05 Oktober 2009 - 17:00 -- Oxford

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11 Freunde sollt ihr sein

Ich muss hier wirklich mal eine große Lanze für das Monatsmagazin "11 Freunde" brechen. Es ist die perfekte Lektüre für den etwas intellektuelleren Fan. Da gibt es keine Spielberichte oder Ergebnisse, sondern einfach nur gute, witzige und extrem unterhaltsame Geschichten rund um den Fußball. Es nennt sich ja auch selbst "Magazin für Fußballkultur".

Coverbild der



Ich kaufe mir die "11 Freunde" meist zu Beginn längerer Zugfahrten. Die Geschichten im Heft sind ja nicht tagesaktuell, daher hat man keine Eile beim Lesen. Trotzdem habe ich eine Ausgabe meist sehr schnell durchgelesen. Das Faszinierende daran ist, dass ich jeden Artikel lese. Egal wie dröge oder absurd das Thema auch zu sein scheint, die Artikel sind so humor- und liebevoll geschrieben, dass es immer Spaß macht. Noch dazu sind sie immer sensationell recherchiert und man erfährt Dinge, die man in der normalen Sportberichterstattung nie hören oder lesen würde. Das gilt auch für die Interviews. Gegenüber 11 Freunde wirken viele Fußballer deutlich offenherziger, als sie es in den Mainstream-Medien sind.

In den Geschichten der 11 Freunde wird Fußball wieder zum Spiel, also zum Fußballspiel. Medienmacht, Kohle und Kommerz rücken in den Hintergrund. Auch heute noch gibt es Geschichten, die man in unserer glattgebügelten Medienfussballwelt gar nicht mehr für möglich gehalten hätte. (weiterlesen)

03 Oktober 2009 - 15:34 -- Quar

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Wie sich 20 Jahre Einheit anfühlt

Am 3.Oktober und am 9. November werde ich irgendwie immer ziemlich rührselig. Dabei war ich noch nicht mal im Grundschulalter, als die Mauer fiel. Und doch: sobald sich die Menschen von 89 sich im Fernsehen in den Armen liegen, kullern bei mir die Tränchen.

Meine Eltern wurden beide in der DDR geboren, flüchten war für sie nie eine Option. Die gesamte Verwandtschaft wohnte in der DDR, in der BRD kannte man niemanden und auf Germanisten hatte man "drüben" gerade so gewartet. Das lag natürlich auch daran, dass unsere Familie ein relativ angepasstes Leben führte. Bis auf meinen Großvater, der regelmäßig erst fünf vor 18 Uhr im Wahllokal auftauchte, um die auf 100% Wahlbeteiligung getrimmten Wahlhelfer zum Wahnsinn zu treiben, gab es bei uns keine öffentliche Stellungnahme gegen diesen Staat.
Natürlich gab es genug Schikanen. Handwerker mit eigenem Haus und Laden gehörten ja quasi schon zu Bourgeoisie, da muss man schon dreimal überlegen, ob wirklich alle Kinder zum Studium zugelassen werden müssen. Bei meinem Onkel konnten die oberen Sesselfurzer noch überredet werden. Meine Tante ist heute sehr glücklich in ihrem Handwerksberuf, aber ich glaube, eigentlich, hätte sie schon sehr gerne studiert.
Woran sich meine Familie auch immer sehr ungern erinnert, ist die militaristische Ausrichtung dieses Staates. Meine Mutter musste ins paramilitärische Ausbildungslager. Sie erzählt ungefähr genau so viel davon wie mein Vater, der sich sein Studium durch drei Jahre NVA erkaufen musste.

In vielerlei Hinsicht geht es uns gold im Vergleich zu vor 20 Jahren. Natürlich gab es mehrere Enttäuschungen nach der Wiedervereinigung. Mein Großvater war (weiterlesen)