst, dass die völlige Zügellosigkeit und Ungebundenheit ihn nicht weiterbringt. Den ganzen Film über sehnt er sich nach mehr, was auch immer das sein mag. Er bewundert den simplen Farmer mit seiner Großfamilie und überlegt ernsthaft sich der Kommune anzuschließen. Im Drogenrausch von New Orleans sieht er dann entgültig ein, dass seinem Leben die Substanz fehlt (seiner Meinung nach jedenfalls). (weiterlesen)