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23 November 2007 - 12:41 -- Ramujan

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Karriere

Ich hatte mal einen Rapper in der Klasse, der lange Zeit bei Abschlußbällen von Tanzkursen, Dorffesten und all jenen Veranstaltungen aufgetreten ist, die Musiker, die was auf sich halten und sich nicht von Dieter Bohlen casten lassen wollen, einfach mal absolviert haben müssen.

Und dann plötzlich, eines Tages, hat sich Heino bei ihm (oder seiner Agentur) gemeldet. Heino. Blondschopf-Heino, Sonnenbrillen-Heino. Blau, blau, blau blüht der Enzian, jaja, die Katja-Heino. Ein Heino, der sein Schlagerstar-Image satt hatte und bei den Jugendlichen ankommen wollte. Und dafür hat er Andrew, den Rapper aus meiner Klasse, gebraucht.

Zusammen haben sie das Lied Dicke Dinger aufgenommen, Heino ein bisschen Gesang, Andrew den Rap-Part, und schon war ein hochpeinliches Machwerk der Neunziger fertig, das gegen all die anderen hochpeinlichen Machwerke der Neunziger anstinken musste - und dabei untergegangen ist.

Aber das war schon witzig: Am Wochenende musste er durch die deutsche Fernsehshow-Landschaft tingeln, am Montag saß er dann wieder im Kreis der Klasse, gegen Grammatik und Mathe-Aufgaben ankämpfend.

Beim ZDF-Fernsehgarten neben Wolfgang Lippert, da haben wir ihn noch ausgelacht, aber während der After-Show-Party von RTL-Samstag-Nacht hat er ein Gemeinschaftsautogramm von Olli Dittrich und Wigald Boning abgestaubt, mit Widmung für unseren Deutschlehrer, der damals leidenschaftlicher Fan der Comedy-Truppe war. Hat natürlich Pluspunkte eingebracht, ganz klar. Der Schleimer.

Bei Gottschalks Hausparty war er auch - kennt das noch jemand?; einer von Gottschalks zahl- wie erfolglosen Versuchen beim Privatfernsehen Fuß zu fassen. Folgende Choreographie: Gottschalk interviewt Heino, Andrew sitzt im Publikum, neben ein paar hübschen, kamerakompatiblen Frauen, und dann, plötzlich, rennt Gottschalk durch das Publikum und tut so, als suche er jemanden mit musikalischen Fähigkeiten. Abgekartertes Spiel, er hält sein Mikro Andrew in die Fresse, der rappt ein paar Zeilen, Gottschalk nimmt ihn ans Händchen, führt ihn auf die Bühne - und dort performt er mit Heino "Dicke Dinger". Alles Show und abgesprochen.

Aber im Unterricht haben wir uns die Sendung angeschaut, und als Gottschalk Andrew an die Hand genommen und seine Hand geknuddelt hat, haben wir auf Zeitlupe gestellt.

Wahrscheinlich ist er von dieser Nummer nie wieder losgekommen: Rapper und eine Dance-Floor-Nummer mit Heino aufgenommen, das ging schon in den Neunzigern nicht. Davon hat er sich nie wieder erholt. Der Weg ins professionelle Musikbusiness - für immer verschlossen. Tja, dumm gelaufen, dank Heino.

Hätte er damals Gossen-Hiphop erfunden - rund zehn Jahre vor Sido & Co. - hätte er sicher viel Geld verdient und wäre in die Musikgeschichte eingegangen.

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